Ein CSD-Mega-Wochenende steht vor der Tür

Sommer, Sonne und Christopher Street Day – drei Stichworte die zusammen gehören und um den politischen Grundgedanken ergänzt gehören. Am kommenden Wochenende präsentiert sich die gesamte Republik im Zeichen von CSDs und Straßenfesten – im Zeichen von Toleranz und politischen Engagement. Egal ob Norden, Süden, Osten oder Westen – überall  in Deutschland werden Schwule, Lesben, Bisexuelle und andere sexuelle Minderheiten für Ihre Rechte eintreten und gemeinsam auf die Straße gehen – Gemeinsam für mehr Toleranz und Anerkennung.

In München feiert die queere Gemeinschaft ein Jubiläum der besonderen Art: „Deine Stadt – Deine Community – Deine Freiheit“ lautet das Motto zum 30. Christopher Street Day in der bayrischen Landeshauptstadt. Seit den Anfängen 1980, sind aus knapp 100 Mitstreitern mehrere Tausend geworden und die kleine Demo hat sich zum mehrtägigen Stadtfest mit politischem Hintergrund gemausert, so die Veranstalter. Schirmherr ist in dem Jubiläumsjahr Oberbürgermeister Christian Ude, der die Parade am Samstag eröffnen wird.

Ein bisschen weiter gen Norden und schon ist man(n) mitten in Frankfurt angekommen. Auch hier wird an diesem Wochenende der CSD zelebriert.  Dabei legen die Veranstalter vor allem Wert darauf, dass der Christopher Street Day nicht zu einer kommerziellen Party mutiert, sondern vorrangig eine politische Veranstaltung bleibt. Mehr Politik als Party titel die Frankfurter Rundschau und geht damit auf das aktuelle Motto: „Stolz auf unsere Vielfalt“ ein. Mit diesem Slogan, wollen die Veranstalter ‚Denkanstöße in verschiedene Richtungen‘ geben. Denkanstöße, die darauf abzielen, dass homosexuelles Leben zwar schon wesentlich akzeptierte ist als vor ein paar Jahren, aber auf gesellschaftlicher und gesetzlicher Ebene eben immer noch nicht vollkommen verstanden und toleriert wird.

„Homophobie ist heilbar!“

Die anhaltende Diskriminierung machen auch die Leipziger anlässlich des CSD zum zentralen Thema. Gemeinsam – unter der Schirmherrschaft von Ralf König – werden am Wochenende wieder Tausende in der Stadt am Völkerschlachtdenkmal erwartet. Und zusammen geht man unter dem Leitspruch: „Homophobie ist heilbar“ auf die Straße und zeigt sein Engagement im Kampf um Anerkennung und Toleranz.

In Nordrhein-Westfalen werden gleich zwei Veranstaltungen zum CSD angeboten: Das Aaseefest lockt nach Münster zu einem bunten und lockeren Straßen- und Ständefest und der CSD Bielefeld nach Ostwestfalen. Als einer von drei CSDs in NRW, kann sich Bielefeld noch mit einem Demonstrationszug durch die Innenstadt hin zum Straßenfest behaupten und die Maske fallen lassen. Denn die Ostwestfalen zeigen sich und gehen „Für ein Leben ohne Maske – lesbisch und schwul überall“ auf die Straße. Erstmals in 15 Jahren haben es die Organisatoren geschafft, dass die Eröffnung des CSD durch den Oberbürgermeister Pit Clausen, selbst offen schwul, mit dem Hissen der Regenbogenflagge am Rathaus zelebriert werden kann. Auch das GAYS.D E Team wird in seiner Heimatstadt Bielefeld anwesend sein. Gemeinsam mit Tatjana Taft werden wir an der Demo sowie am Straßenfest teilnehmen.

Dass nördlichste Event zum Christopher Street Day steigt an diesem We in der Hansestadt Rostock. Zum bereits 8. Mal lädt in diesem Jahr die Präsidentin des mecklenburgischen Landtags, Sylvia Bretschneider unter dem Motto: „Kopf frei für Artikel 3 zur politischen Parade und anschließendem Straßenfest.

