Massive Kritik an Polizei

Die Pressegruppe des Transgenialen CSD in Berlin kritisiert das Vorgehen der Polizei am vergangenen Samstag. Die den links-alternativen CSD-Zug begleitende 23. Einsatzhundertschaft habe "permanent und massiv" die Demonstration gestört sowie Teilnehmer "durch Verächtlichmachungen" diskriminiert.

Gleich zu Beginn der Demo sei eine Person wegen fehlenden Führerscheins zu Boden geworfen, mit angelegten Handschellen in ein Polizeifahrzeug gebracht und dort geschlagen worden. "Eine weitere Person, die mit einem um das Gesicht geschlungenen BH kostümiert war, wurde auf der Michaelkirchstraße wegen angeblicher Vermummung aus der Demonstration herausgeholt", kritisierte die Pressegruppe. Darüber hinaus seien weitere Teilnehmer von Beamten geschlagen und vorübergehend festgenommen worden.

Die Pressegruppe verurteilte die "polizeilichen Übergriffe und Provokationen": Sie forderte von Berlins Polizeidirektion eine öffentliche Erklärung sowie Entschuldigung, warum der Transgeniale CSD "von einer derart unsensiblen und homophoben Polizeieinheit begleitet wurde".

Verleihung des Medienpreises der AIDS-Stiftung

Am vergangen Mittwoch wurde in der Frankfurter Paulskirche der deutsche Medienpreis 2005/2006 für herausragende Beiträge zum Thema AIDS und HIV verliehen. Ein Preisgeld in Höhe von 5.000€ erhielten Martin Stümper und Matthias Wurms für das Hörfunk-Feature "Aids – der vergessene Schock" (WDR5), Benjamin Prüfer für die Reportage "Bis der Tod sie mir nimmt" (NEON-Magazin) sowie Corinna Gekeler und Dirk Hetzel für die von ihnen herausgegebene Publikation "Blickpunkt AIDS". Das Preisgeld von insgesamt 15.000 Euro stellt die Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG. Eine unabhängige Jury aus Medienexperten hatte die Beiträge der Preisträger aus 130 Einreichungen ausgewählt.

Die Preisträger wurden im Rahmen der Eröffnungsfeier des 3. Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses geehrt. Zu Ehren Dieser hielt der Programmdirektor der ARD, Günter Struve, die Laudatio.

Der Medienpreis der Deutschen AIDS-Stiftung ist bereits 20 Jahre alt. 1987 wurde der Preis, der in den Anfängen noch Journalistenpreis hieß, erstmals vergeben. Seither hat die Stiftung mehr als 60 Medienschaffenden für ihre herausragende Arbeit zum Thema HIV und AIDS gewürdigt. Entscheidend für die Jury: die Beiträge müssen sachkundig informieren, von Empathie geprägt sein und in besonderer Weise zu solidarischem Verhalten gegenüber Menschen mit HIV und AIDS motivieren.

FDP empoert ueber Aufklaerungsarbeit

Wenige Tage nachdem sich die FDP auf dem kleinen Parteitag mit der rechtlichen Gleichstellung von homosexuellen Paaren auseinander gesetzt hat, stellte sich nun Mieke Senftleben, die Bildungsexpertin der Partei, gegen die geplante Aufklärungsarbeit über Homosexualität an Berliner Schulen.

Ihr Augenmerk fiel dabei auf ein Rollenspiel für Schüler ab der 9. Klasse, das das Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) hervorgebracht hat. In Diesem heißt es : "Du sitzt an der Theke einer Schwulenbar und könntest heute eigentlich einen hübschen Mann in deinem Bett gebrauchen. Ein Neuer betritt den Raum, den du eigentlich ganz schnuckelig findest. (Wie) ergreifst du deine Chance?"

