Positive Begegnungen sprengen den Rahmen

„Wir sprengen den Rahmen!“, war das Motto der gestern in Bielefeld zu Ende gegangenen Konferenz „Positive Begegnungen“ (GAYS.DE berichtete von der PoBe 2010). Vier Tage lang diskutierten 500 Menschen mit und ohne HIV auch über Bilder von HIV und Aids in der Öffentlichkeit. Ziel: eine vielfältige und differenzierte Darstellung.

Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. begrüßt das Engagement einiger Teilnehmer und veröffentlicht ihre  Geschichten. „Berichtet über unsere unterschiedlichen Lebensgeschichten mit HIV! – Dies ist Wunsch und Angebot von Konferenzteilnehmenden der Positiven Begegnungen – Also warum nicht?!“, so Jörg Litwinschuh, Pressesprecher der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. Wir haben eine Auswahl der Beiträge für Euch zusammengefasst:

„Wir wollen kein Mitleid!“, so lautet die Botschaft von Benny (24) und Jenny (18). Die beiden Schweizer sind seit ihrer Geburt an positiv. Regelmäßig treffen sie sich zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch und für gemeinsame Unternehmungen. Beide treten selbstbewusst auf und versuchen ihre Botschaft zu vermitteln. Die Jugendzeitschrift BRAVO hat bereits über die beiden und ihr Leben berichtet. Nun wollen sie weitermachen und der Öffentlichkeit zeigen, dass ein Leben mit HIV lebenswert ist.
Auch Fred Jörke Kunahth ist dieser Ansicht. Nach dem seine ersten beiden Lebenspartner verstorben sind, lernte der heute 60-Jährige auch seinen dritten Partner auf einem Positiventreffen kennen. Mittlerweile sind beide seit neun Jahren liiert und leben ihr Leben öffentlich positiv. Freds Mann sitzt im Lüneburger Stadtrat – ein selbstbewusster Umgang mit der Öffentlichkeit für beide der einzig richtige Weg.
Engagement ist auch für Jule Sandgi wichtig. Die Dortmunderin betreibt aktive Aufklärungs- und Präventionsarbeit in Schulklassen und Krankenpflegeschulen. Vor mittlerweile 25 Jahren hat sich die ehemalige Krankenschwester infiziert. Also Opfer einer Vergewaltigung, setzt sie sich ein, obwohl sie selbst seit sieben Jahren schwer erkrankt ist und den eigenen Alltag nicht mehr ohne fremde Hilfe meistern kann.
„Selbstbewusstsein ist das beste Accessoire“, so lautet das Motto des 21-Jährigen Marcel Dams. Er betreibt die wohl derzeit interessanteste Form der Präventionsarbeit für Jugendliche: Marcel bewegt sich im Web 2.0. Ein Youtube-Kanal, der täglich mehr als 500 Zuschauer erreicht und einen Blog kann er sein Eigen nennen. Nachdem der junge Schwule von seiner HIV-Infektion erfahren hatte, ging er in die Offensive. Seither schreibt er über sein Leben mit dem Virus. Ein Tagebuch über aktuelle Ereignisse, sein Leben und die Höhen und Tiefen eines HIV-positiven jungen Mannes. Prädikat: empfehlenswert.

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