Wir wünschen euch ein sonniges, erlebnisreiches und vor allem CSD geladenes Wochenende und freuen uns, Euch auf dem ein oder anderen Straßenfest oder gar Demo zu treffen. Unsere GAYS.DE Reporter sind im gesamten Bundesgebiet für Euch unterwegs und fotografieren Euch gern. Einfach Ansprechen, wenn sie es noch nicht getan haben^^.

Und wer selbst Lust hat zum GAYS.DE Team zu gehören, der ist herzlich willkommen! Sendet uns eure Bilder nach der Parade oder dem Straßenfest und ihr werdet als offizieller GAYS.DE Reporter in Eurer Community vorgestellt. Mehr Infos findet ihr im GAYS.DE CSD&PRIDE Guide.

Es grüßt

Eure GAYS.DE Büro Runde^^

Vorfreude auf den CSD in Stuttgart

Am kommenden Freitag startet mit dem offiziellen CSD Empfang im Stuttgarter Rathaus die erste große Veranstaltung des diesjährigen Christopher Street Day (CSD) in Stuttgart. Der seit einigen Jahren regelmäßig durchgeführte Empfang ist 2010 etwas ganz besonderes: So spricht nicht nur erstmalig Hausherr und Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU), auch die Bundesjustizministerin und CSD Schirmherrin, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) reist nach Stuttgart, um sich für die umfassende Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender einzusetzen.

Einen Vorgeschmack auf die mit Spannung erwartete Rede der Bundesjustizministerin gibt das Grußwort, welches sie als Schirmherrin des CSD Stuttgart zum Programmheft des Festivals beigesteuert hat. Darin heißt es ausdrücklich: „Die Bundesregierung ist entschlossen, zahlreiche Benachteiligungen von Schwulen, Lesben und Transsexuellen aus der Welt zu schaffen; das haben wir im Koalitionsvertrag fest vereinbart.“ Klar macht Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger aber ebenso: „Schön wär’s, wenn es nicht nur faire Gesetze gäbe, sondern die Menschen auch im Alltag tolerant miteinander umgingen und es keine Diskriminierungen gäbe.“

Christoph Michl, Vorstand und Gesamtleiter des CSD Stuttgart, begrüßt die klaren und wichtigen Worte der Schirmherrin: „Sabine Leutheusser-Schnarrenberger tritt hier für nicht weniger ein, als die komplette Gleichstellung von homosexuellen Menschen in unserer Gesellschaft. Dieses laute und deutliche Signal ist nach 40 Jahren moderner Homosexuellen-Bewegung überfällig. Umso mehr freut uns die Teilnahme der Ministerin am CSD Rathausempfang. Dort wird sie ihren Standpunkt noch einmal im Detail erläutern.“

Ähnlich sieht das der Fraktionsvorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Hans- Ulrich Rülke: „Gerade in unserer heutigen, vielfältigen und bunten Gesellschaft mit ihren unzähligen Lebenskonzepten ist es nicht mehr zeitgemäß, dass nach wie vor Menschen für die Wahl ihres individuellen Lebensentwurfs kämpfen und Einschränkungen in Kauf nehmen müssen.“ Dass auch das Land Baden-Württemberg seine „Hausaufgaben“ machen muss, verschweigt der FDP Politiker nicht: „Wir werden uns nun dafür einsetzen, dass im Rahmen der Dienstrechtsreform die entsprechenden Entscheidungen für die Gleichstellung der Beamtinnen und
Beamten getroffen werden.“

Am Freitag, den 16. Juli 2010 wird mit dem CSD Empfang im Stuttgarter Rathaus ab 19:00 Uhr vor dem Panoramafenster im vierten Obergeschoss des ehrwürdigen Hauses ausführlich über das Festival informiert. Der Empfang ist öffentlich. Eine Einladung ist nicht nötig. Der CSD Stuttgart findet vom 23. Juli bis 01. August unter dem Motto „schön wär’s!“ statt. (Quelle: PRIDE1/ml/PM)

“Stolz bewegt” – ColognePride 2010

Tatjana Taft unterwegs auf dem ColognePride 2010Kurzer Zwischenbericht aus Köln:

Auch in diesem Jahr hat der “Stolz” die Massen auf den ColognePride gezogen – Hunderttausende Schwule, Lesben, Bisexuelle und ander sexuelle Minderheiten sind an diesem Wochenende in Köln unterwegs gewesen und haben die Rheinmetropole in die buntestes Stadt der Republik verwandelt.

