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Cruising: Augen auf in Münchens Parks

Cruising birgt Gefahren – Schon mehrfach haben Wir Euch darüber informiert, dass in Parks, Wäldchen und auf Parkplätzen nicht immer alle Euer „bestes“ wollen. Beim cruisen solltet Ihr stets die Augen offen halten und wachsam sein.

In München warnt aktuell das SUB – Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München e.V. – vor unachtsamen cruisen.  „Vorsicht walten lassen, im Notfall die Polizei rufen.“, so Christopher Knoll, Leiter des Anti-Gewalt-Projektes für schwule Männer im Sub.

In den letzten Tagen kam es vermehrt zu Übergriffen und Raubtaten in der Nähe von Münchens Cruising-Plätzen. Besonders am Sendlinger Tor und Innsbrucker Ring wurden Männer angegriffen und nicht selten beraubt, wie die Münchner Polizei mitteilte. Auch gewaltsame Übergriffe waren in den letzten sommerlichen Nächten keine Seltenheit.

Das SUB bewertet die Vorfälle als geplante Übergriffe mit einem schwulenfeindlichen Hintergrund. „Pöbeleien und Körperverletzungen richteten sich fast ausschließlich gegen schwule Männer. Im Park am Sendlinger Tor und den benachbarten Straßen kam es darüber hinaus vermehrt zu Raubüberfallen.“, so Knoll weiter. Das Aktionsbündnis für Solidarität gegen Schwulen-, Lesben- und Transfeindlichkeit warnt: „Wir fordern schwule Männer auf, die Augen offen und verdächtige Personen im Auge zu behalten. Gegebenenfalls sollten sie die Polizei über die 110 verständigen und andere schwule Männer, falls anwesend, um Unterstützung bitten“.

Bedauerlicherweise gibt es aber auch immer wieder Konfrontationen mit der Polizei. So ist es verboten, Spielplätze zu betreten, die ja häufig Bestandteil öffentlicher Parkanlagen sind. Die Polizei nimmt dies leider zum Anlass für nächtliche Kontrollen. Insbesondere drei Stellen sind hier in München kritisch: der Spielplatz auf der Theresienwiese und insbesondere die Spielplätze am Sendlinger Tor Park (wo nachts der gesamte Park als Spielplatz gewertet wird) sowie im Englischen Garten. Hier gab es in der Vergangenheit immer wieder Situationen, die die Polizei als Hausfriedensbruch gewertet hat – auch wenn das Areal nicht durch einen Zaun gesichert ist – so zum Beispiel am Sendlinger Tor.

 

Die Rache des Cruising-Mörders

Cruising birgt Gefahren – Darüber haben wir Euch bereits im letzten Jahr mehrfach informiert. Auch darüber, dass ein offensichtlicher Schwulenhasser sein Unwesen treibt. (zur Berichterstattung auf GAYS.DE) Nach der erfolgreichen Fahndung im letzten Jahr, berichten die Medien nun vermehrt über die Tatabsichten des Täters:

Die Übergriffe des 65-Jährigen sollen wohl überlegt und gut durchdacht gewesen sein. Die Indizien am jeweiligen Tatort sprechen für sich. Die Opfer wurden gezielt ausgesucht und anschließend regelrecht hingerichtet. Grund der Übergriffe – Rachegelüste.

Nach dem der Täter von seiner HIV-Infektion erfahren hatte, wuchs seine Wut gegenüber Schwulen ins Unberechenbare. Obwohl seine Seitensprünge ausschlaggebend für die Infektion waren, sah der Mann die Schuld nur bei einem seiner Sexualkontakte. Während eines Urlaubs in Afrika war ein Transvestit in den Händen des verheirateten Mannes gelandet, selbstverständlich der einzige Grund der die Infektion mit dem HI-Virus gewesen sein könnte. Ohne über sein eigenes Verhalten nach zu denken, wuchs der Hass gegenüber Schwulen sosehr, dass Rachegelüste laut wurden. Die Opfer aus Mörfelden und Böblingen können nichts für den ungeschützten Sex mit anderen Partnerinnen. Auch die eigene  Ehefrau wusste Medienberichten nichts von den Seitensprüngen noch den nächtlichen Aktivitäten ihres Mannes.

Cruising-Morde: Tatverdächtiger kommt aus Esslingen

Wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart und die ermittelnden Polizeibehörden gestern auf einer Pressekonferenz mitteilten, scheint der Cruising-Mörder (GAYS.DE berichtete) gefasst.

