GAY.DE Serie zum WAT 2012: „JETZT KANN ICH MICH FALLEN LASSEN“

Franz (54) ist seit 25 Jahren HIV-positiv. Als er die Diagnose 1987 bekam, war er sich sicher, dass dies sein Todesurteil sei. Tatsächlich verschlimmerte sich sein gesundheitlicher Zustand in den folgenden Jahren drastisch. Durch neue und wirksame HIV-Therapien, die erstmals Mitte der 90er Jahre möglich waren, stabilisierte sich sein Zustand wieder, jedoch musste er wegen der Nebenwirkungen frühzeitig in Rente gehen. Durch seine wirksamen Folgetherapien und regelmäßigen ärztlichen Kontrollen, ist das HI-Virus in seinem Blut seit Jahren praktisch nicht mehr nachweisbar. Das bedeutet, dass er auch kein HIV mehr auf andere Sexpartner übertragen kann. Denn bei einer wirksamen Therapie ist eine Übertragung von HIV sehr unwahrscheinlich: Die Schutzwirkung ist so hoch wie bei Kondomen, denn wo keine Viren sind, kann es auch keine Ansteckung geben.

Im Interview erzählt Franz, wie er die medizinischen Entwicklungen erlebt hat und wie sich sein (Sex-)Leben dadurch verändert hat.

Franz, du hast dich 1987 mit HIV infiziert. Durch die erfolgreiche medikamentöse Therapie ist deine Viruslast nun schon mehrere Jahre unter der sogenannten Nachweisgrenze. Damit bist du nach aktuellen medizinischen Erkenntnissen praktisch nicht mehr ansteckend, kannst HIV also selbst bei kondomlosen Sex nicht mehr auf deinen Partner übertragen. Was hat sich dadurch bei dir verändert?

Das hat vor allem den Umgang mit meinen Partnern wieder leichter und den Sex intensiver gemacht. Vorher war da eben immer die Angst, dass etwas passieren könnte. Jetzt kann ich mich mehr fallen lassen, kann es mehr genießen. Das ist definitiv so. Es hat an Qualität gewonnen. In meinem Alter ist mir Qualität eh wichtiger als Quantität. Ich muss mir auch nicht mehr ständig Sorgen um meinen gesundheitlichen Zustand machen, weil ich weiß, dass die HIV-Therapie wirkt, und ich bin ja deshalb insgesamt auch viel gesünder.

Die „gute Nachricht“, dass man bei einer Viruslast unter der Nachweisgrenze nicht mehr infektiös ist, wurde ja erst 2008 „offiziell“ bekannt gemacht. Hast du das gleich für dich klar gehabt und in deine Lebenspraxis umsetzen können?

Nein, überhaupt nicht. Für mich war das erst mal eine sehr große Umstellung. Ich habe ja diese alte Sichtweise auf Aids und HIV noch sehr stark mitbekommen. Als ich vor 25 Jahren mein positives Testergebnis hatte, kam das ja fast noch einem Todesurteil gleich. Ich habe mein Leben nur noch für sechs, sieben Jahre geplant, länger war die Lebenserwartung damals nicht. Wirksame Therapien gibt es ja erst seit Mitte der 90er Jahre. Und meine Erfahrungen vorher haben mich ja auch sehr geprägt. Das sitzt ganz tief, das schüttelt man nicht einfach so ab. Und dann muss man plötzlich umdenken: „Mensch, ich hab zwar noch dieses HIV, aber ich bin nicht mehr ansteckend … .“ Das erst mal in den Kopf zu kriegen, das braucht seine Zeit, das war ein langer Lernprozess für mich.

Du hast vor 18 Jahren deinen Partner kennengelernt. War HIV damals ein großes Thema für euch?

Für mich ja. Ich hatte einfach Angst davor, dass ich ihn anstecken könnte, obwohl wir immer aufgepasst und Safer Sex gemacht haben. Aber die Angst sitzt dir dennoch im Nacken, denn es kann ja trotzdem immer was passieren, zum Beispiel, dass ein Gummi reißt oder beim Blasen doch Sperma in den Mund kommt. Bei ihm war das allerdings anders. Er sagte mir ganz deutlich, dass das für ihn nichts ändern würde, dass es für ihn keine Rolle spielt, dass ich HIV-positiv bin. Das war für mich entscheidend: Das da jemand war, der keine Angst vor mir hatte, weil ich HIV habe. Dann kam aber irgendwann der Moment, der mich sehr geschockt hat. Nach vier Jahren haben wir den Bescheid bekommen, dass er sich angesteckt hat. Wir wussten nicht, ob durch mich oder ob es schon vor unserer Beziehung war. Trotzdem. Das war so ein Schock für mich, ich habe mir so sehr die Schuld gegeben, dass ich mir gesagt habe: Mit Sex läuft erst einmal gar nichts mehr! Wir hatten dann auch jahrelang keinen Sex mehr.

Hat dein Freund dir damals Vorwürfe gemacht, die Verantwortung bei dir gesucht?