Zum CSD Wochenende hatte das Team vom ColognePride wieder einiges auf die Beine gestellt. Die 19. AIDS-Gala, das mega Straßenfest, die zahlreichen Partys und natürlich die legendäre Parade zum Christopher Street Day waren die Highlights an diesem Wochenende.

Für euch hat sich das GAYS.DE Team in Köln auf die Straße begeben und war mitten drin, statt nur dabei^^. Auch wir haben uns mit “Stolz” in Köln bewegt. Was wir erlebt haben, haben wir für euch in der GAYS.DE Bildergalerie festgehalten. Von den einzelnen Veranstaltungen, werden wir für euch natürlich noch ausführlich berichten.

Christopher Street Day – 41 Jahre nach New York

Den Begriff CSD – Christopher Street Day – kennt wohl so ziemlich jeder. Anders als in englischsprachigen Ländern (da spricht man eher von Pride), hat sich der Begriff gefestigt und ist Teil der lesbischwulen Community geworden.  Grund genug, Euch heute den „Ursprung“ der Geschichte der CSD`s näher zu bringen.

Heute vor 41 Jahren kam es in der New Yorker Christopher Street zum ersten Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in Big Apple. In den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 ereignete sich im Stonewall Inn das Ereignis, an welches  wir heute alljährlich bei den zahlreichen CSD`s erinnern und unsere Rechte einfordern. Die Straßenschlacht der anwesenden Schwulen mit der Polizei, zog sich mehrere Tage hin – seither wird immer am letzten Samstag im Juni an das Ereignis erinnert. Hunderttausende ziehen dann durch die New Yorker Straßen und zelebrieren den Christopher Street Liberation Day.

In Deutschland und Europa finden in nahezu jeder großen Stadt Veranstaltungen statt, die an diesen Tag erinnern und die aktuelle politische Situation von Schwulen und anderen sexuellen Minderheiten zum Thema haben. Gemeinsam geht die queere Community auf die Straße und zeigt Gesicht. Gemeinsam treten wir für mehr Anerkennung und Toleranz ein – Gemeinsam zeigen wir, dass es und gibt.

Also auf eine sonnige, bunte und weitreichende CSD Saison 2010 – Auf dass auch die Intoleranten erkennen, dass wir unseren „Stolz“ behalten und weiter Einsatz zeigen…

(Foto: Michael Gottschalk/ddp)

Diskriminierung – Nein Danke!

Vielerorts gilt das Wort „schwul“ immer noch als Schimpfwort. Egal ob auf dem Schulhof, beim Ausgehen mit Freunden oder gar in der Freizeit – Homosexuelle erfahren überall Ausgrenzung und Diskriminierung. Homophobie ist noch immer ein Thema und das nicht nur auf den zahlreichen CSD`s
und Straßenfesten, sondern auch in diversen Programmen und Kampagnen der lesbsichwulen Institutionen in Deutschland.

Auch wenn sich das Bild der Gesellschaft gegenüber homosexuellen Männern und Frauen teilweise gewandelt hat, ganz angekommen sind Schwule und Lesben – und alle sexuellen Minderheiten insgesamt – in Deutschland noch nicht. In den Vorabendserien sehen wir täglich schwule und lesbische Paare, Konflikte werden ausgetragen – wie eben in heterosexuellen Beziehung en auch. Und dennoch bedarf es politischer Demonstrationen, Präventionsarbeit und viel Einsatz von ehrenamtlichen und engagierten Personen, das Bild der Gesellschaft zu ändern.

Erst am vergangenen Wochenende hat sich Berlins regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit vor mehr als 600.000 Besuchern als einer unter vielen betitel: „Wir sind nicht anders, nur eben ein bisschen verrückter“, so seine Worte bei der Abschlusskundgebung zum Berliner Christopher Street Day. Und auch in den kommenden Wochen werden Politiker und hundertausende Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender auf die Straßen gehen und für ihre Rechte – die Rechte von Homosexuellen – Zeichen setzen.

