
Matthew Mitcham - australischer Turmspringer, bekennender homosexueller und Botschafter der VIII. Gay Games Cologne
Egal mit welchem Thema wir uns befassen, es wird immer unterschiedliche Meinungen, Ansichten und Herangehensweisen geben. „Und das ist auch gut so“, wie der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit zu sagen wusste. Unterschiedliche Meinungen sind somit der Grundstein von Konversation und Austausch – der Keim der Arbeit. Und dies vor allem für die Organisationen, Vereine, Verbände und Aktivisten, die sich für einen respektvollen Umgang zwischen Menschen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung engagieren.
Gerade im Sport sind die Vorurteile gegenüber homosexuellen Athleten und Mitspielern der Ansatz der Präventionsarbeit. Ein Outing im Profisport ist für viele nicht denkbar. Egal ob als Athlet oder im Mannschaftssport – Schwulsein gilt immer noch als Tabuthema. Schimpfworte wie „Schwule Sau“, „Schwuchtel“ oder „Sch****lutscher“ sind gerade in den Stadien der Fußballligen beheimatet, aber auch in anderen Sportarten sind Intoleranz und Beschimpfung auf Grund der sexuellen Orientierung alltäglich.
Um der Homophobie im Sport entgegenzutreten, setzen sich der Deutsche Fußball Bund, Politiker und schwul-lesbische Vereine aktiv ein. Aktuellstes Beispiel dafür ist die am Dienstag im Roten Rathaus Berlin eröffnete Ausstellung „Gegen die Regeln – Lesben und Schwule im Sport“. Auf insgesamt 37 Bannern wird die Situation der vorherrschenden Homophobie im Sport dargestellt. So erfährt der Besucher zum Beispiel, dass die Deutschen Fußballerinen 1995 an den schwul-lesbischen Euro Games teilnehmen wollten, ihre Teilnahme aber unter Androhung eines Rauswurfs vom DFB verhindert worden ist. Ansichten und Meinungen können sich wandeln. Zumindest engagiert sich der DFB 15 Jahre später bereits in Kampagnen und Aktionen zur Toleranzgewinnung. Ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn es für homosexuelle Spieler immer noch unmöglich scheint, sich zu outen. Intoleranz und Vorurteile beherrschen die Stadien. Das weiß auch Michael Urban, der den Schritt gewagt hat. Nach seiner Karriere als Amateurspieler bekannte sich Urban zu seiner Homosexualität.
Ein weiteres gutes Beispiel für die Integration schwuler Sportler sind die in Köln stattfindenden Gay Games vom 31. Juli bis 7. August 2010. Das seit mittlerweile 30 Jahren etablierte Sportturnier ruft Homosexuelle zur Teilnahme in verschiedenen Disziplinen auf und verbindet den Sport an sich mit der eigenen sexuellen Orientierung. Mehr als 12.000 Teilnehmer werden bei den VIII. Gay Games Cologne aus allen Ländern der Welt erwartet. Gemeinsam setzt man ein Zeichen gegen Intoleranz und vereint bei zahlreichen Sport- sowie Kulturveranstaltungen das homo- und heterosexuelle Publikum. Eine Veranstaltung mit olympischem Gedanken, denn die Leistungen der Teilnehmer sind wohl mehr als unabhängig von ihren persönlichen Vorlieben der Geschlechterwahl.
Auch wenn es immer noch Menschen gibt, die Schwule und Lesben nicht akzeptieren wollen, ein tolerantes Miteinander sollte in der heutigen Zeit wohl möglich sein. Und eben darum kämpfen Vereine, Verbände und Organisationen auch weiterhin um Respekt und Anerkennung.