Dazu äußerte sich Mieke Senftleben folgendermaßen: "Aufklärung über Homosexualität, Diskriminierung und Intoleranz muss sein. Aber ich halte solche Themen in den Rollenspielen für Jugendliche für völlig daneben! Schließlich handelt es sich hier um 14- bis 15-jährige Schüler." Die FDP-Politikerin ersuchte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) , "diese Unterrichtsmaterialien dringend zu hinterfragen und zu durchforsten und neue Materialien für den Unterricht zu entwickeln."
Der Bildungssenator erklärte in einem Gespräch mit der Tageszeitung „BZ“, dass er sich mit der Redaktion auseinander setzen wolle, um diese zu bitten die gleichen Ziele in einer weniger saloppen Wortwahl zu erreichen, wobei er auch meinte, dass man es den Schülern sicher besser in einer schülernahen Sprache nahe bringen könnte.

Mieke Senftleben ignoriere die Realitäten an den Schulen vollkommen, wies indes der Berliner Lesben- und Schwulenverband (LSVD) die Kritik an dem Rollenspiel zurück und bot der Berliner FDP "Nachhilfeunterricht zur Diskriminierung Homosexueller" an. "Dabei werden wir auch gerne die Frage erörtern, ob das gleiche Rollenspiel in einer heterosexuellen Bar mit einem heterosexuellen Paar dieselbe wohlfeile Empörung hervorgerufen hätte", so LSVD-Pressesprecher Alexander Zinn.

FDP fuer schwules Adoptionsrecht

Auf dem kleinen Parteitag der FDP Berlin – Landesausschuß – am 19.06.07 wurde die völlige rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben beschlossen. Zum Inhalt erklärt der Landesvorsitzende Markus LÖNING:

Die Berliner FDP unterstützt die Forderungen von Schwulen und Lesben nach völliger rechtlicher Gleichstellung. Die Reform des Adoptionsrechts ist dabei ein zentraler Punkt.

Die FDP fordert die Anpassung des Rechts an die Tatsache, dass Familie heute nicht mehr nur die traditionelle Kleinfamilie ist. Eine Familie entsteht, wenn Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen.

Die Berliner Liberalen haben dazu einen umfangreichen Forderungskatalog beschlossen. Die Steuerpolitik, das Erbschaftsrecht und auch das Beamtenrecht müssen die gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften genauso behandeln wie andere.

Die Gesetze müssen so geändert werden, dass Schwule und Lesben nicht weiter diskriminiert werden. Toleranz im täglichen Leben ist aber Sache der Gesellschaft.

Gumbert Salonek, Sprecher des Arbeitskreises "Liberale Schwule und Lesben" erklärt: "Ich freue mich besonders, dass die FDP unser Positionspapier ohne Kompromisse angenommen hat. Zumindest in der FDP müssen Schwule und Lesben nicht mehr für ihre Anerkennung kämpfen oder sich etwa den Lebensvorstellungen einer Mehrheit unterordnen!"

Ein Spieler hat es gewagt: Das Coming-Out

Erst ein Fußballprofi hat es gewagt, sein Schwul­sein öffentlich zu mach­en. Für viele Kicker und Funktionäre ist Homo­sexualität im Fußball weiterhin Tabu und Basis für Diskriminierung

»I am gay« – mit dieser Schlagzeile schrieb die britische Boulevardzeitung »The Sun« im Oktober 1990 Geschichte. Der Schwule, der diese Schlagzeile lieferte, war der schwarze Fußballprofi Justin Fashanu. 80.000 Pfund erhielt er für das Geständnis. Der nigerianisch-stämmige Brite, dessen Stürmerstern Ende der 70er-Jahre bei Norwich City aufgegangen war, hatte nach einem Jahrzehnt im Geschäft genug von den Ausflüchten und Lügen. Er wollte ein Zeichen setzen gegen die Intoleranz der Gesellschaft. Bei seiner öffentlichen Erklärung spielte Geld eine untergeordnete Rolle, obwohl seine viel versprechende Karriere nicht zuletzt auf Grund einer schweren Knieverletzung bereits den Bach hinunter gegangen war. Sein Bruder, der englische Nationalspieler John Fashanu, hatte ihm die gleiche Summe wie die »Sun« angeboten, wenn er sein Geständnis für sich behalten würde. Mit einem Outing hatte der charismatische Angreifer schon Jahre zuvor, während seines glücklosen Engagements bei Nottingham Forest und Streitigkeiten mit Manager Brian Clough, spekuliert. Aber erst ein Todesfall in Fashanus unmittelbarem Umfeld wurde zum Auslöser. Ein junger Freund hatte Selbstmord begangen, nachdem ihn die Eltern wegen seiner Homosexualität vor die Tür gesetzt hatten. »Ich war erbost über den Verlust seines Lebens und fühlte mich schuldig, weil ich ihm nicht hatte helfen können«, schrieb Fashanu 1994. »Ich wollte etwas Positives tun, um weitere solche Todesfälle zu verhindern.«