Die Ermittlungen verliefen am Wochenende Schlag auf Schlag. Mit kriminalistischer Feinarbeit sind Beamte der Kriminalpolizei dem verheirateten 55-Jährigen, der bei der Polizei ein unbeschriebenes Blatt ist, am Freitagabend auf die Schliche gekommen. Der Mann aus Esslingen hat die DNA-Spuren, die im Zusammenhang mit dem Mord im Hölzertal bei Magstadt Anfang Mai gesichert wurden und die übereinstimmenden Spuren des Überfalls auf einen Autofahrer Anfang Juni in Freudenstadt gelegt.  Der Tatverdächtige  befindet sich seit Sonntag in Untersuchungshaft.

Bereits in der vergangenen Woche hatten sich die Ermittler von Böblingen und Rüsselsheim mit den Kollegen der Kriminalpolizei Freudenstadt intensiv ausgetauscht, Fallerkenntnisse besprochen, Datenbanken verknüpft und Strategien für die weitere Verfahrensweise bei den Ermittlungen festgelegt. Die intensive Zusammenarbeit hat sich als richtig herausgestellt. Denn im Zusammenhang mit dem Mordfall im Hölzertal sind von Zeugen Hinweise auf ein dunkles Fahrzeug abgegeben worden, das unmittelbar nach der Tat auf dem Ausweichparkplatz der L 1189 zwischen Magstadt und Stuttgart-Büsnau stand. Genau diese kristallisierten sich jetzt als äußerst wertvoll heraus. Nach dem Überfall am 6. Juni auf den 62-jährigen Geländewagenfahrer am Unteren Marktplatz in Freudenstadt hatten Beamte der Spurensicherung den Fluchtweg des Täters dokumentiert, indem sie unter anderem  neben vielen geparkten Autos auch das Fahrzeug des Verdächtigen fotografierten. Beim Abgleich der Fahrzeuge mit den Böblinger Zeugenaussagen und Fallerkenntnissen richtete sich das Augenmerk auf den schwarzen 7er BMW des Verdächtigen, der in einer Nebenstraße stand.

Bei der Durchsuchung der Wohnung und des Fahrzeugs des Tatverdächtigen stießen die Ermittler dabei auf wertvolle Beweismittel. Im Kofferraum des Autos fanden sie einen schwarzen Rucksack und eine Umhängetasche, in denen neben einer Sportschützenpistole auch die seit 14 Jahren nicht mehr hergestellte und deswegen relativ seltene  Munition mit der Herstellerbezeichnung MRP aufbewahrt wurden.

Zum Motiv des Tatverdächtigen ist noch nichts bekannt. Der 55-Jährige schweigt zu den Tatvorwürfen. Insbesondere stellt sich für die Ermittler die Frage, ob dieser einen Bezug zu homosexuellen Treffpunkten hat. Der Autobahnparkplatz bei Mörfelden-Walldorf wie auch das Hölzertal sind als Treffpunkte für anonyme gleichgeschlechtliche Sexualkontakte bekannt. Für die Kriminalpolizei der ermittelnden Dienststellen ist mit der Festnahme des Verdächtigen der Fall noch nicht abgeschlossen. Weitere aufgefundene Gegenstände (Bild oben) lassen den Schluss zu, dass der Mann möglicherweise noch für andere Straftaten in Frage kommt. Insbesondere werden von den Beamten eine sichergestellte Wollmaske, Handschuhe und ein Drohbrief  als Indiz hierfür gewertet. (Quelle: Polizeibericht/PD Böblingen)

War der Cruising-Mörder in Freudenstadt unterwegs?

Bereits Mitte des Jahres haben wir Euch darüber informiert, dass ein unbekannter Täter sein Unwesen auf Parkplätzen und in der Szene bekannter Cruisingareas treibt. Aber auch die breite Berichterstattung in den schwulen Medien und der Tagespresse konnte bisher nicht zum Fahndungserfolg beitragen. Immer noch tappt die Polizei im Dunkeln und sucht einen Mann, dem bisher zwei Männer zum Opfer gefallen sind.

Wie jetzt bekannt wurde, soll der  unbekannte Täter im Juni in Freudenstadt zugeschlagen haben. Medienberichten zufolge soll sich der als 55 bis 65 Jahre alter beschriebener Mann mit einem Messer Zugang zu einem Fahrzeug verschafft haben und den Fahrer bedroht sowie verletzt haben. Geistesgegenwärtig und ohne Beachtung seiner Verletzung, alarmierte der angegriffene Belgier Passanten und konnte schlimmeres verhindern. Der Angreifer hinterließ die Tatwaffe und somit auch belastende DNS-Spuren.