Nein, überhaupt nicht! Er hat gesagt, dass es klar war, dass es vielleicht passieren kann, dass er sich auch infiziert. Er geht mit so was aber auch generell anders um als ich. In seiner Familie gibt es eine längere Geschichte mit chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes. Und natürlich auch mit Untersuchungen und Therapien, die damit zusammenhängen. Daher war seine Sicht auf die Sache wohl eine andere als bei mir. Ich habe mir aber damals das Leben zur Hölle gemacht. Für mich war das ein ziemlicher psychischer Druck, weil ich mich ständig fragte, ob und wann ich ihn eventuell angesteckt habe, was ich hätte anders machen müssen. Wir wissen aber bis heute nicht, ob er sich in unserer Beziehung angesteckt hat oder bereits davor, bei jemand anderem. Es spielt auch keine Rolle mehr für uns.

Mittlerweile führt ihr eine offene Beziehung und seid oft in der Szene unterwegs. Wenn du dort Sexpartner hast, machst du dann deine HIV-Infektion von dir aus zum Thema?

Ich thematisiere es, wenn mich wirklich jemand näher kennenlernen will und sich daraus vielleicht etwas entwickelt, sei es eine bessere Bekanntschaft oder eine Freundschaft. Bei Sexpartys oder Dates kläre ich vorher, dass ich zwar positiv, aber durch die Therapie nicht mehr infektiös bin. Sicher kann das auch ein Schuss in den Ofen sein, wenn man jemandem zu sehr vertraut und der dann damit nicht umgehen kann. Aber so ist das dann eben.

Wenn du das bei potenziellen Sexpartnern ansprichst und dann sagst, dass du „nicht infektiös“ bist: Weiß da jeder sofort, was damit gemeint ist und was das praktisch bedeutet?

Es gibt schon einige, die das nicht verstehen und auch über die medizinischen Fortschritte da nicht besonders Bescheid wissen. Ich versuche das dann zu erklären. Aber das ist noch nicht in allen Köpfen angekommen. In der Leder- und Fetischszene – in der ich mich ja hauptsächlich bewege – ist das Wissen darüber allerdings schon sehr verbreitet.

Wieso gerade dort?

Die sexuellen Praktiken können hier einfach schon mal heftiger ausfallen. Die Spielvarianten sind vielfältiger. Egal, ob es um SM, Fisten oder andere Sachen geht. Die Übertragungsrisiken können andere sein als beim „konservativen“ Sex. Deshalb sind die Leute dort meistens sehr gut informiert, man geht generell damit offener in der Fetisch-Szene um.

Was bedeutet für dich Verantwortung in Bezug auf Sex?

Ich sorge dafür, dass ich immer unter der Nachweisgrenze bin. Dass ich nicht „ansteckend“ bin. Ich lasse das regelmäßig ärztlich kontrollieren. Ich lasse mich auch regelmäßig auf alle anderen sexuell übertragbaren Infektionen checken, auch auf Hepatitis C. Was ich persönlich gar nicht mag, sind Männer, die vielleicht vier, fünf oder mehr Sexpartner an einem Wochenende wollen. Das ist nichts für mich. Ich muss mir ja nicht mit Gewalt was holen. Oder Typen, die rumdrucksen, ob sie sich mal haben testen lassen. Wer für sich selbst keine Verantwortung übernimmt – wer sich also nicht testen lässt, um zu wissen, was mit seiner Gesundheit ist –, der übernimmt auch für andere keine Verantwortung, denke ich. Und das törnt mich eher ab. Wenn ich sexuell sehr aktiv bin, viele Sexpartner habe, dann sollte ich mich schon regelmäßig testen lassen. Für mich selbst, aber eben auch für andere.

Und wie gesagt, ich thematisiere meinen HIV-Status, sodass der andere entscheiden kann, ob er mit mir Sex haben will oder auch nicht. Ich erkläre auch, dass ich unter der Nachweisgrenze bin und was das praktisch bedeutet.

Das Thema „Nichtinfektiosität bei Viruslast unter der Nachweisgrenze“ scheint auch noch nicht bei allen Staatsanwälten und Richtern angekommen zu sein. Noch immer gibt es Urteile gegen HIV-Positive, die wegen versuchter Körperverletzung verurteilt werden, selbst wenn ihre Viruslast unter der Nachweisgrenze ist und es somit gar keine Möglichkeit gab, die HIV-Infektion zu übertragen. Ich kenne da einige Urteile aus Bayern, woher ich ja komme. Da lassen viele Richter ihre eigenen moralischen Anschauungen in die Urteile einfließen. Wenn man manche der Urteile liest, dann wird das deutlich. Man muss vor Gericht anerkennen, dass jemand, der unter der Nachweisgrenze ist, nicht mehr ansteckend ist. Es ist unerträglich, dass Positive automatisch in so eine kriminelle Ecke gestellt werden.

Fühlst du dich da diskriminiert?

Klar. Mir wird da so eine Megaverantwortung auferlegt. Ich bin seit sechs Jahren unter der Nachweisgrenze. In der Zeit habe ich nun ganz sicher niemanden infiziert. Das muss anerkannt werden, denke ich.
Und diese Urteile sind ganz klar kontraproduktiv: Ich kenne Leute, die sich nicht mehr testen lassen, damit sie ihren Status nicht kennen und man ihnen gerichtlich nichts kann. Das kann doch nicht der Sinn sein! Das ist ja eher schlecht für die Prävention, weil die sich dann natürlich auch nicht mehr auf andere sexuell übertragbare Infektionen testen lassen.

