Erstmals in der Geschichte des Gedenkens an den ersten Aufstand Homosexueller und anderer sexuell Unterdrückten, hat es im Osten Europas eine Parade der Superlative gegeben – auf den deutschen Straßen von Süd bis Nord, hat es neue Besucherrekorde gehagelt und einige Neuerungen in Sachen Lokalpolitik konnten die Veranstalter auch verzeichnen.
EuroPride – Osteuropa traut sich
Zum ersten Mal überhaupt, hat der EuroPride in einem Land des „Ostblocks“ stattgefunden. Anders als die EuroPride im vergangenen Jahr, war es jedoch etwas ‚steriler‘ in der polnischen Landeshauptstadt – keine Regenbogenfahnen in der Innenstadt und auch Plakate, die auf das wohl wichtigste Ereignis für Schwule und Lesben in Warschau aufmerksam machen sollten, fehlten. Und dennoch – oder vielleicht auch grad wegen der konservativen Einstellung der Polen – kamen mehr als 10.000 Demonstranten aus ganz Europa zusammen und zeigten, dass Homosexuelle friedlich für ihre Rechte eintreten können. Anders die von mehr als 2.000 Polizeibeamten in Schach gehaltenen Gegendemonstranten. Von ihnen wurden acht Gewalttäter festgenommen, die u.a. mit Flaschenwürfen gegen die Homosexuellen vorgehen wollten.
Erfolge bei den CSDs in Deutschland
Frankfurt konnte am Wochenende einen neuen Besucherrekord zum Christopher Street Day verzeichnen. Mehr als 50.000 Besucher verfolgten die bunte Polit-Parade durch die Innenstadt bis hin zum Römer und auch die einstige Bundesjustizministerin Brigite Zypries feierte mit den Frankfurtern unter dem Motto: „Stolz auf unsere Vielfalt“ und verwies auf die ernsthaften Anliegen der Homosexuellen.
Weiter südlich feierten die München ihr 30. Jubiläum. „Deine Stadt – Deine Community – Deine Freiheit“ – diesem Aufruf folgten am vergangenen Samstag mehrere Zehntausend Menschen und bejubelten die 52 Paradewagen vom Marienplatz in Richtung Glockenbachviertel. Auch die Lokalpolitik konnte sich dem ernsten Anliegen der CSD Veranstalter annehmen und gab grünes Licht für die Nutzung des großen Sitzungssaals im Rathaus für einen wohl einmaligen Ballabend.
„Wir haben ein Anrecht auf Respekt von Jedermann.“
Einen politischen Erfolg konnte auch das Netzwerk lesbischer und schwuler Gruppen in Bielefeld e.V. für sich verbuchen. Erstmals in der 15-jährigen Geschichte des Bielefelder CSDs, wehte die Regenbogenflagge am Rathaus und dem Wahrzeichen der Stadt, der Sparrenburg.
Damit hatte der offen schwule Oberbürgermeister der Leineweber-Stadt ein Wahlversprechen eingehalten und sogar noch eine Überraschung für die queere Community parat. Mit den Worten: „Wir sind anders, aber gleichwertig […].“, eröffnete Clausen die Parade und hisste gemeinsam mit Edel-Drag-Queen Tatjana Taft die Regenbogenflagge am Alten Rathaus in Mitten der Stadt. Anschließend zogen mehr als 600 Demonstranten durch die Innenstadt hin zum Straßenfest auf dem Siggi, der musikalisch von Corbeat und Rosenblond erfüllt wurde und feierten zum Motto: “Ein Leben ohne Maske”.
Bilder aus Bielefeld:
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