„Stolz bewegt“ heißt es in Köln, wenn am 4. Juli wieder mehr als 700.000 Menschen die Kölner Innenstadt säumen und zum CSD zusammen kommen. Gemeinsam feiert man und tritt für die Community ein – gemeinsam möchte man (und Frau)  zeigen, dass Homosexuelle in der Gesellschaft einen Platz haben.

Diskriminierung und der anhaltenden Homophobie im Alltag muss entgegen getreten werden. Also Sachen packen und mit uns auf die Straße gehen, wenn ein CSD nach dir ruft…

Wir sehen uns!!!

32. Christopher Street Day in Berlin

Schwul, lesbisch, trans* oder inter – es entspricht nicht der Norm – so sieht es zumindest die heterosexuelle Mehrheit. Dass diese Kategorisierung in normal und abnormal immer noch ein Problem ist, zeigt sich leider nach wie vor jeden Tag: Nämlich dann, wenn etwa Schwule in der U-Bahn angepöbelt oder verprügelt werden, wenn Lesben das Recht abgesprochen wird, Kinder zu erziehen, oder – noch viel gravierender – wenn Trans-Menschen gezwungen werden, sich sterilisieren zu lassen, damit das Geschlecht im Reisepass an das gelebte Geschlecht angepasst wird, oder an intersexuellen Kleinkinder herumoperiert wird, weil Eltern und Ärzte mit der Situation überfordert sind. Mit dem Motto “Normal ist anders” stellt der 32. CSD Berlin, diese Einteilung in normal und abnormal in Frage.

Das Motto und das dazugehörige Thema Normalität/Normativität werden untermauert durch ausdifferenzierte Forderungen:

  1. Intersexuellen und trans* Menschen muss ein selbstbestimmtes, diskriminierungsfreies Leben werden.
  2. Queere Familien müssen rechtlich gleichgestellt und abgesichert werden.
  3. Berlin braucht ein Aktionsprogramm für sexuelle Gesundheit.
  4. Die verfolgten Homosexuellen in Deutschland müssen moralisch und materiell rehabilitiert werden.
  5. Respekt muss auf Gegenseitigkeit beruhen.

Am 19. Juni 2010 werden deshalb wieder um die 500.000 Menschen ab 13:00 Uhr zur CSD PARADE auf die Straße gehen und sich in einer bunten, lauten und vielfältigen Demonstration für die Gleichstellung von Schwulen, Lesben, Transsexuellen und Transgendern, Inter- und Bisexuellen und für ein diskriminierungsfreies Leben für alle Menschen jenseits der heterosexuellen Norm einsetzen. Der CSD lebt von einer immensen Vielfalt, die in all ihrer Farbenpracht jedoch schwer erahnen lässt, was es für jeden einzelnen bedeutet, gesellschaftlich ausgegrenzt, diskriminiert oder nicht gleichberechtigt behandelt zu werden. Und die Boten des Mottos “Normal ist anders” sind dieses Jahr Engel: schwule, lesbische, trans* und intersexuelle, bisexuelle und sogar heterosexuelle Engel, die vom Ku’damm zum Brandenburger Tor ziehen. Hier findet ab 17:00 Uhr das große CSD Finale statt bevor es am Abend zur großen CSD Closing Party geht. (Unser Tipp: Die CSD Opening Party im Tresor ;-) )

Christopher Street Day: Tatort Straße

Seit dem Vorfall in der New Yorker Christopher Street 1969, werden überall auf der Welt Paraden, Demonstrationszüge und Straßenfeste abgehalten, die an die Vorfälle erinnern sollen.

Wir erinnern uns: Damals – in den frühen Morgenstunden des 28. Juni – setzten sich Homosexuelle und andere sexuelle Minderheiten erstmals der Polizeiwillkür entgegen, der Stonewall-Aufstand war geboren. Bis zu diesem Tag gab es immer wieder gewalttätige Übergriffe der Polizei in und auf Szenebars, -Clubs und Einzelpersonen. Zum Gedenken an dieses Ereignis etablierten sich die mittlerweile unzähligen Veranstaltungen rund um den Globus.

