Hin und Her, Ja und Nein – stattgefunden hat sie dennoch: Die Baltic Pride 2010. Wenn auch in einem anderen als angedachten Rahmen und unter Androhung von massiven Protesten (GAYS.DE berichtete). Der Druck der EU- Politik und die Teilnahme von Schwedens Europaministerin Birgitta Ohlsson und Volker Beck, MdB Bündnis 90/Die Grünen zogen zudem die Augen nach Litauen. Es galt dem Widerstand entgegen zu treten und „Für Gleichheit“ auf die Straße zu gehen – Und es ist gelungen! Litauen hat bereits in der Vergangenheit scharfe Kritik aus Europa einstecken müssen. Ein Verbot der „positiven Darstellung von Homosexualität“ war im Sommer 2009 der Auslöser dafür (GAYS.DE berichtete).
Knapp 300 Menschen haben sich am Samstag zur Demonstration in Vilnius zusammen gefunden und unter einem mehr als doppelt so starken Polizeiaufgebot für ihre Rechte und für mehr Anerkennung demonstriert. Die Gegendemonstranten wurden vorsorglich von den Paradeteilnehmern abgeschirmt. Dennoch kam es zu Steinwürfen, Beleidigungen und zu vereinzelten gewaltsamen Auseinandersetzungen. Insgesamt 19 Verhaftungen konnten die Behörden verzeichnen.
Zuvor hatte das oberste Verwaltungsgericht die Parade verboten, da der Schutz der Teilnehmer vor möglichen gewaltsamen Übergriffen nicht gewährleistet werden könne. So lautete die Begründung der Richter vergangene Woche. Nach einer erneuten Anhörung wurde die Entscheidung allerdings wieder revidiert. Die Richter begründeten den neuen Beschluss damit, dass der Staat die Versammlungs- und Meinungsfreiheit nicht missachten könne. Das überwiegend katholische Litauen gilt gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen als mehr als konservativ. Im Vorfeld hatten sich mehr als drei Viertel der Bevölkerung bei einer Umfrage gegen die Durchführung einer Gay Pride ausgesprochen.
Die „Baltic Pride“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der im Baltikum ansässigen schwul-lesbischen Organisationen. Im Rotationsprinzip findet sie jährlich entweder in Litauen, Lettland oder Estland statt. Auch in Riga gab es im vergangenen Jahr bereits im Vorfeld Proteste, die Pride konnte auch hier nur unter einem massiven Polizeiaufgebot durchgeführt werden. Im kommenden Jahr ist Tallinn Gastgeber. (Bilder: Logo Baltic Pride, unten: Parlamentarier Uoka wurde aufgrund von homophoben Äußerungen abgeführt; Foto: ap)