Aber es geht mir noch um etwas anderes, nämlich um das generelle Thema der Verantwortung.

Du meinst die Verantwortung, die man beim Sex hat?

Ja. Und die trägt jeder erst mal für sich ganz alleine. Man kann nicht davon ausgehen, dass das der andere für einen übernimmt. Ein Beispiel: Irgendwann beim Sex gibt’s die Situation, wo wir zum Kondom greifen oder eben nicht. Das bekommen ja beide ganz bewusst mit. Da hat für sich jeder in dem Moment zu entscheiden, will ich das oder will ich das nicht. Sag ich was oder sag ich nichts? Und wenn ich eben nichts sage, weil ich es will, dann habe ich dafür in dem Moment auch die Verantwortung zu übernehmen. Für mich ganz alleine. Es ist egal, ob mein Sexpartner positiv oder negativ ist, ob er unter der Nachweisgrenze ist oder nicht. Es gibt da auch keine Auskunftspflicht. Der andere könnte ja auch HIV-positiv sein oder eine andere sexuell übertragbare Infektion haben und das gar nicht wissen, weil er nicht getestet ist. Daher muss ich in jeder Situation für mich selbst entscheiden, was ich will und was nicht und muss das auch ganz klar äußern. Nachher jemanden verantwortlich zu machen oder gar vors Gericht zu zerren, bringt mir ja dann auch nicht mehr wirklich was. So läuft es einfach nicht. Wir sind erwachsen. Also, übernehmt Verantwortung! Für euch selbst!

(Interview  und Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der Deutschen AIDS-Hilfe)

GAY.DE Serie zum WAT 2012: GREIFEN SIE ZU, HERR DOKTOR!

Viel zu selten lassen sich schwule Männer auf sexuell übertragbare Infektionen untersuchen und wenn, dann sind die Checks oft unzureichend. Dabei sind Syphilis & Co. ein Einfallstor für HIV.

Horst* aus Hamburg hatte eine lange Odyssee hinter sich, als er die Ursache seines Leidens erfuhr. Ein halbes Jahr lang plagte ihn eine schwere Darmentzündung. Weder Hausarzt noch Proktologe konnten helfen. Beide tippten auf eine Colitis ulcerosa, eine seltene chronische Erkrankung. Erst der Tipp eines Bekannten brachte Horst schließlich ins Infektionsmedizinische Centrum Hamburg, eine bekannte HIV-Schwerpunktpraxis. Nach einem ausführlichen Gespräch ließ Arzt Axel Adam einen Rektalabstrich machen. Ein Volltreffer – Horst litt an Chlamydien. Diese Bakterien können beim Analverkehr leicht übertragen werden. Ein Antibiotikum genügte, nach nur einer Woche war Horst gesund.

Dass Horst an einer durchaus sexuell übertragbaren Infektion leiden könnte, war den anfangs konsultierten Ärzten nicht in den Sinn gekommen. „Wenn ich Analverkehr überhaupt nicht auf dem Zettel habe, dann mache ich bei meinen Patienten eben auch keinen Abstrich“, stellt Spezialist Axel Adam lapidar fest. Dabei gehören Chlamydien neben Gonokokken („Tripper“) zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen (internationale Abkürzung: STI, abgeleitet von „sexually transmitted infections“).

Eine Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) hat gezeigt, dass viele STIs unerkannt bleiben, vor allem im Analbereich. Über 14 Prozent der untersuchten schwulen Männer hatten entweder Gonokokken oder Chlamydien (siehe HIV-Report 06/2011, www.hivreport.de). Eine ähnlich hohe Verbreitung wurde bereits bei Männern aus San Francisco, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz festgestellt.

INFEKTIONEN IM PO ERHÖHEN DAS HIV-RISIKO MASSIV

Das Problem dabei: Diese Krankheiten können nicht nur teilweise der Gesundheit schwer schaden, sondern erhöhen auch das Risiko, sich beim Sex mit HIV anzustecken. Vor allem im Po sind sie gefährlich: In einer Studie aus San Francisco war bei Männern, die in den zwei Jahren zuvor zweimal eine rektale Infektion gehabt hatten (Chlamydien und/oder Gonokokken), die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion auf das Achtfache erhöht. In manchen Studien lag die Anzahl der Neuinfektionen in dieser Gruppe sogar bei 15 von 100 Personen. „Das ist die höchste uns bekannte HIV-Inzidenz weltweit“, erklärt Armin Schafberger, Medizin- Referent der Deutschen AIDS-Hilfe. Grund ist vermutlich ein Mix zwischen Biologie und bestimmten Verhaltensweisen. Schafbergers Schlussfolgerung: „Wir müssen schwule Männer über die Zusammenhänge aufklären und ihnen sagen, dass sie sich häufiger auf rektale Infektionen testen lassen sollen.“