Tod durch Selbstmord

Vier Jahre später fand Justin Fashanus Leben ein ganz ähnliches Ende: Am 2. Mai 1998 erhängte sich der 37-Jährige in einer Garage im Londoner Stadtteil Shoreditch. Zuvor war er überstürzt aus den USA abgereist, wo er als Jugendtrainer gearbeitet hatte. Ein 17-jähriger Schützling hatte ihn nach einem Saufgelage der Vergewaltigung bezichtigt, die Polizei ermittelte. Nach dem Untertauchen in der Heimat hörte Fashanu, dass er per internationalem Haftbefehl gesucht werde. Eine Falschmeldung, wie sich später heraus stellte. Die US-Behörden hatten den Fall aus Mangel an Beweisen bereits zu den Akten gelegt.

In seinem Abschiedsbrief erklärte Fashanu, der Junge habe »bereitwillig mit ihm Sex gehabt«. Er habe aber befürchtet, wegen seiner Homosexualität kein faires Verfahren zu bekommen. Eine Angst, die durch viele schmerzliche Erfahrungen genährt worden war. Nach seinem Outing war Fashanu aus der schwarzen Community eine Welle von Unverständnis und Verachtung entgegen geschlagen. Sein Bruder bezeichnete ihn in einem Zeitungsinterview als »Ausgestoßenen«. Die Ablehnung traf Fashanu schwer. Er kämpfte mit psychischen Problemen, hatte Schulden und wurde unglaubwürdig, weil er dem Boulevard Geschichten über Affären mit Politikern verkaufte, die er nie gehabt hatte. Einer seiner wenigen langjährigen Freunde, der Menschrechts- und Homosexuellen-Aktivist Peter Tatchell, erklärte später, die Homophobie habe Fashanu zerstört.

25 schwule Bundesliga-Kicker

Justin Fashanus Outing ist bis heute das einzige eines schwulen Profifußballers geblieben. Weltweit, quer durch alle Ligen. Obwohl die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexuellen in vielen Ländern seither zugenommen hat, ist die Fußballwelt laut dem schwulen FC St. Pauli-Präsidenten Corny Littmann von einem Kicker-Outing noch mindestens zehn Jahre entfernt. Statistisch gesehen sind zumindest fünf Prozent der Bevölkerung homosexuell. Überträgt man diese Quote auf die rund 500 in Österreich tätigen Profikicker, ergäbe sich alleine hierzulande eine theoretische Zahl von 25 schwulen Fußballern, in Deutschland müssten es annähernd vier Mal so viele sein. ATV-Fußballmoderator und Ex-Kicker Volker Piesczek ist daher auch »überzeugt, dass es in Österreich schwule Fußballer gibt.« Auf die Frage, ob er persönlich welche kenne, weicht er aus: »Ich würde mich hüten, einen Namen zu nennen. Jeder muss selbst entscheiden, ob er damit an die Öffentlichkeit gehen will.«

Noch ist die Angst zu groß, diesen entscheidenden Schritt zu setzen. Um unverdächtig zu erscheinen, würde mancher Kicker gar ein Doppelleben führen, meint Piesczek. Für die Angst vor dem Outing zeigt er aber Verständnis: »Dazu bräuchte es extremen Mut.« Und auch der würde einem durchschnittlichen Profi nicht helfen. »Ich habe es auf 30 Spiele in der ersten Liga und 80 in der zweiten gebracht. Angenommen ich wäre schwul, dann hätte ein Outing mein Karriereende bedeutet«, erklärt der Ex-Profi. »Es müsste ein Star sein, jemand, der auch international spielt. Aber selbst ein solches Aushängeschild wäre vor Angriffen nicht gefeit.«