Wie die Polizei mittlerweile bekannt gegeben hat, sind die Spuren des Überfalls identisch mit denen von den vorangegangenen Cruising-Morden. Nun sucht die Kripo Freudenstadt nach weiteren Hinweisen und bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Bei der Tatwaffe handelt es sich um ein Klappmesser der Marke „Laguiole“ mit einer Klinge von 17 Zentimetern Länge. Hinweise bitte an GAYS.DE oder direkt an die Kriminalpolizei Freudenstadt unter 07441 – 5360.

Cruising Morde weiterhin rätselhaft

Immer noch gibt es keine Spur im Fall des in Kerpen ermordeten jungen Mannes. Der in der Nähe eines bekannten Cruising-Gebiets für homosexuelle Männer aufgefundene Mann, wurde in der Nacht zum 30. August mit mehreren Schüssen ermordet. (GAYS.DE berichtete)

Nachdem die Polizei davon ausgegangen ist, dass der Mord im Großraum Köln mit den beiden Taten in Süddeutschland in einem Zusammenhang stehen könnte (siehe Berichterstattung auf GAYS.DE), musste dieser Verdacht heute wieder verworfen werden. Die ballistischen Untersuchungen haben ergeben, dass es sich anders wie bei den ersten beiden Gewalttaten um eine andere Tatwaffe handelt. Nach Informationen der Behörden, kann ein Zusammenhang jedoch letztlich noch nicht ausgeschlossen werden.

Anders als von den Medien bisher angenommen, müssen die Fahndungsergebnisse nun neu bewertet werden. Eine Spur zum Täter gibt es demnach noch nicht und auch die Identität des Opfers konnte noch nicht eindeutig geklärt werden. Das Bild des ca. 30-Jährigen war in den letzten Tagen auf zahlreichen Internetplattformen zu sehen. Ein Ermittlungserfolg blieb dennoch bisher aus. Hinweise zu Opfer und Täter leiten wir gerne an die Ermittlungsbehörden weiter.

Für alle, die gern mal ein „Blind Date“ haben, hier ein paar Tipps:

  • Gebt niemanden Eure Privatanschrift in die Hände, den Ihr nicht kennt.
  • Lasst Euch nicht unter Druck setzen, bedenkt was Ihr tut.
  • Überlegt gut, welche Informationen Ihr von euch preisgebt. Schnell können sie gegen Euch verwendet werden.
  • Nutzt öffentliche Plätze für ein erstes Date. Im Café oder einer Bar könnt Ihr euer „Blind Date“ in Ruhe kennen lernen.
  • Erzählt Euren Freunden von dem „Date“. Am besten Ihr verabredet einen Anruf, dann könnt Ihr kurz Rückmeldung geben, ob alles ok ist.

Weitere Tipps findet Ihr auch auf der Seite des schwulen Anti-Gewalt-Projekts MANEO.

Wieder Vorfall in Cruising-Zone

Auch wenn der folgende Artikel nicht wirklich erfreuliche Nachrichten enthält, möchten wir ihn Euch nicht vorenthalten. Bereits vor gut einem Monat haben wir über die Vorfälle in Süddeutschland berichtet, bei denen zwei Männer Opfer eines Tötungsdeliktes geworden sind. (zum Beitrag)

Bereits Anfang der Woche ist es zu einem neuen Zwischenfall in Kerpen bei Köln gekommen. Ein bisher noch unbekannter Mann im Alter zwischen 25 und 30 Jahren ist in der Nähe eines Cruising-Gebiets tot aufgefunden worden. Polizeiangaben zufolge war der Mann nur mit einem schwarzen T-Shirt bekleidet und wurde durch einen Kopfschuss regelrecht hingerichtet. Weitere Schussverletzungen wurden im Oberkörper festgestellt.

Momentan ermittelt die Kripo in alle Richtungen. Ein Zusammenhang mit den beiden Tötungsdelikten aus dem Kreis Böblingen und dem Kreis Groß-Gerau kann derzeit nicht ausgeschlossen werden. Die bundesweite Fahndung nach dem Täter läuft.

Als Community für schwule und bisexuelle Männer, möchten wir diejenigen unter Euch bitten, die sich auf eben besagten Plätzen vergnügen, besonders achtsam zu sein. Denkt bitte immer an Eure eigene Sicherheit und lasst Euch nicht zu sexuellen Handlungen drängen, die Ihr selbst nicht wollt.

Aufgepasst: Cruising birgt Gefahren!

Als Community für schwule und bisexuelle Männer, sehen wir uns in der Pflicht, Euch über die Geschehnisse  in Süddeutschland zu informieren.