Das Problem dabei: Das deutsche Gesundheitssystem ist derzeit nicht auf die Entdeckung von STIs ausgerichtet. Wie bei Horst werden die nötigen Untersuchungen meist schlicht nicht gemacht. Das liegt zum einen daran, dass weder Arzt noch Patient Chlamydien & Co. auf dem Schirm haben. Dazu kommt, dass kaum ein Arzt noch körperlich untersucht. „Ich habe noch gelernt, dass man einen Patienten bei der Erstaufnahme bittet, sich komplett auszuziehen, und dann auch mal hinfasst“, berichtet Armin Schafberger aus seiner Studienzeit. „Heutzutage lässt man in der Arztpraxis prinzipiell die Hose an.“

Per Blutuntersuchung lassen sich zwar Syphilis und HIV entdecken, nicht aber Gonokokken und Chlamydien. Denn diese können sich gleich an drei Körperstellen einnisten: im Rachen, in der Harnröhre, und im Hintern – je nachdem, was beim Sex passiert ist. Klarheit schafft nur ein Abstrich oder eine Urinprobe. „Wir müssen bei den Ärzten die Aufmerksamkeit für diese Krankheiten stärken“, fordert Schafberger, „und auch bei den schwulen Männern, damit sie diese Untersuchungen für sich einfordern.“ Denn da diese Krankheiten in Rektum und Rachen fast immer ohne Symptome verlaufen, werden sie oft nie entdeckt.

CHECK MIT GUCKEN UND ANFASSEN: DEUTSCHLAND HAT NACHHOLBEDARF

Dass es auch anders geht, hat die europaweite EMIS-Umfrage unter schwulen Männern gezeigt. Laut ihr haben in Großbritannien 44 Prozent der schwulen Männer in den letzten 12 Monaten einen STI-Check machen lassen, in Deutschland waren es nur 28 Prozent. Noch deutlicher fällt der Unterschied aus, wenn es um den Verlauf der Untersuchung geht. In Großbritannien berichten 27 Prozent der Befragten, der Arzt habe Penis und Anus in Augenschein genommen hat. In Deutschland kam das nur in 6 Prozent der Fälle vor.

Hauptursache für diese Diskrepanz sind die typisch britischen GUM-Kliniken (GUM ist die englische Abkürzung für Urogenitalmedizin), die es in jeder größeren Stadt gibt. Sie übernehmen auch die STI-Beratung. „In derart spezialisierten Einrichtungen ist es ganz selbstverständlich, dass der Arzt bei seinen Patienten auch mal Eichel und Vorhaut untersucht oder eine rektale Untersuchung macht“, so Armin Schafberger. „Die Spezialisierung ist von Vorteil.“

DIE DEUTSCHE AIDS-HILFE EMPFIEHLT: EINMAL JÄHRLICH TESTEN LASSEN!

Deutschland hat also Nachholbedarf in Sachen sexuell übertragbare Infektionen. Die Deutsche AIDS-Hilfe hat das Thema schon lange auf der Tagesordnung, zum Beispiel in ihrem Projekt „Prävention in der Arztpraxis“. Einige Gesundheitsämter, Aidshilfen und schwule Präventionsprojekte bieten schon jetzt STI-Checks an. Den nötigen Anal-Abstrich machen die Patienten oft selbst: auf der Toilette mit einem kleinen Wattestäbchen. „Das sollte in einer schwulen Gesundheitseinrichtung selbstverständlich sein“, fordert Armin Schafberger. „Dort ist der Vorgang auch nicht so schambehaftet.“ Vielen Männern sei es peinlich, ihrem Hausarzt zu sagen, dass sie Analverkehr haben.

Ist eine sexuell übertragene Krankheit erst einmal erkannt, lässt sie sich in den meisten Fällen gut behandeln. Da die Symptome nicht immer eindeutig sind, sollte man sich daher auch dann testen lassen, wenn keine akuten Beschwerden vorliegen. Die Empfehlung der Deutschen AIDS-Hilfe lautet: Alle Männer, die Sex mit Männern haben, sollten sich einmal jährlich auf die folgenden sexuell übertragbaren Krankheiten testen lassen: HIV, Syphilis, Gonokokken und Chlamydien. Wer auf mehr als zehn Sexpartnern pro Jahr kommt, sollte sich gegen die drei bakteriellen Infektionen alle sechs Monate checken lassen. Gegen Hepatitis A und B sollte man geimpft sein.

(Philip Eicker; Mit freundlicher Genehmigung der Deutschen AIDS-Hilfe. *Name geändert )

Informationen zum Welt-Aids-Tag

GAY.DE Serie zum WAT 2012: WENN DER HANDSCHUH HEPATITIS HAT

Die Zahl der der Hepatitis-C-Erkrankungen bei schwulen Männern mit HIV steigt seit Jahren an. Die Übertragungswege sind bisher nur unzureichend erforscht. Mit Hepatitis C ist nicht zu spaßen. Je nach Virusvariante kann die Behandlung der Leberentzündung bis zu einem Jahr dauern. Eine vollständige Heilung ist selbst dann nicht garantiert. Derzeit ist Hepatitis C wieder auf dem Vormarsch. Seit etwa zehn Jahren registrieren Kliniken und HIV-Schwerpunktpraxen einen Anstieg der Infektionen. Besonders stark betroffen sind schwule Männer mit HIV. Sie scheinen ein höheres Risiko zu haben, sich beim Sex mit Hepatitis C zu infizieren.