Alljährlich gehen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender auf die Straße, um für ihre Rechte zu Demonstrieren. Gemeinsam wird gegen die immer noch anhaltende Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund der eigenen sexuellen Identität gekämpft. Toleranz und Anerkennung gegenüber Homosexuellen – Ziele einer jeden Veranstaltung der LGBT-Community.

„Schwuchtel!“ und schon flogen Steine

Erst am Wochenende ist es wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Paradeteilnehmern und Gegendemonstranten gekommen. Die erste politische Demonstration sollte es werden – doch in Bratislava flogen Steine, Flaschen und derbe Sprüche.

Der für Samstag geplante Demonstrationszug durch die slowakische Hauptstadt musste abgebrochen werden. Selbst anwesende Politiker und Redner wurden auf der Hauptbühne von diversem Wurfmaterial getroffen. Die anwesenden Einsatzkräfte konnten nicht mehr für umfassende Sicherheit der Pride-Teilnehmer garantieren. Bereits im Vorfeld hatten Konservative, aus Politik und Wirtschaft, sich gegen ein Stattfinden der Rainbow Pride ausgesprochen und massive Proteste angekündigt. Die Behörden waren demnach vorgewarnt. Und dennoch sahen sich die Veranstalter in Bratislava gezwungen die Veranstaltung abzubrechen. Die Homo-Gegner wurden einfach nicht weit genug von der friedlichen Regenbogenparade fern gehalten, es kam zu mehreren Auseinandersetzungen.

Tränengas wurde eingesetzt und Passanten wurden gebeten, schwul-lesbische Symbolik verdeckt zuhalten, um weitere Ausschreitungen zu vermeiden. Einen kleinen Einblick in die Situation vom Wochenende gibt folgendes Video:

IDAHO: Dresden setzt Zeichen gegen Homophobie

Anlässlich des internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie am 17. Mai organisiert der Landesverband Sachsen des „Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e.V.“ (LSVD Sachsen) einen sogenannten „RAIBOWFLASH“ auf dem Dresdner Theaterplatz. Dabei werden Schwule, Lesben, inter- und transsexuelle Menschen, deren FreundInnen, Kollegen, Eltern, Geschwister und MitschülerInnen Luftballons mit Botschaften gegen Homophobie und Transphobie fliegen lassen. Damit soll ein eindeutiges Zeichen gegen Gewalt und Vorurteile gegenüber Schwulen, Lesben, inter- und transsexuellen Menschen gesetzt werden.

Wie in Dresden treffen sich am 17. Mai 2010 Menschen an vielen Orten, insbesondere auch in Osteuropa (Minsk, Novosibirsk, St. Petersburg, Tscheljabinsk, Moskau, Rostow am Don u.v.m.), um Teil der weltweiten RAINBOWFLASH- Demonstration zu sein. Aber auch in anderen Teilen der Welt finden zahlreiche Aktionen anlässlich des Internatioanlen Tag gegen Homophobie und Transphobie statt. (GAYS.DE berichtete) In Hamburg, Berlin, Wien, Paris, London, New York, L.A. und vielen vielen weiteren Städten, werden Menschen am 17. Mai ein Zeichen setzen und ihren Respekt sowie ihre Achtung gegenüber sich gleichgeschlechtlich Liebenden zum Ausdruck bringen. Alle Aktionen sollen auch als ein Zeichen der Verbundenheit und der Unterstützung der Aktivisten in den Teilnehmer-Ländern verstanden werden und deshalb auch auf das Problem hinweisen und somit bewusst machen: Es kommt auf das Verhalten eines JEDEN Einzelnen im Alltag an! (Quelle: PRIDE1.de/ml/GAYS.DE)

Aktuell: Schutz vor Diskriminierung zeitgemäß

Um Punkt  12, trafen sich die Sachverständigen zur öffentlichen Anhörung des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags. Thema waren die von den Fraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und den Linken eingebrachten Gesetzentwürfe zur Änderung des Deutschen Grundgesetzes um das Merkmal der sexuellen Identität (GAYS.DE berichtete).