Nach einer Mitteilung der Polizeidirektion Böblingen, dem Polizeipräsidium Südhessen sowie den Staatsanwaltschaften in Stuttgart und Darmstadt, möchten wir kurz auf die Vorfälle im Hölzertal und Hessen eingehen und Euch zur Wachsamkeit beim Cruisen anhalten.

„Schwuler Serienmörder?“

Den Informationen nach, sucht eine Sonderkommission derzeit nach einem noch unbekannten Täter, der auf sogenannten Cruising-Plätzen im Süden Deutschlands bereits zwei Männer ermordet hat.

Bereits am 8. Mai 2010 wurde auf einem Parkplatz im Hölzertal bei Magstadt, Landkreis Böblingen, ein 30 Jahre alter Mann mit einer Schussverletzung am Kopf aufgefunden. Der Mann verstarb am Tatort.  Bei einer zweiten Tat, der ein 70-jähriger Schwuler auf einem Parkplatz an der A5, Nähe Mörfelden-Walldorf, zum Opfer fiel, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den gleichen Täter. Auf Nachfrage von GAYS.DE wurde bestätigt, dass beide Mordopfer sich auf öffentlichen Cruising-Plätzen aufgehalten haben. „Grund zur Sorge macht uns derzeit jedoch, dass nicht auszuschließen ist, dass weitere Übergriffe auf eben solchen Plätzen stattfinden. Die kriminaltechnische Untersuchungen haben ergeben, dass die Tatwaffe identisch ist.“, so die Polizeidirektion Böblingen.

Zu Eurer eigenen Sicherheit möchten wir alle Cruiser unter Euch bitten, achtsam zu sein. Bisher konnte kein Tatverdächtiger ermittelt werden, zuvor verdächtige Personen mussten aufgrund mangelnder Beweise wieder freigelassen werden. Der Täter ist demnach noch auf Freiem Fuß.
Da die Ermittlungen laufen, können wir keine weiteren Ermittlungsdetails veröffentlichen.

Solltet ihr Hinweise zu verdächtigen Personen oder Fahrzeugen beobachtet haben, die zur Aufklärung der zwei Verbrechen beitragen, wendet Euch bitte umgehend an die nächste Polizeidienststelle.

Danke für Eure Achtsamkeit – Euer GAYS.DE Team

Berlin Tiergarten – Cruising verboten

Schilder mit der Aufschrift "No Cruising – Hier bitte nicht!" im Berliner Tiergarten: MANEO, das Berliner Anti-Gewalt-Projekt startet diese Aktion fuer ruecksichtsvollerem Outdoor-Sex.
Besonders der Teil westlich der Siegessaeule ist als Cruisinggebiet bei homosexuellen Maennern im weiten Umkreis bekannt. Weniger angenehm sind dabei jedoch die zertrampelten Pflanzen, herumliegende Kondome oder Taschentuecher.

MANEO und die Polizei erklaerten das Gebiet noerdlich von der Straße des 17. Juni als Problemzone, da sich dort ein großer Kinderspielplatz befindet. Dort wurden nun Hinweisschilder installiert die Maenner auffordern, sich an anderer Stelle zu vergnuegen.

GAY.DE Serie zum WAT 2012: „Mach das Beste draus!“

„Älter werden“? Gerade in der schwulen Community oft ein rotes Tuch. Wer will das auch schon… Einen anderen Dreh bekommt das Ganze allerdings, wenn jemand mit seinem sicheren und frühen Tod rechnete und dann doch weiter leben kann.

So wie IWWIT Rollenmodell Wolfgang. Er infizierte sich 1987 mit HIV. Wirklich wirksame Medikamente waren noch nicht auf dem Markt. Älter werden? War für ihn damals kein Thema, denn „ich habe damals nicht damit gerechnet, jemals alt zu werden.“ Zu sicher schien ihm, dass er bald an AIDS sterben würde, so wie sein damaliger Partner.

Doch es kam anders und auch seine Meinungen zum Älter werden und zum Umgang mit HIV haben sich bei ihm geändert…

Wolfgang (64) ist seit 25 Jahren HIV-positiv. Zunächst verdrängte er seine Infektion. Nach  dem Tod seines Partners 1995 bekam er aber schwere HIV-bedingte Gesundheitsprobleme. Sein Glück: Damals waren gerade die ersten wirksamen HIV-Kombinationstherapien auf den Markt gekommen. Schon nach einem halben Jahr Behandlung konnte er wieder arbeiten.