ANSTECKUNGSGEFAHR NUR BEI BLUTKONTAKT

Eigentlich ist Hepatitis-C keine Krankheit, die beim Sex übertragen wird. Unverletzte Haut ist weder Austritts- noch Eintrittspforte für das Hepatitis-C- Virus (HCV). Nur wenn Blut im Spiel ist, besteht Ansteckungsgefahr. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) unter HIV-positiven Männern lenkte 2011 den Blick auf zwei mögliche Risikofaktoren: Gruppensex und Fisten.

Studienteilnehmer, die sowohl mit HIV als auch mit Hepatitis C waren, berichteten häufiger von Blutungen nach dem Analverkehr als die Männer ohne Hepatitis C aus einer Vergleichsgruppe. Eine weitere Auffälligkeit: Koinfektionen von HIV und HCV traten öfter bei Männern auf, die beim Fisten passiv sind. Bei dieser Sexualpraktik führt der eine Sexpartner Hand oder Unterarm in den Enddarm des anderen ein. Auch dabei kann es zu Blutungen kommen, wobei die Beteiligten das oft gar nicht bemerken.

Eine wichtiger Hinweis der RKI-Studie: Der Überträger des Hepatitis-C-Virus muss selbst gar nicht infiziert sein. Wenn dieser mit Handschuh, Faust oder Penis zwischen mehreren passiven Sexpartner wechselt, wenn Handschuh beziehungsweise Kondom nicht gewechselt werden, lassen sich die langlebigen HC- Viren relativ einfach von einer Person auf die nächste übertragen.

ÜBERTRAGUNGSWEGE UNZUREICHEND ERFORSCHT

„Gruppensex wurde in mehreren Studien als Risikofaktor identifiziert“, erläutert Armin Schafberger, Medizin-Referent der Deutschen AIDS-Hilfe. „Beim Gruppensex kann blutiger Schleim vom ersten passiven Partner auf den zweiten übertragen werden, egal ob ein Kondom eingesetzt wird oder nicht. Gleiches gilt für das Fisten – mit oder ohne Handschuh.“

Auch andere Übertragungswege sind denkbar – sofern Blut freigesetzt wird. Dann aber reichen schon kleinste Mengen, um das Hepatitis-C-Virus weiterzugeben. Der bekannteste Übertragungsweg für Hepatitis-C ist gemeinsam benutztes Drogenbesteck, vor allem beim intravenösen Konsum. Winzige Blutpartikel auf den Spritzen reichen für eine Ansteckung. Doch diese Art von Drogengebrauch spielt beim Sex zwischen Männern keine größere Rolle als bei Heteros. Oder doch?

Ein Erklärungsversuch: Manche Drogen, die beim schwulen Sex zum Einsatz kommen, kann man sich auch intramuskulär spritzen; Ketamin zum Beispiel, ein Schmerzmittel der Notfallmedizin. Es kann sogar Pferde ruhigstellen. Auf manchen schwulen Sexpartys ist der Stoff beliebt, da es den Schmerz beim stark dehnenden Analverkehr oder beim Fisten lindert.

Verkauft wird Ketamin oft als Pulver. Auch beim Schnupfen könnte eine Hepatitis- C-Gefahr schlummern. Wer ein weitergereichtes Röhrchen nutzt, um sich Ketamin (oder andere Drogen) in die Nase zu ziehen, könnte mit Blutpartikeln aus dem Nasensekret seines Vorgängers in Kontakt kommen. In der Schweizerische HIV- Kohorten-Studie (www.shcs.ch) war diese Art von Drogenkonsum allerdings kein Risikofaktor. „Das sagt aber noch nicht allzu viel“, relativiert Armin Schafberger. „Wir kennen das von der Hepatitis C: Mal erscheint ein Übertragungsweg in einer Studie relevant zu sein, in der nächsten Studie ist er dann wieder bedeutungslos.“

KONDOME SENKEN AUCH DAS HEPATITIS-C-RISIKO

Die Schweizerische Studie hat zudem gezeigt, dass Kondomverzicht das Hepatitis- C-Risiko verdoppelt. „Bei Analverkehr kann es zu Blutkontakt kommen, und deshalb hat das Kondom eine wichtige Schutzfunktion“, erläutert Armin Schafberger. „Aber es scheint auch Übertragungen trotz Kondom zu geben.“ In künftigen Forschungsstudien müsse man noch genauer erfragen, was im jeweiligen Fall beim Sex passiert sei.

Eines hat die RKI-Studie schon jetzt deutlich gezeigt: Einfache Botschaften für die Hepatitis-C-Prävention gibt es nicht. Weder Gruppensex noch Fisten ist an sich riskant – es kommt ganz darauf an, wie man beides praktiziert. Selbst Dinge, die einen Hygienevorteil bieten, können bei falscher Handhabung die Verbreitung von Hepatitis-C begünstigen. So gibt es in vielen schwulen Saunen Spülschläuche, mit denen Gäste ihren Anus vor und nach dem Analverkehr reinigen können. Der Haken daran: Benutzer, die keinen eigenen Aufsatz verwenden, laufen Gefahr sich auf diesem Wege mit Hepatitis-C zu infizieren.

