Eine Meinung: Auch Satire kennt Grenzen
Als wären die Ereignisse vom Wochenende nicht schon tragisch genug, hetzt unsere „Lieblings-“ Informationsseite einmal mehr auf menschenverachtende Weise gegen Personengruppen im Netz. In ihrem Ursprung 1989, hatte die Love-Parade nur ein Anliegen: „Friede, Freude, Eierkuchen“. Dr. Motte wollte gemeinsam mit rund 150 Mitstreitern für ein friedliches Miteinander, Spaß am Leben und gegen den Hunger in der Welt demonstrieren. Aus der ehemals politischen Demonstration wuchs eine kommerzielle Veranstaltung der Superlative, die letztlich in Duisburg das letzte Mal stattfand. – ohne Worte –
Die Medien überschlagen sich seither förmlich mit der Berichterstattung – objektiv und mit einem Blick auf die Hintergründe, auf der Suche nach den Verantwortlichen – Aufklärung soll stattfinden. Doch auch offensichtliche Falschaussagen und geistige Entgleisungen gehören zur Berichterstattung. Bestes Beispiel der Internetauftritt der Elternhilfe ONLINE. Selbst bezeichnet sich der Blog als kompetente Informationsplattform und Berater im Internet – als Ratgeber in Erziehungsfragen gar und alles rein satirisch versteht sich. Soll zumindest verstanden werden. Wer allerdings beraten werden soll ist mir selbst unklar, denn einmal mehr hat sich einer der Autoren in seiner Wortwahl vergriffen. Einmal mehr wurden Unwahrheiten und Falschaussagen veröffentlicht, die meines Erachtens gar menschenunwürdig erscheinen.
Da ist nicht nur die Rede von „grauenvoller Tötung“ auf dem „Volksfest der Homosexuellen“, sondern auch, dass es sich bei der Loveparade um eine Veranstaltung handelt, bei der HIV und Aids am weitesten verbreitet sind. Falschaussagen, die Abneigung und Anwiderung in mir hervorrufen – gar blanken Ekel beim Lesen auslösen. (zum Original Eintrag)
Auch wenn es sich bei den Einträgen von Keyser Söze um satirische Beiträge handelt – an dieser Stelle ist der Bogen einfach überspannt worden. Ich möchte behaupten, dass die Mehrzahl der Leser und Kommentatoren nicht den überspitzten und überaus sarkastischen Unterton zwischen den Zeilen entdeckt hat und dieser Art von Berichterstattung wohlwollend zustimmt. Immerhin sind Vorurteile und Intoleranz in unserer Gesellschaft fest verankert. Nicht nur das den Angehörigen der Opfer mit diesem Beitrag mitten ins Gesicht gespuckt wird, auch die Schwulen und Lesben fühlen sich zu Recht diskriminiert dargestellt.
Respekt – nicht nur gegenüber der Opfer und sexuellen Minderheiten – ist eben auch ein Mittel, das in einer Satire berücksichtigt gehört! Ein Ergebnis: Der Blog ist derzeit offline. (RP)
Ich möchte ausdrückllich darauf hinweisen, dass es sich hier um einen persönlichen Eintrag von mir als Mitarbeiter bei GAYS.DE handelt. Ich möchte damit niemanden beeinflussen oder gar vorschrieben, was ein jeder Denken soll. Ich möchte lediglich meinen Eindruck wiedergeben, den ich – wie oben beschireben – beim ersten Lesen erhalten habe. Die Reaktionen der Kommentatoren und der Medien lassen zudem darauf schließen, dass nicht jeder Leser zwischen den Zeilen liest …
Danke Euer (RP) alias Roney Pony
Das sehe ich anders. Satire muss alles dürfen, sonst macht sie keinen Sinn.
Mit überspitzten Thesen die Leute zum nachdenken bringen, vielleicht auch erst danach, wenn alles aufgeklärt ist.
Die Reaktionen auf den Blog zeigen in meinen Augen auch die Sensationsgeilheit in unserer Gesellschaft.
Ich sage das als Mitglied einer gesellschaftlichen Randgruppe, die es nicht leichter hatte als die Schwulen und Lesben.
“Respekt… ist ein Mittel, das in einer Satire berücksichtigt gehört”??
Benutzt du eigentlich dein Gehirn gelegentlich? Dann wäre dir aufgefallen, wie unglaublich dämlich diese Aussage ist.
Mein Gehirn ist immer im Einsatz und gepaart mit ein wenig Menschenverstand, einer Prise Anstand und eben auch mit Respekt – komme ich zu eben dieser – MEINER – Ansicht.
Die Satire an sich ist dazu da, einen Misstand etc. zu verspotten, einen Sachverhalt bloßzustellen – sie beinhaltet etwas Komisches, gerne auch Kritik. Satire soll unterhalten – nur leider kann ich in dieem Zusammenhang keinerlei Unterhaltungswert festellen.
Wenn der Beitrag für andere Unterhaltung ist, dann bitte schön, aber dank der Möglichkeit der freien Meinungsäußerung, sind unterschiedliche Denkweisen und damit unterschiedliches Verständnis gerechtfertigt.
Jeder soll seine eigene Meinung vertreten, in einem angemessenen Rahmen, in sachlicher Form. Meiner Meinung nach bei diesem Beitrag nicht der Fall, wenn man die Kommentare gelesen hat. Und ich wage zu bezweifeln, dass ein Großteil der Leser den Gedanken des Autors verstanden hat. Die Reaktionen im Netz zeigen, dass der Artikel eben nicht als Satire verstanden worden ist – mehr habe ich im obigen Beitrag auch nicht wiedergegeben.
Ich gebe den beiden Kommentatoren einerseits recht, Satire muss alles dürfen, sonst ist sie sinnlos per Definition.
Ich denke allerdings Roneys Kommentar ist lediglich etwas mißverständlich formuliert. Wer mal das Original gelesen hat, erkennt, dass dort keine Substanz ist, das satirisch vermittelt wird (oder ich bin zu blöd es zu erkennen). Und natürlich gibt es einen großen Unterschied zwischen guter Satire und Bullshit. Wobei der Artikel allein aus der rhetorischen und inhaltlichen Sicht von meinem Blickwinkel in den Bereich Bullshit fällt.
Wie gesagt, Satire darf alles, und Satire darf bzw. soll auch anspruchsvoll sein und damit zum Nachdenken anregen – dafür ist sie da. Nur der Originalartikel tut eben dies nicht, wenn doch dann möge man mir bitte erklären was er genau mit welchen Mitteln tut.
Hezlichen Dank für die schnelle Antwort – diese hat nur leider überhaupt nichts mit meiner Aussage zu tun.
Du behauptest, Respekt müsse in der Satire berücksichtigt werden. Dies ist schlicht und ergreifend falsch.
Am lustigsten finde ich, dass sie der Autor des Blogs über den man sich hier so aufregt, auf seinem Blog “Antimensch” dazu bekennt bisexuell zu sein.