Bereits im Vorfeld wurden vergleichbare Initiativen, die eine Ergänzung und somit ein Diskriminierungsverbot im Grundgesetz forderten, von den Gesetzgebern zum Scheitern verurteilt. So geschehen 1994, bei der die erforderliche Mehrheit im Bundestag nicht erreicht werden konnte und im vergangenen Jahr die Anträge der Länder Berlin, Bremen und Hamburg (GAYS.DE berichtet). Auch am heutigen Mittwoch ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend für die Antragsteller sowie die gesamte schwul-lesbische Gemeinschaft in Deutschland. Volker Beck, Erster Parlamentarischer  Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen formuliert das Ergebnis wie folgt: „Die Anhörung hat deutlich gemacht, dass eine Ergänzung des Artikel 3 Abs. 3 im Grundgesetz zeitgemäß, wirksam und erforderlich ist. Der Schutz vor Benachteiligung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transgendern und Intersexuellen würde deutlich gestärkt. […] Dennoch verweigert die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag die Aufnahme dieses Schutztatbestandes. Sie wollen weiter diskriminieren dürfen.“.

Während der Anhörung äußerten sich die Sachverständigen zu der aktuellen Situation von Homosexuellen in Deutschland. Das Ungleichheit und Handlungsbedarf besteht, war der deutliche Tenor der offiziellen Hearing. Eine eindeutige Handlungsbereitschaft seitens des Gesetzgebers und baldige Ergänzung des Artikel 3 Abs. 3 im Grundgesetz jedoch wiedermal nicht zu vernehmen. Die Mehrheit der „Experten“ sprach sich gar unterschwellig gegen eine Grundsatzänderung zum Schutz der sexuellen Identität aus. Dass die These, Menschen seien im Hinblick auf Diskriminierungen wegen der sexuellen Identität bereits ausreichend durch die Verfassung geschützt, falsch sei und die Rechtslage und den Kern von Verfassungspolitik verkannt werde, sprach hingegen Prof. Nina Dethloff, eine der Befürworterinnen, aus.

Weltweit findet die Formulierung „sexuelle Identität“ bereits juristische Verwendung. Neben der  sexuellen Orientierung eines Jeden, ganz gleich ob hetero-, homo- oder bisexuell, werden auch transgender, transsexuelle und intersexuelle Lebensweisen definiert und berücksichtigt. Folglich liegt mit der „Identität“ ein eindeutig definierter sowie menschenrechtlich wichtiger Bezug auf das Individuum vor, was unausweichlich der deutschen Grundrechtssituation entspricht, wie die befürwortenden  Rechtsexperten betonten.

Auch der LSVD bekräftigt, dass die heutige Anhörung die Notwendigkeit für die Ergänzung des Gleichheitsartikels im Grundgesetz deutliche macht. „Die Ergänzung wäre eine längst fälliges Bekenntnis zu den Werten der Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen und ein wichtiges Signal in die Gesellschaft.“, so Axel Hochrein, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland.

In anderen Europäischen Staaten wurden die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transgendern und intersexuellen Menschen bereits angeglichen. Lediglich der deutsche Gesetzgeber verweist darauf, dass eine Ergänzung zu „unbestimmt“ formuliert und „Gefahren berge“. Eine eindeutige Definition der Begründung blieb bislang allerdings aus.

Homophobie aktuell: „Sünder“ kritisieren Bischof Overbeck

Nach seinem Auftritt bei TV-Talkerin Anne Will am vergangenen Sonntag, hat Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck mit Kritik zu kämpfen. Nicht nur die offen lesbische ARD-Gastgeberin wirkte irritiert, als der Bischof von Sünde und Widerspruch gegenüber der Natur sprach, auch Regisseur Rosa von Praunheim war über die Äußerung verblüfft (GAYS.DE berichtete).