CHECKLISTE – SO SCHÜTZT DU DICH!

1. Kondome schützen. Für jeden Sexpartner ein neues Kondom.
2. Beim Fisten schützen Handschuhe – für jeden Partner neue.
3. Wenn Drogen gespritzt werden: Nadeln und Zubehör nicht gemeinsam verwenden. Das gilt auch fürs Röhrchen beim Sniefen.
4. Sex-Utensilien wie Dildos, Anal-Spülstäbe oder Gleitmitteltöpfe nicht gemeinsam verwenden. Hier kann sich das Hepatitis-C-Virus lange halten.
5. Wichtig: Eine Impfung gegen Hepatitis C ist nicht möglich, gegen Hepatitis A und B hingegen ist sie möglich und empfehlenswert!

Die Studie über Hepatitis-C-Risiken beim schwulen Sex ist kostenlos verfügbar über plosone.org: Axel J. Schmidt et al., Trouble with Bleeding: Risk Factors for Acute Hepatitis C among HIV-Positive Gay Men from Germany—A Case-Control Study (März 2011, mit freundlicher Genehmigung der Deutschen AIDS-Hilfe)

GAY.DE Serie zum WAT 2012: Zwei Wochen im Zeichen der Roten Schleife

Jährlich am 1. Dezember erinnern Organisationen weltweit an das Thema AIDS und rufen zur Unterstützung auf. In zahlreichen Aktionen soll Solidarität gegenüber HIV-Infizierten, an AIDS-Erkrankten sowie deren Freunde und Familien gezeigt werden. Der Welt-AIDS-Tag ist aber auch eine Warnung zugleich – Eine Warnung dahingehend, dass die Pandemie weiter besteht.

HIV und AIDS geht uns alle an

Bis heute erfahren Menschen mit HIV und AIDS Diskriminierung. Dies wird vor allem auch im Arbeitsalltag deutlich. Auch die Angst vor Ansteckung ist weit verbreitet – obwohl man sich beim alltäglichen Umgang nicht infizieren kann. Dies führt immer wieder zu Ausgrenzungen oder Mobbing von Menschen mit HIV. Dagegen helfen nur Information, Aufklärung und Solidarität. Die Welt-AIDS-Tags-Kampagne mit ihren vielen Botschaftern und Partnern setzt sich dafür tatkräftig ein, dass ein positives Zusammenleben möglich wird.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) und die Deutsche AIDS-Stiftung (DAS) gehen auch in diesem Jahr mit einer gemeinsamen Kampagne an die Öffentlichkeit und rufen dazu auf „AKZEPTANZ. RESPEKT. RÜCKHALT.“ zu zeigen.

GAY.DE unterstützt die diesjährige Kampagne zum Welt-AIDS-Tag mit der SafetyBag Aktion und appelliert an alle User zu einem verantwortungsvollen und sichern Umgang beim Geschlechtsverkehr.

In einer eigens eingerichteten Rubrik im community-eigenen Blog wird in den kommenden zwei Wochen über das Thema HIV und Aids berichtet. Mit Interviews, informativen Beiträgen zum Leben mit dem Virus und vielen weiteren Aktionen steht die Rubrik auch nach dem Welt-AIDS-Tag 2012 weiterhin zur Verfügung.

 

Zur GAY.DE SafetyBag Aktion 2012

GAY.DE Serie zum WAT 2012: HIV IN DEUTSCHLAND – ENTWICKLUNG DER NEUINFEKTIONEN SEIT 2001

Das 21. Jahrhundert begann mit schlechten Nachrichten: Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete einen Anstieg der HIV-Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Bis zum Jahr 2006 hielt dieser Trend an. Nach
Berechnungen aus dem Jahr 2011 gingen die Neuinfektionen dann ab 2007 wieder zurück. Im Jahr 2011 gab es demnach 2.700 Neuinfektionen. Die Zahlen für das Jahr 2012 werden voraussichtlich Ende November veröffentlicht. Aus

verschiedenen Gründen wird sich der Abwärtstrend vermutlich nicht fortsetzen.

SCHWULE MÄNNER SCHÜTZEN SICH MEHRHEITLICH GUT

Seit dem Anstieg der Neuinfektionen wird darüber spekuliert, ob schwule Männer sich nicht mehr ausreichend vor HIV schützen. Studien belegen aber, dass  Schutzmotivation und das Schutzverhalten weiterhin hoch sind. In der EMISBefragung 2010 gaben rund drei Viertel der Männer an, sie hätten sich im Jahr zuvor immer geschützt. Bei ähnlichen Studien haben in den vergangenen Jahren stets rund 70 Prozent berichtet, sie wären keine Risiken eingegangen, 20% der Befragten sagten, sie hätten dies gelegentlich getan, 10% gaben häufige Risikokontakte an.