»Natürlich würde ein Spieler, der sich outet, im Stadion als ‚schwule Sau’ beschimpft«, meint auch Dirk Alex, Vorstand der European Gay and Lesbian Sports Federation (EGLSF). »Darauf muss er vorbereitet sein, weil es immer Idioten auf der Welt gibt.« Allerdings glaubt der Berliner auch, »dass da sehr viel Angst mitschwingt, die unbegründet ist.« Die Bevölkerung in Deutschland sei durchaus so weit, homosexuelle Kicker zu akzeptieren.

In der teils homophoben Fankultur sieht Alex kein nachhaltiges Problem. »Ich glaube, dass die Fans durchaus bereit sind. Die meisten haben einen Schwulen oder eine Lesbe im Bekannten- oder Familienkreis. Ob ihnen das gefällt oder nicht, ist natürlich eine individuelle Frage.« Sind die Fans homophober als die Gesamtbevölkerung? »Mit solchen Aussagen bin ich vorsichtig. Vielleicht sind sie aggressiver in der Form, wie sie es vorbringen«, sagt der EGLSF-Sprecher.

Angesprochen auf eine Reportage des deutschen Fußballmagazins »Rund«, in der ein schwuler Kicker anonymisiert über sein Doppelleben berichtete, meint Alex: »Solche Spieler muss man unterstützen. Wenn einer schon hingeht und anonymisiert ein Interview gibt, dann ist der reif für sein Outing. Er möchte raus damit, traut sich nur noch nicht.«

Eigene Dynamik, schlechte Erziehung

Was gibt aber den Ausschlag, dass sich Fußballer im Gegensatz zu anderen Sportlern nicht zu ihrer Homosexualität bekennen? Piesczek: »Fußball ist ein Mannschaftssport. Das bringt eine eigene Dynamik mit sich. Martina Navratilova konnte sich im Tennis outen. Vielleicht hatte sie vor oder nach dem Spiel Probleme damit, auf dem Platz war sie aber die Beste. Im Fußball ist man von Mitspielern abhängig. Und das ist dann eine Erziehungsfrage, wie die dazu stehen.«

Keine besonders tolerante Erziehung dürfte Toni Ehmann genossen haben. Im September 2004 bezeichnete der damalige GAK-Kicker seinen Gegenspieler Ivica Vastic nach dem Match gegen die Austria indirekt als »Warmen«, der unfair spiele und die ganze Zeit hinfalle. Mittlerweile verdienen sowohl Vastic als auch Ehmann ihr Gehalt beim LASK. Der ehemalige ÖFB-Stürmer über sein aktuelles Verhältnis zu Ehmann: »Er ist mein Teamkollege, wir haben diese Aussagen nicht mehr thematisiert. Was ihn damals dazu bewogen hat, kann ich nicht beurteilen. Er hat sich damit aber selbst am meisten geschadet.« Eine etwas defensive Sicht des Stürmers. Schließlich hat Schalke-Keeper Frank Rost der Sager, er würde sicherheitshalber immer »mit dem Rücken zur Wand duschen«, auch nicht nachhaltig unpopulär gemacht.

Helge Payer schweigt

Dass das Thema Homosexualität gerade unter Kickern immer noch ein heißes Eisen darstellt, zeigte eine Anfrage bei Helge Payer. Der Rapid-Keeper beteiligte sich zwar als Model an einer Kampagne der Aids-Hilfe Wien, gegenüber dem ballestererfm wollte er aber nicht dazu Stellung nehmen. Dabei waren die Payer-Poster gerade bei schwulen Jugendlichen gut angekommen.