Heute engagiert sich Wolfgang, der vor einigen Jahren in Rente ging, ehrenamtlich beim schwulen Infoladen Hein & Fiete und als Schoolworker bei der AIDS-Hilfe Hamburg. Zuvor arbeitete er in der Krankenpflege.

Mit seinem Motto „Mach das Beste draus“ will er auch anderen Mut machen, die HIV-Erkrankung zu akzeptieren, sich aber nicht von ihr bestimmen zu lassen.

Das ganze Interview:

Wolfgang, du hast dich vor etwa 25 Jahren mit HIV infiziert. Hast du damals gedacht, dass du 60 wirst?

Nein, ich habe damals nicht damit gerechnet, jemals alt zu werden. Damals, 1987, gab es noch keine richtigen Medikamente oder wirksamen Therapien. Ich habe damals gedacht: „Lebe weiter wie bisher und versuche, so weit wie möglich zu kommen.“ Ich habe das Virus komplett ignoriert und für mich verdrängt. Bis es mich dann 1995 erwischt hat und ich zum ersten Mal erhebliche gesundheitliche Probleme bekam. Ich hatte aber Glück im Unglück, denn es gab damals erstmals wirklich wirksame und getestete Medikamente. Damit habe ich den Sprung ins Überleben geschafft. Ich denke, sonst hätte ich mich damals aus dem Leben verabschieden müssen. So, wie es meinem Partner kurz vorher ergangen war.

Was bedeutet für dich „alt werden“?

Früher habe ich von mir gesagt, mit 40 bist du alt. Dann habe ich die 50 einfach so weggesteckt. Mit der 60 habe ich dann aber wirklich ein wenig Probleme gehabt. Aber das  liegt jetzt ja auch schon wieder ein Weilchen hinter mir.

Warum war es bei der 60 anders?

Es war einfach die Zahl, die mir Angst machte. Ich war immer neugierig und unterwegs, aber dann war da die Zahl 60, und ich dachte, jetzt gehöre ich zum alten Eisen. Letztendlich sind meine Freunde aber wie immer mit mir umgegangen, wie vor der Zahl 60. Und damit war das Problem dann auch schnell für mich erledigt. Jetzt schau ich einfach mal, wie weit ich noch komme. Irgendwann zieht der alte Mann da oben den Stecker raus, und dann ist es auch gut.

Haben dich früher andere Dinge beschäftigt als heute?

Ich glaube, nicht wirklich. Ich bin immer irgendwie meinen Weg gegangen. Ich war zwar früher eher ein Heißsporn und habe einfach drauf los gewerkelt. Heute schaue ich erst einmal, überlege und werkele dann. Ich glaube, der Unterschied zu früher ist nicht sehr groß, auch wenn ich heute vieles gelassener angehe. Ich sage mir einfach: Du hast den größten Teil des Weges geschafft, dann schaffst du auch noch den Rest.

Du bist seit einigen Jahren in Rente. War das eine schwierige Umstellung für dich?

Als ich in Rente ging, musste ich mir erst einmal etwas suchen, was ich machen kann und was mich interessiert. Ich habe mich dann ehrenamtlich engagiert, zunächst als Fahrer bei der Hamburger Tafel. Als HIV-Positiver wollte ich aber auch noch etwas in der HIVPrävention machen. Ich suchte mir dann zusätzlich den schwulen Infoladen Hein & Fiete aus und arbeite dort noch immer mit. Später bewarb ich mich auch noch bei der AIDS-Hilfe in Hamburg. Mir wurde die Mitarbeit bei den Schoolworkern angeboten. Ich schaute mir die Broschüre an, aber dort stand „für junge Leute bis 30“. Da habe ich freundlich angemerkt, dass ich ja schon etwas älter sei – ich war damals gerade 60 geworden. Die Antwort lautete aber: „Ja, ja, das schaffst du schon.“ Wir haben das dann ausprobiert, und es klappte auf Anhieb. Die Einsätze als Schoolworker sind immer wieder interessant und geben auch mir einiges.

Also war es dann doch kein Problem, dass du deutlich älter als 30 warst?

Die dachten wohl, man müsse ungefähr im selben Alter sein wie die Jugendlichen. Damit man auf gleicher Augenhöhe ist und ihnen was erzählen kann. Aber es hat halt nichts mit dem Alter zu tun. Heute steht das mit den 30 Jahren übrigens nicht mehr in der Broschüre. Na ja, und seit 2008 bin ich auch bei ICH WEISS WAS ICH TU. Zunächst als Präventionist und jetzt auch als Rollenmodell. Durch meine Ehrenämter bin ich sehr viel unterwegs und gut beschäftigt. Langweilig wird mir eigentlich nie.