GRÜNDE FÜR DEN ANSTIEG DER NEUINFEKTIONEN

Was sind dann aber die Gründe für den Anstieg? Einer der wichtigsten dürfte die Rückkehr der Syphilis sowie die Verbreitung anderer sexuell übertragbarer Infektionen sein. Diese wirken als Turbo der HIV-Epidemie. Entzündete Schleimhäute am Penis oder im Anus erleichtern das Eindringen von HIV. Bei (unbehandelten) HIV-Positiven kann die Viruslast durch die Syphilis erheblich steigen, so dass eine Übertragung wahrscheinlicher wird.
Seit der Jahrtausendwende schaukelt sich die Zahl der Syphilisinfektionen in Deutschland in Wellenbewegungen nach oben und wird dieses Jahr einen Rekordwert von deutlich mehr als 3.000 erreichen. Besonders betroffen: schwule
Männer in Großstädten.
Weitere Gründe für den Anstieg der Neuinfektionen in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends: Schwule Männer hatten durchschnittlich mehr Partner als in den Jahren zuvor und zugleich häufiger Analverkehr. Damit stieg unterm Strich die
Zahl der Situationen, in denen HIV übertragen werden konnte. Zudem wurde für einige Jahre erst relativ spät mit den antiretroviralen Therapien begonnen, dementsprechend gab es mehr HIV-positive Menschen mit einer für die Übertragung ausreichenden Viruslast. Die Zunahme geht also auf eine Vielfalt von Gründen zurück, die nicht unbedingt darauf schließen lässt, dass sich das Schutzverhalten grundlegend verändert hat.
Zugleich gibt es aber auf der Ebene des individuellen Umgangs mit Risiken durchaus Veränderungen. Manche schwule Männer versuchen verstärkt auszuloten, unter welchen Bedingungen sie auf Kondome verzichten können. Sie versuchen
sich zu schützen, indem sie das Risiko abschätzen und entsprechend handeln. Viele verzichten zum Beispiel in Beziehungen auf Kondome, andere suchen nach Partnern mit dem gleichen HIV-Status wie sie selbst. Ob und inwiefern schwule

Männer dabei häufiger das Risiko einer HIV-Infektion eingehen als früher, wird die nächste Befragung im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen, die im Jahr 2013 durchgeführt wird.

SYPHILIS ALS TURBO?

Im Gefolge der Syphiliswelle könnte es in den kommenden Jahren zu einem deutlichen Anstieg der HIV-Neuinfektionen kommen. Über die Ursachen wird dann in den nächsten Monaten und Jahren viel diskutiert werden. Entscheidend für schwule Männer ist die Botschaft: Wenn du mit wechselnden Partnern Sex hast, lass dich regelmäßig auf Syphilis und andere sexuell übertragbare Infektionen testen und gegebenenfalls so schnell wie möglich behandeln. Wenn du glaubst, du könntest dich mit einer sexuell übertragbaren Infektion infiziert haben, geh zum Arzt. Und denk dran: Sex ohne Kondom ist in dieser Situation ein besonderes Risiko.
(Texte zur GAY.DE Serie zum Welt-Aids-Tag mit freundlicher Genehmigung der Deutschen AIDS-Hilfe, T.Schomann)

GAY.DE Serie zum WAT 2012: „Mach das Beste draus!“

„Älter werden“? Gerade in der schwulen Community oft ein rotes Tuch. Wer will das auch schon… Einen anderen Dreh bekommt das Ganze allerdings, wenn jemand mit seinem sicheren und frühen Tod rechnete und dann doch weiter leben kann.

So wie IWWIT Rollenmodell Wolfgang. Er infizierte sich 1987 mit HIV. Wirklich wirksame Medikamente waren noch nicht auf dem Markt. Älter werden? War für ihn damals kein Thema, denn „ich habe damals nicht damit gerechnet, jemals alt zu werden.“ Zu sicher schien ihm, dass er bald an AIDS sterben würde, so wie sein damaliger Partner.

Doch es kam anders und auch seine Meinungen zum Älter werden und zum Umgang mit HIV haben sich bei ihm geändert…

Wolfgang (64) ist seit 25 Jahren HIV-positiv. Zunächst verdrängte er seine Infektion. Nach  dem Tod seines Partners 1995 bekam er aber schwere HIV-bedingte Gesundheitsprobleme. Sein Glück: Damals waren gerade die ersten wirksamen HIV-Kombinationstherapien auf den Markt gekommen. Schon nach einem halben Jahr Behandlung konnte er wieder arbeiten.

Heute engagiert sich Wolfgang, der vor einigen Jahren in Rente ging, ehrenamtlich beim schwulen Infoladen Hein & Fiete und als Schoolworker bei der AIDS-Hilfe Hamburg. Zuvor arbeitete er in der Krankenpflege.

Mit seinem Motto „Mach das Beste draus“ will er auch anderen Mut machen, die HIV-Erkrankung zu akzeptieren, sich aber nicht von ihr bestimmen zu lassen.

Das ganze Interview:

Wolfgang, du hast dich vor etwa 25 Jahren mit HIV infiziert. Hast du damals gedacht, dass du 60 wirst?

