26
Feb

Pups kommentiert zum Wochenende:

Kein anderes Thema hat in der deutschen Medienlandschaft in der vergangenen Woche so viel Aufsehen erregt, wie der Fall Amerell. Auch wenn die Jungs der orangenen Seiten noch nicht darüber berichtet haben, mitbekommen haben wir es wohl alle: Michael Kempter soll von seinem langjährigen „Freund“ Manfred Amerell sexuell belästigt worden sein. Wie auch immer die Wahrheit ausschaut, die Medien spekulieren was das Zeug hält und keiner weiß eigentlich genau was da abging und was nicht. Warum eigentlich? Ist es denn so schwer einfach mal die Wahrheit zu sagen oder gar zu seinen Taten oder gar Gefühlen zu stehen? Anscheinend nicht! Der DFB scheint eine „Top-Secret-Akte“ angelegt zu haben, in die noch nicht einmal die Betroffenen selbst Einblick erhalten. Theo Zwanziger verweigert jede Stellungnahme und Amerell und Kempter schieben sich gegenseitig den Dreck unter die Fußmatte.

Aber was ist passiert? Da kommt der junge – und nicht unattraktive – Michael daher und wirft seinem langjährigen Freund, Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell den „Tatbestand“ der sexuellen Belästigung vor. Eben dieser setzt sich zu Wehr und zieht alle für ihn notwendigen Register, um die Vorwürfe – von mehr kann man derzeit ja nicht sprechen – von sich zu weisen. Ein ewiges hin und her in den Medien, angebliche Beweis-Sms-en und eine schon fragwürdige Abwehrhaltung sind die Folge. Nun steht Aussage gegen Aussage – Annäherung gegen Zurückhaltung. Was dran ist, wissen die beiden letztlich nur selbst, oder war jemand Drittes im entscheidenden Moment dabei? Wäre ja eine neue Theorie im Fall Amerell-Kempter.

Wie auch immer. Sicherlich ist es in der Macho-Welt Fußball nicht einfach sich als schwul zu outen. Der Druck der Öffentlichkeit, sei es der immer noch anhaltenden Intoleranz der Fans oder gar die Reaktion von Kollegen und Funktionären, ist enorm. Was aber, wenn wirklich eine Person der Fußballriege bi- oder homosexuelle Kontakte bevorzugt? An der Person selbst oder an den sportlichen Leistungen wird sich sicher nichts ändern, denn die sind je nach Tagesform auch jetzt nicht immer top – und dabei ist egal, ob jemand hetero- oder homosexuell ist. Davon können wir doch alle ein Lied singen…

Um es mal in meinen Worten zu sagen: Ich finde, es ist einfach eine Schweinerei auf dies Art und Weise das Thema in die Presse zu bringen. Die kleine Schlammschlacht zwischen den beiden Jungs geht uns nichts an. Und noch viel weniger, dass was zwischen ihnen gelaufen ist oder eben auch nicht. Was einzig und allein interessieren sollte ist, dass – wenn an all den Spekulationen etwas Wahres dran ist – beide ein Recht auf die freie Entfaltung ihrer Person haben. Und wenn es eben nicht mit dem besten Freund klappt, dann ist das ein Rückschlag für den Moment, aber eben nicht fürs Leben. Das sich aber der DFB als Barriere dazwischen klemmt und die ganze Diskussion im Grunde genommen nur weiter in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit dräng, ist eindeutig der falsche Weg. Oder wie war doch noch das Vorhaben, den deutschen Fußball zu enthomophobiesieren Herr Dr. Theo Zwanziger?

Kategorie : Pups Kommentiert

Ein Kommentar zu “Hinter den Kulissen wird es schmutzig…”


GAYS.DE 12. März 2010

Schwullesbische Hochschulgruppen fordern vom DFB mehr Initiative im Kampf gegen Homophobie:
Die Bundeskonferenz schwullesbischer Hochschulgruppen hat in einem offenen Brief an den DFB gefordert, die Kampagne gegen Homophobie im Fußball auszuweiten.

In dem von Florian Krause unterzeichneten Brief an Theo Zwanziger heißt es, dass „sich angesichts der momentanen Mediendiskussion zur ‘Schiedsrichter-Affaire’ (zeigt), wie richtig und wichtig Ihr Eintreten gegen Homophobie im Fußball ist.”

Man wolle den DFB ermutigen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Als Begründung schreibt Krause weiter: „Leider besteht die Gefahr, dass die ‘Schiedsrichter-Affaire’ als Bestätigung gängiger Vorurteile gegenüber homosexuellen Männern interpretiert wird. Die jüngsten Äußerungen von Rudi Assauer sind ein erschreckendes Beispiel hiefür und zeigen zugleich abermals die tiefe ideologische Verwurzelung von Homophobie im Fußball.” (Quelle: PRIDE1.de/nb)