Für homophobe Schlagzeilen sorgen immer wieder auch Funktionäre und Trainer. Lewski Sofia-Präsident Todor Batkov etwa meinte nach der UEFA-Cup-Niederlage gegen Schalke 04 im März 2006 über den Referee Mike Riley: »Dieser britische Homosexuelle hat das Spiel zerstört.« Anlass war eine Gelb-Rote Karte für einen Lewski-Spieler. Batkow wurde für zwei UEFA-Bewerbsspiele gesperrt und zu einer Geldstrafe von 5.000 Schweizer Franken verurteilt. Lewski musste weitere 10.000 Franken zahlen.

Ex-ÖFB-Teamchef Otto Baric brauchte nicht einmal einen besonderen Anlass, um homophobe Statements von sich zu geben. Gegenüber der Zeitung »Jutarnji List« meinte der Kroatien-Coach im Vorfeld der EM 2004: »Ich weiß, dass es in meiner Mannschaft keine Homosexuellen gibt. Ich erkenne einen Schwulen innerhalb von zehn Minuten, und ich möchte sie nicht in meinem Team haben.« Weil Baric danach kein Traineramt bekleidete, sah sich die UEFA zunächst außer Stande, ihn an der Nase zu nehmen. Nach seiner Ernennung zum albanischen Teamchef im Juni 2006 wurde der Kroate nun aber doch zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro verurteilt.

Zehn Vereine, fünf Antworten

Trotzdem sind vor allem die Homosexuellen-Organisationen weiterhin unzufrieden mit den großen Fußball-Verbänden. Dirk Alex berichtet beispielhaft über die Vorbereitungen zu den Berliner »Respect Gaymes«, einem Projekt, bei dem homo- und heterosexuelle Teams antreten: »Ich habe FIFA, UEFA und DFB angeschrieben, ob sie uns unterstützen. Kein Verband hat geantwortet. Keiner! Dabei ist das Konzept so integrativ, dass es niemand ablehnen kann. Da sieht man, was für konservative Knochen noch in all diesen Organisationen sitzen.« In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk FARE (Football Against Racism in Europe) hat es die EGLSF immerhin geschafft, dass Homophobie im neuen »Good Practice Guide« der UEFA erstmals angesprochen wird. Damit sich auch die Fans Homosexuellen gegenüber aufgeschlossener verhalten, muss laut Alex in erster Linie Aufklärung von oben betrieben werden, am besten über Vorbilder. »Man verpulvert viel Energie, wenn man im Olympiastadion ein Transparent aufhängt, auf dem steht: ‚Seid nett zueinander, Diskriminierung ist schlecht’ – damit erreichst du aber nicht viel. Du brauchst Leute wie den DFB-Präsidenten oder den Manager von Hertha BSC oder Spieler, die sich dafür einsetzen.«

Die Vereine der österreichischen Bundesliga und deren Funktionäre sind gegen Homophobie bisher praktisch nicht aufgetreten. Auf eine Befragung des ballestererfm unter allen Erstligisten bezüglich einer zukünftigen Bereitschaft antworteten nur Rapid, Austria, Wacker Innsbruck, Mattersburg und Ried. Von den restlichen fünf Klubs gab es keine Reaktion. Antidiskriminierungsrichtlinien in ihren Statuten haben lediglich die Austria und die Innsbrucker, wobei nur bei den Veilchen auch explizit auf die sexuelle Orientierung eingegangen wird. Austria-Fanbetreuer Martin Schwarzlantner war auch der einzige Klubvertreter, der das Vorkommen von homophoben Sprechchören im eigenen Stadion eingestehen wollte. Mattersburg-Präsident und Bundesliga-Chef Martin Pucher hingegen antwortete auf die Frage, ob es nach dem Vorbild antirassistischer Initiativen auch Kampagnen gegen Schwulenfeindlichkeit geben sollte, er sehe dazu keine Notwendigkeit. Nimmt man das als Gradmesser für die Aufgeschlossenheit der heimischen Kicker-Szene dürfte es noch lange dauern bis zum ersten Outing eines schwulen Fußballers in Österreich.

DFB klar gegen Homophobie

Erstmalig hat sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf dem bundesweiten Fankongress in Leipzig neben anderen Formen der Diskriminierung auch mit Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit im deutschen Fußball befasst "DFB und Fans sind sich darin einig, dass Homophobie ein Problem ist, an dessen Lösung dauerhaft gearbeitet werden muss", betonte Christian Deker, Vorstand des schwul-lesbischen VfB-Stuttgart-Fanclubs, der an dem Treffen teilgenommen hat.