Man sagt ja von der schwulen Szene, sie sei sehr jugendfixiert und oberflächlich. War das früher anders?

Ich denke, das war schon immer so. Vielleicht war es früher familiärer. Wenn sogenanntes Frischfleisch kam, wurde es erst mal freundlich in die Szene aufgenommen. Heute ist das alles distanzierter. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Homosexualität früher verboten war. Da musste man schon etwas näher zusammenrücken. Das hat zusammengeschweißt. Man hat mehr aufeinander geachtet. Heute ist es wesentlich offener. Es gibt Möglichkeiten, auszugehen, anzubandeln und Sex zu haben. Früher spielte sich das ja fast wie in einem Ghetto ab. Heute kann man als Schwuler fast überall hingehen, und es ist okay.

Was ist für dich ein selbstbewusster Umgang mit dem Älterwerden?

Ich würde sagen, dass ich mir nie etwas aus dem Alter gemacht habe, sondern mich immer so gebe, wie ich bin. Ich habe auch nie versucht, jünger zu wirken. Viele versuchen das ja, indem sie sich mit Jüngeren umgeben, und hoffen, dadurch dazuzugehören und selber jung zu sein. Sie stylen sich manchmal auch entsprechend auf und merken nicht, wie albern sie damit wirken. Ich finde, man wird halt älter und muss das auch so akzeptieren. Ich gebe mir immer Mühe, das Beste daraus zu machen. Natürlich versuche ich mich fit zu halten. Ich habe schon immer viel Sport getrieben und schwimme auch heute noch jeden Tag meine Runden.

Wir sprechen viel über das Älterwerden und Jung- und Altsein. Aber was ist für dich eigentlich alt?

Für mich gibt es den Begriff alt nicht wirklich. Irgendwann merke ich wahrscheinlich, dass ich mich nicht mehr bewegen kann oder dass es mir geht  wie meiner 94-jährigen Mutter, die geistig langsam abbaut. Vielleicht muss ich mir dann eingestehen, dass ich alt bin. Noch bin ich einfach nur länger jung

Hast du Angst davor, später vielleicht mal auf Hilfe und Pflege angewiesen zu sein?

Nein, Angst habe ich nicht davor. Ich habe für mich geplant, wo ich dann hingehen will, und habe das geregelt. Außerdem habe ich für mich eine Patientenverfügung gemacht. Und ich habe ein soziales Umfeld, das auf mich aufpasst. Vielleicht sagen die dann irgendwann: „So, Wolfgang, jetzt ist es soweit – wir gehen nach Kiel zur Körperverbrennungsanlage!“ (lacht)

Und wenn du doch länger auf Pflege angewiesen sein solltest?

Also, wenn es so kommt, hoffe ich, dass mein soziales Umfeld noch ausreicht, dass ich mich zu Hause von dieser Welt verabschieden kann. Oder ansonsten in ein Hospiz gehen kann.

Ist es also wichtig, sich im Alter ein soziales Netz zu knüpfen, in das man sich dann auch fallen lassen kann?

Ich glaube, dieses Netz kann man im Alter nicht mehr knüpfen, man muss es ins Alter mitnehmen. Man wird gemeinsam älter, und damit hat man dann auch das Netz. Das später noch aufzubauen, ist ganz schwer. Man wird eigenwilliger, vielleicht auch eingeschränkter als früher. Da ist es oftmals schwer, offen für anderes zu bleiben. Wenn man das soziale Umfeld nicht mit ins Alter nimmt, wird’s schwer …

In zehn Jahren bist du 74. Wie siehst du dich dann?

Ich hoffe, noch da, wo ich jetzt bin: Jeden Morgen wie ein junger Hüpfer schwimmen gehen. Jedes Wochenende woanders sein, auch für ICH WEISS  WAS ICH TU. Ich kann und möchte nicht zu Hause rumgammeln. Ich könnte mich sicherlich beschäftigen. Ich bin aber viel lieber draußen unterwegs. Und wenn es klappt, wird es auch noch lange so bleiben.

Du hast dich 1987 mit HIV infiziert. Spielt die Infektion eine große Rolle bei deinem Älterwerden?