Zwei Tage nach seiner „öffentlichen Entgleisung“ steht der Essener Bischof unter „Beschuss“. Nicht nur die schwul-lesbische Medienlandschaft ist empört über die Äußerungen des katholischen Geistlichen. Auch Politiker, Verbände und Personen des öffentlichen Lebens sind entsetzt über die gewählte Formulierung. Der NRW-Landesvorsitzende der Grünen, Arndt Klocke, spricht  gar von „Empörenden und diskriminierenden“ Äußerungen, die das „Feindbild“ der Homosexuellen in der Gesellschaft nur bekräftigen. Auch der Sozialverein für Lesben und Schwule e.V. (SVLS) spricht von einer ernstzunehmenden öffentlichen Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Thorsten Schrodt, Vorstandsmitglied SVLS erklärt: „Was Bischof Overbeck […] von sich gegeben hat, ist ein Schlag ins Gesicht – Nicht nur für alle Schwulen, Lesben und Bisexuellen, sondern auch für alle anderen, die sich für Gleichberechtigung, Akzeptanz und eine vielfältigere Gesellschaft engagieren.“.

Homophobie nimmt wieder zu!

Das Overbeck nur im Affekt und auf Provokation hin geantwortet hat, ist auszuschließen. Von Seiten  Overbecks gibt es keine Stellungnahme, lediglich den Vermerk, sich in der „offiziellen Linie der katholischen Kirche“ zu bewegen. Eben dies, sehen viele Kirchen-Aktiven anders. So Spricht die ökumenische Arbeitsgruppe Homosexualität und Kirche (HuK) ihr Veto mindestens ebenso energisch aus, wie die Mitglieder von „Wir sind Kirche“. Bei beiden Interessengruppen ist man der Ansicht, dass die Kirche Menschen empfangen und nicht ausschließen darf und das „Interpretationen“ der Umwelt und dem gesellschaftlichen Wandel angepasst werden müssen.

Homosexuelle haben seit jeher mit Vorurteilen und gegen die sogenannten Moralvorstellungen der „Normalos“ zu kämpfen.  Intoleranz, Abneigung und Ausgrenzung sind nur ein Teil der täglichen Konfrontationspunkte. Zunehmend wird auch die körperliche Gewalt gegenüber Homosexuellen wieder zum Thema. Übergriffe häufen sich und Schimpfworte wie „Schwuchtel“ und „Schwule Sau“ gehören zum alltäglichen Vokabular – nicht mehr nur in der Jugendsprache!

Update: 17.04.2010:

Passend zum Themenabend bei Anne Will – der eigentlich die kürzlich entlarvten Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche thematisieren wollte – hat auch der WDR eine interessante Reportage im Programm. Bereits gestern lief „die story“ unter dem Titel „Schwule Sau“ – Donnerstag gibt es die Wiederholung. Diplom Journalistin Christina Zühlke beschäftigt sich in dem 45 minütigen Beitrag mit dem Coming-Out zweier Jugendlicher, die es in ihrem gewohnten Umfeld nicht mehr ausgehalten haben. Auf die Frage warum sie den Beitrag erstellen mag, anwortet die Journalistin:  “Zum ersten Mal auf das Thema gestoßen bin ich durch einen Artikel, in dem es um steigende Zahlen homophober Jugendlicher ging. Das konnte ich kaum glauben. Vielleicht auch, weil ich mich in Köln und dazu noch in der Medienwelt bewege und immer dachte, Schwulenhass gibts kaum noch. Je weiter ich recherchiert habe, um so klarer wurde aber das Gegenteil. Und so habe ich dann erstmal kurze Beiträge für die Kulturmagazine Westart und TTT gemacht. Daraus entstand dann die Idee, für eine längere Reporatge nach Protagonisten zu suchen. Und da haben wir mit Kevin und Madeleine dann ja wirklich zwei tolle Leute gefunden, meine ich. ” Wie Christina den Dreh erlebt hat udn welche Gedanken sie während der Produktion beschäftigt haben, erfuhr GAYS.DE von der Autorin persönlich: “Den Dreh hab ich als sehr spannend erlebt. Geschockt war ich natürlich vom Pfarrer und den Schützen. Positiv überrascht vom Schuldirektor und auch den Berliner Jugendlichen, die ja während des Interview ihre Meinung ändern. Für mich war aber das Besondere, das Madeleine und Kevin mir so offen ihre Geschichte erzählt haben. Denn ohne die beiden wäre der Film nie so gut geworden.”. Wer sich aber sein eigenes Bild machen möchte, der hat mit dem Vidcast auf der Seite von “die story” Gelegenheit dazu.