Weiter sagte Deker, dass sich DFB-Präsident Theo Zwanziger gegenüber den Tätigkeiten der schwul-lesbischen Fanclubs aufgeschlossen zeigte. "Die Zeiten, in denen die sexuelle Orientierung von Fans, Spielerinnen und Spielern vom DFB als Privatsache abgetan wird, sind damit hoffentlich bald vorbei," blickte Werner Pohlenz von den Berliner Hertha-Junxx mit seinen Worten zuversichtlich in die Zukunft

Die schwul-lesbischen Fanclubs in Deutschland hatten sich auf dem Leipziger Kongress gemeinsam präsentiert, unterstützt von der Ex-Bundesliga-Spielerin Tanja Walther vom europäischen schwul-lesbischen Sportverband EGLSF.

In der "Leipziger Erklärung – Gegen Diskriminierung im Fußball" sprachen sich die Teilnehmer mehrheitlich dafür aus, sich im Rahmen ihrer Gruppen und Organisationen gegen alle Formen von Diskriminierung zu engagieren. So sollen Antidiskriminierungs-Paragraphen in Stadionordnungen und Vereinssatzungen aufgenommen sowie Diskriminierungen mit Hilfe der DFB-Task Force dokumentiert werden.

Polen wird rechtsfreier Raum

Die Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten und jede Hoffnung zu begraben. Mit der Wahl Kaczyńskis zum polnischen Präsidenten und seiner Partei zur stärksten Kraft in der Sejm weht den polnischen Homosexuellen und dem europäischen Integrations- und Bürgerrechtsgedanken ein eisiger Wind entgegen.

Gegenüber der Europäischen Union forderte der polnische Regierungschef Marcinkiewicz von Kaczyńskis Partei „Recht und Gerechtigkeit“ in der letzten Woche als erster das Aufschnüren des fragilen Verfassungspaketes für polnische Änderungswünsche. Ein weiterer Schritt, der zum endgültigen Einsturz dieser ramponierten Konstruktion führen könnte, oder aber bestenfalls neuen Wind in die Verfassungsdiskussion bringen könnte. – Hat irgendjemand eine öffentliche Auseinandersetzung um die Europapolitik der neuen Bundesregierung wahrgenommen?

Die Situation für Lesben und Schwule im Land verschlechtert sich unterdessen drastisch weiter. Nach Warschau wurde auch in Posen ein von Homosexuellengruppen organisierter „Marsch der Gleichberechtigung“ vom Bürgermeister der neuen Regierungspartei als „Bedrohung der Werte“ verboten. Die Veranstaltung sollte anlässlich des „Internationalen Tages der Toleranz“ auf anhaltende Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt aufmerksam machen.
Doch erneut sahen sich dort die Demonstrationsteilnehmer den Übergriffen von Rechtsradikalen sowie einem gewaltsamen Polizeieinsatz ausgesetzt.

Schon vor Monaten hatte der jetzige Kulturminister Ujazdowski angekündigt: „Lasst uns die brutale Propaganda der Homosexuellen mit ihrer Forderung nach Toleranz nicht missverstehen. Für sie wird unsere Ordnung eine dunkle Nacht bedeuten.“

Amnesty International forderte die polnischen Behörden zur Einhaltung der internationalen Menschenrechtsgesetze auf. Auch europäische Politiker zeigen sich nun zunehmend alarmiert.
In London und Berlin fanden am Samstag Solidaritätskundgebungen vor den polnischen Botschaften statt. Mit dabei war der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, der die abermalige Einschränkung des Versammlungsrechts in Polen als Aktion „außerhalb des demokratischen Wertekonsenses der Europäischen Union“ kritisierte und sich besorgt über die zunehmende Einschränkung der Grundfreiheiten äußerte.
Die ehemalige Justizministerin, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, verurteilte ebenfalls im Namen der FDP die Demonstrationsauflösung in Posen und erklärte: „Das Verhalten der polnischen Polizei ist mit dem europäischen Gedanken in keiner Weise vereinbar. Europa ist ein gemeinsamer Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts. Die Würde des Menschen ist ein zentraler Wert der Europäischen Union. Für Diskriminierung und Intoleranz ist in Europa kein Platz.“
Die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) forderten Kanzlerin Merkel auf, während ihres Staatsbesuches am 2. Dezember „die wiederholten Vorfälle stattlicher Repression gegen Lesben und Schwule in Polen bei den Gesprächen mit dem polnischen Ministerpräsidenten Kazimierz Marcinkiewicz deutlich anzusprechen“.