Nein, eigentlich nicht. Ich werde mit dem Virus älter, ja. Damit hätte ich nie gerechnet. Ich mache das Virus aber nicht zu meinem Lebensmittelpunkt. Ich nehme es mit, werde es ja nicht los. Und somit wird es mitgeschleppt und ist Teil von mir. Es muss halt eben so alt werden wie ich. Es kann sich ja nicht trennen von mir. Ich sage ihm einfach: „Wenn du schon da bist, dann sieh zu, wie du mit mir klarkommst.“  Da bin ich dann stur, da kommt der Altersstarrsinn durch … (lacht)

Das hört sich ja fast schon wie in einer Beziehung an …

Ja, das stimmt. Und mal ist das Virus stärker, mal bin ich stärker. Es ist jetzt die Situation, wo vielleicht Resistenzen gegen bestimmte Medikamente  bei mir da sind. Da hat das Virus gerade den Kopf oben. Mein Arzt und ich sehen uns gerade die Laborwerte an, schauen, ob die Viruslast hochgeht. Wenn das so ist, müssen wir die Medikamente umstellen. Und danach schauen wir, wer bei uns beiden dann wieder das Sagen hat …

Als du damals von deiner HIV-Infektion erfahren hast, hast du ganz bewusst nach einem Partner gesucht, der auch positiv ist. Wieso war dir das wichtig?

Es war einfach so, dass ich niemand anderen anstecken wollte. Wir hatten damals ja noch einen ganz anderen Wissensstand, was HIV und Aids anging. Man wusste so ungefähr, wie man sich schützen kann, ja, aber ansonsten … Und mi t einem ebenfalls positiven Partner hatte ich die Sicherheit: Okay, wir haben es beide. Wir können Pech haben und beide daran sterben. Wir sind aber beide in derselben Situation. Irgendwie dachte ich, dass das für mich die einzige Möglichkeit wäre, überhaupt noch einen Partner zu finden. Ich dachte ja auch gar nicht, dass ich noch so lange leben würde.

War das für euch Thema, dass vielleicht einer von euch wegen Aids früher sterben wird, der andere dann vielleicht alleine ist?

Ja, es war uns klar, dass es wohl einen von uns früher als den anderen erwischen wird. Da haben wir uns keinen Kopf gemacht, wer der Erste ist. Es war uns nur wichtig, dass wir keinen weiteren infizieren.

Nach dem Tod deines Partners hattest du keine Beziehung mehr. War das eine bewusste Entscheidung? 

Nein, es funktioniert einfach nicht. Wie weit das mein Ding ist, weiß ich nicht. Ich bekomme es einfach nicht mehr gebacken. Ich bekomme keinen Draht mehr zu jemandem. Oder ich lasse es eben schleifen. Aber ich will das auch gar nicht wirklich ergründen. Ich glaube, es ist der Schiss vor einem weiteren Verlust. Vielleicht ist es das. Dass ich denjenigen verlasse oder er eben mich …

Du sagtest, du hättest deine HIV-Infektion die ersten Jahre völlig verdrängt. Wann kam das Umdenken?

Das erste Umdenken kam, als ich 1989 einen ebenfalls positiven Partner kennenlernte. Da rückte das Virus kurzfristig noch mal in den Mittelpunkt. Ich habe es dann aber auch schnell wieder verdrängt. Erst 1995, nach dem Tod meines Partners, bekam ich erste HIV-bedingte Infektionen, die mich zwangen, zum Arzt zu gehen. Die Viruslast war hoch, die Helferzellen am Boden. Der Arzt sprach vom Status Aids. Ich fing dann mit den ersten Medikamenten an. Und mein Leben war dann doch noch nicht zu Ende. Ich brauchte ein wenig, bis ich wieder aufgebaut war, etwa ein halbes Jahr, und ging dann wieder normal arbeiten. Den Rat meiner Ärzte, in Rente zu gehen, lehnte ich einfach ab, weil ich nicht zu Hause sitzen wollte. Als es mir also wieder einigermaßen ging, habe ich mich sofort voll ins Arbeitsleben gestürzt. 2001 starb dann allerdings mein Vater, und bin ich  komplett psychisch und physisch abgestürzt. 2002 habe ich mich dann entschieden, endlich mehr für mich zu tun, und habe den Rentenantrag eingereicht, dem 2004 zugestimmt wurde.

War 1995 für dich das entscheidende Jahr, weil du aufgrund der beginnenden Infektionen gezwungen warst, zum Arzt zu gehen und eine Therapie zu beginnen?

Das Jahr 1995 war für mich ein beschissenes Jahr. Mein Partner war an Aids gestorben, und ich denke, das hat mich richtig runtergezogen und war vielleicht der Anlass, dass erste Infektionen auftraten. Bedingt durch Stress und psychische Belastung. Der glückliche Zufall war einfach, dass die ersten offiziell zugelassenen Medikamente auf dem Markt waren. Ich hatte einfach Glück.

Wie lebst du heute mit HIV? Die Therapien haben sich seit 1995 ja stark verändert.