Auch in Polen wächst der Widerstand gegen die Beschränkung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Mehr als 1000 Demonstranten versammelten sich gestern in Warschau um die Einhaltung von Menschenrechten und Toleranz einzufordern. Auch in Krakau und Danzig, der Wiege der polnischen Demokratiebewegung in den 80er Jahren, gingen einige hundert Menschen auf die Straßen: Homosexuelle, unterstützt von Menschenrechtlern, Politikern des linken Lagers und Solidarność-Mitgliedern.
Die Europa-Flaggen die sie dabei mit sich trugen, drückten ihre Hoffnung aus, vom Rest Europas, den europäischen Politikern und Institutionen nicht im Stich gelassen zu werden.

Schutz fuer Thai-Boys

In Thailand werden, nach einem Beschluss der gesetzgebenden Versammlung, nun erstmals auch Männer als Vergewaltigungsopfer anerkannt. Die „Thai Political Gay Group“ begrüßt die geschlechtsneutrale Umformulierung des betreffenden Paragraphen. Von nun an werden diese Sexualstraftaten mit bis zu 20 Jahren Gefängnis geahndet sowie einer Geldstrafe von umgerechnet maximal 870 Euro.

Das Thema der Vergewaltigung ist weniger ein Thema zwischen Gleichgeschlechtlichen, da in Thailand viele Thai-Boys von Frauen vergewaltigt werden, die auf unmännliche Männer stehen, sagte der Geschäftsführer der Thai Political Gay Group, Natee Teerarojjanapongs. Gegenüber der Tageszeitung „The Nation“ äußerte er sich folgendermaßen: "Nach der Vergewaltigung verlangen diese Frauen dann von den schwulen Opfern, dass sie die Verantwortung übernehmen und sie heiraten. Manche kommen der Forderung nach.”

Mit der Rechtsgültigkeit des neuen Paragraphen könnten sich die Thai-Gays erstmals den Übergriffen der Fag-Hags widersetzen, so Teerarojjanapongs weiter.

Lesbische Politikerin kaempft um Anerkennung

Wer in Japan lesbisch oder schwul ist, sollte sich schämen, erzählt Kanako Otsuji. Die Politikerin ist lesbisch. Jetzt will sie ins nationale Parlament einziehen. Dort wäre sie die erste offen bekennende homosexuelle Politikern in der Geschichte Japans.

Jahrelang hat Kanako Otsuji innerlich mit sich gerungen. Als Teenager spürte die Japanerin, dass sie lesbisch ist. Doch aus Angst vor Diskriminierung behielt sie es lange für sich. "Ich konnte es selbst nicht akzeptieren", erzählt die inzwischen 32-Jährige.

Heute sitzt sie als Politikerin der größten Oppositionspartei des Landes, der Demokratischen Partei Japans (DPJ), in ihrem Wahlkampfbüro in Tokios Schwulen-Viertel im Stadtteil Shinjuku und kämpft für die Anerkennung von Homosexuellen in ihrem Land.

Ungeachtet kontroverser Meinungen hat ihre Partei sie als Kandidatin für die Ende Juli geplante Oberhauswahl aufgestellt. Sollte sie ins nationale Parlament einziehen, wäre sie dort der erste offen bekennende homosexuelle Politiker in der Geschichte Japans.