Zwischendurch hatte ich eine Phase, wo ich gedacht  habe: Diese ewige Medikamentenfresserei, da habe ich keinen Bock mehr drauf. Ein Medikament vertrug ich damals so schlecht, dass ich es immer sofort wieder ausgekotzt habe. Da habe ich zu meinem Arzt gesagt: „So geht das gar nicht.“ Ich wollte nur noch meine Ruhe und habe eine Weile keine Medikamente mehr genommen. Das muss 2001 gewesen sein. Dann hatte ich irgendwann meine Rippen gebrochen, kam ins Krankenhaus und der Arzt auf der Intensivstation hat mich erst mal zusammengefaltet. Danach bin ich dann wieder in die medikamentöse Therapie eingestiegen, die sich inzwischen ja auch wieder verändert hatte.

Hast du heute noch Probleme mit den Medikamenten, die du nehmen musst?

Ja, immer mal wieder. Manches Mal geht man aus dem Haus und denkt, alles ist toll. Dann steht man am Tresen und plötzlich denkt man: Nee, war wohl nichts mit „Alles ist toll“ – und die Hose ist voll. Oder die letzten Meter bis zur Wohnung, nach einem Spaziergang, werden einfach zu lang, und ich schaffe es nicht mehr bis zur Toilette. Wenn ich es vorher merke, ist es gut. Dann schiebe ich einen Tampon und kann sicher in die Oper oder ins Theater gehen. Das klappt dann prima, und es kann nichts mehr passieren. Das ist alles aber nicht mehr so akut wie in der Anfangszeit. Da hat sich in der Therapie schon einiges getan. An mein Virus werde ich aber mit jeder Einnahme der Medikamente, morgens und abends, erinnert. Und wenn es mir trotz der Pillen wieder schlecht geht, habe ich Schiss und renn zum Arzt. Ist jetzt die Wirkung der Medikamente weg? Muss ich neue Medikamente nehmen? Gibt es Resistenzen? Habe ich wieder ein Problem zwischen den Ohren?

Es ist also eine permanente Beschäftigung mit dem Thema?

Klar, ich bin gezwungen, mich ständig damit zu beschäftigen. Ich gehe heute aber anders damit um, also, ich habe es akzeptiert. Ich lebe nicht für das Virus, aber eben mit ihm. Ich gehe heute bewusster damit um. Und versuche auch anderen Leuten zu sagen: Wenn du schon mit dem Virus lebst, dann mach das Beste daraus. Verstecke dich nicht.

(Das Interview führte Tim Schomann. Mit freundlicher Genehmigung von IWWIT/DAH)

Mit diesem Interview möchten wir von GAY.DE auf das Thema HIV/Aids aufmerksam machen und Euch informieren. Zum diesjährigen Welt Aids Tag möchten wir Euch umfangreiche Informationen rund ums Thema bieten und gleichzeitig die neue Kampagne der Deutschen AIDS-Hilfe vorstellen. Das IWWIT Projekt ist dabei ein fester Bestandteil der Präventionsarbeit.

Auch das GAY.DE Team leistet seinen Beitrag – Mit dem GAY.DE SafetyBag könnt Ihr Euch informieren und ein kleines Cruisingset für den sicheren Verkehr ordern.
Mehr Informationen im GAY.DE Blog.

 

Szenespecial: Die Qual der Wahl

Es ist wieder soweit: Die Wahl zur besten Szene Bar, dem besten Barkeeper des Jahres und der besten Party hat begonnen. In der aktuellen rik, dem SzeneMagazin für Köln und das Rheinland werden die in zehn Kategorien eingeteilten Nominierten vorgestellt. Der Goldene rik 2010 wird neben den bereits erwähnten Rubriken auch an die beste Cruising-Location und das erfolgreichste Event vergeben. Entschieden werden muss sich unter anderem zwischen dem Christopher Street Day, den Gay Games und dem Fantasypride. Zudem kann für den angesagtesten DJ der Szene und die beste Alternative des Jahres gevotet werden.

Wie auch in den vergangenen Jahren sucht die rik selbst das beliebteste Cover des Jahres und möchte wissen, welches Kultur-Event die Szene in diesem Jahr am liebsten besuchte. Gleich drei Veranstaltungen der Gay Games Cologne sind nominiert.  Auch die Suche nach der Szene-Persönlichkeit des Jahres ist wieder eine der Kategorien.

Wer an der Wahl zum Goldenen rik 2010 teilnehmen möchte kann dies online. Unter allen Teilnehmern werden interessante Preise verlost.