"Es ist im alltäglichen Leben in Japan noch immer schwierig, sich zu outen und zu erzählen, was für Probleme Homosexuelle in der Gesellschaft haben", sagt Otsuji im Gespräch. Zwar gibt es in großen Städten lebendige Schwulen-Szenen, gegenüber ihren Familien oder Arbeitgebern aber verheimlichen viele ihre sexuelle Orientierung.

In Japan ist Homosexualität an sich zwar seit langem akzeptiert, doch wird nicht darüber diskutiert. Im Mittelalter war Homosexualität zum Beispiel unter Samurai ein offenes Geheimnis. Japan sei eine Kultur des Schams und auch Homosexualität habe bisher als etwas gegolten, wofür man sich schämen müsse, sagt Otsuji.

Auch wenn es keine offene Feindseligkeit gegenüber Homosexuellen gebe, hinke Japan doch beim Bewusstsein sexueller Vielfalt hinter vielen westlichen Ländern her.

Als sich Otsuji vor zwei Jahren als Abgeordnete im Präfekturparlament von Osaka anlässlich einer Gay-Parade "outete", hätten die meisten ihrer Kollegen keine Reaktion gezeigt, erzählt sie, sondern das Thema einfach ignoriert.

Ihr Wahlkampfeinsatz für die Rechte von Homosexuellen erfolgt zu einer Zeit, da die Regierung des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Shinzo Abe im Volk
moralische Werte und das Bild von der traditionellen Familie stärken will.

In Otsujis Büro steht ein kleines Foto, das sie mit ihrer Partnerin zeigt, beide im weißen Hochzeitskleid. Sie haben kürzlich geheiratet, rechtlich jedoch werden Homosexuellen-Ehen nicht anerkannt. Es gebe kein Gesetz gegen Diskriminierung, beklagt Otsuji.

Auch hätten homosexuelle Paare nicht die soziale Absicherung wie andere Ehepaare. So sei es schwierig, einen homosexuellen Partner als Begünstigten einer Lebensversicherung zu benennen.

Auch hätten Homosexuelle kein Recht auf das Erbe ihres Partners. Zudem gebe der Staat bisher kein Geld für die Vorbeugung gegen Aids aus, beklagt Otsuji. "Wir verstehen das als Ausdruck von Aversion gegen Homosexualität im
Gesundheitsministerium", klagt die Politikerin.

Als Abgeordnete in Osaka setzte sie sich mit ihrer Mutter für Angehörige Homosexueller ein. "Familienmitglieder haben da unter Tränen erzählt, wie ihre
Erwartungen an ihre eigenen Kinder enttäuscht worden seien, dass sie aber bisher nirgendwo sonst darüber reden konnte", schildert Otsuji.

Während es zwar unter männlichen TV-Stars bekennende Schwule gebe, seien Lesben in der Öffentlichkeit bisher gar nicht präsent, sagt die Politikerin. Männer würden bei Lesben allenfalls an Porno-Filme denken.

Mit ihrer Kandidatur für die Oberhauswahl will die Japanerin denn auch vor allem erreichen, dass ihre Landsleute überhaupt erst einmal wahrnehmen, dass es Menschen mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen gibt.

"Wenn ich gewählt werde, würde die Zeit enden, in der man Homosexualität ignoriert ha", sagt Otsuji. Sollte sie allerdings scheitern, sei es ungewiss, wann es wieder einen Parteikandidaten gebe, der für die Rechte von Homosexuellen kämpft.

Zehntausende bei Homo-Marsch in Rom

Zehntausende Menschen haben am Samstag in Rom für mehr Rechte für gleichgeschlechtliche Paare demonstriert. Die Teilnehmer schwenkten Regenbogen-Fahnen und Plakate, auf denen die katholische Kirche kritisiert wurde. «Mehr Freiheit, weniger Vatikan» war auf einer Fahne zu lesen, die einen durchgestrichenen Petersdom zeigte. «Liebe kommt Familie gleich» hieß es auf einer anderen. Die italienische Regierung hat ein Gesetz vorgeschlagen, das homosexuellen und heterosexuellen Partnerschaften ohne Trauschein mehr Rechte einräumen würde. Der Entwurf muss noch vom Parlament gebilligt werden.