Nein, ich habe damals nicht damit gerechnet, jemals alt zu werden. Damals, 1987, gab es noch keine richtigen Medikamente oder wirksamen Therapien. Ich habe damals gedacht: „Lebe weiter wie bisher und versuche, so weit wie möglich zu kommen.“ Ich habe das Virus komplett ignoriert und für mich verdrängt. Bis es mich dann 1995 erwischt hat und ich zum ersten Mal erhebliche gesundheitliche Probleme bekam. Ich hatte aber Glück im Unglück, denn es gab damals erstmals wirklich wirksame und getestete Medikamente. Damit habe ich den Sprung ins Überleben geschafft. Ich denke, sonst hätte ich mich damals aus dem Leben verabschieden müssen. So, wie es meinem Partner kurz vorher ergangen war.

Was bedeutet für dich „alt werden“?

Früher habe ich von mir gesagt, mit 40 bist du alt. Dann habe ich die 50 einfach so weggesteckt. Mit der 60 habe ich dann aber wirklich ein wenig Probleme gehabt. Aber das  liegt jetzt ja auch schon wieder ein Weilchen hinter mir.

Warum war es bei der 60 anders?

Es war einfach die Zahl, die mir Angst machte. Ich war immer neugierig und unterwegs, aber dann war da die Zahl 60, und ich dachte, jetzt gehöre ich zum alten Eisen. Letztendlich sind meine Freunde aber wie immer mit mir umgegangen, wie vor der Zahl 60. Und damit war das Problem dann auch schnell für mich erledigt. Jetzt schau ich einfach mal, wie weit ich noch komme. Irgendwann zieht der alte Mann da oben den Stecker raus, und dann ist es auch gut.

Haben dich früher andere Dinge beschäftigt als heute?

Ich glaube, nicht wirklich. Ich bin immer irgendwie meinen Weg gegangen. Ich war zwar früher eher ein Heißsporn und habe einfach drauf los gewerkelt. Heute schaue ich erst einmal, überlege und werkele dann. Ich glaube, der Unterschied zu früher ist nicht sehr groß, auch wenn ich heute vieles gelassener angehe. Ich sage mir einfach: Du hast den größten Teil des Weges geschafft, dann schaffst du auch noch den Rest.

Du bist seit einigen Jahren in Rente. War das eine schwierige Umstellung für dich?

Als ich in Rente ging, musste ich mir erst einmal etwas suchen, was ich machen kann und was mich interessiert. Ich habe mich dann ehrenamtlich engagiert, zunächst als Fahrer bei der Hamburger Tafel. Als HIV-Positiver wollte ich aber auch noch etwas in der HIVPrävention machen. Ich suchte mir dann zusätzlich den schwulen Infoladen Hein & Fiete aus und arbeite dort noch immer mit. Später bewarb ich mich auch noch bei der AIDS-Hilfe in Hamburg. Mir wurde die Mitarbeit bei den Schoolworkern angeboten. Ich schaute mir die Broschüre an, aber dort stand „für junge Leute bis 30“. Da habe ich freundlich angemerkt, dass ich ja schon etwas älter sei – ich war damals gerade 60 geworden. Die Antwort lautete aber: „Ja, ja, das schaffst du schon.“ Wir haben das dann ausprobiert, und es klappte auf Anhieb. Die Einsätze als Schoolworker sind immer wieder interessant und geben auch mir einiges.

Also war es dann doch kein Problem, dass du deutlich älter als 30 warst?

Die dachten wohl, man müsse ungefähr im selben Alter sein wie die Jugendlichen. Damit man auf gleicher Augenhöhe ist und ihnen was erzählen kann. Aber es hat halt nichts mit dem Alter zu tun. Heute steht das mit den 30 Jahren übrigens nicht mehr in der Broschüre. Na ja, und seit 2008 bin ich auch bei ICH WEISS WAS ICH TU. Zunächst als Präventionist und jetzt auch als Rollenmodell. Durch meine Ehrenämter bin ich sehr viel unterwegs und gut beschäftigt. Langweilig wird mir eigentlich nie.

Man sagt ja von der schwulen Szene, sie sei sehr jugendfixiert und oberflächlich. War das früher anders?

Ich denke, das war schon immer so. Vielleicht war es früher familiärer. Wenn sogenanntes Frischfleisch kam, wurde es erst mal freundlich in die Szene aufgenommen. Heute ist das alles distanzierter. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Homosexualität früher verboten war. Da musste man schon etwas näher zusammenrücken. Das hat zusammengeschweißt. Man hat mehr aufeinander geachtet. Heute ist es wesentlich offener. Es gibt Möglichkeiten, auszugehen, anzubandeln und Sex zu haben. Früher spielte sich das ja fast wie in einem Ghetto ab. Heute kann man als Schwuler fast überall hingehen, und es ist okay.

Was ist für dich ein selbstbewusster Umgang mit dem Älterwerden?

Ich würde sagen, dass ich mir nie etwas aus dem Alter gemacht habe, sondern mich immer so gebe, wie ich bin. Ich habe auch nie versucht, jünger zu wirken. Viele versuchen das ja, indem sie sich mit Jüngeren umgeben, und hoffen, dadurch dazuzugehören und selber jung zu sein. Sie stylen sich manchmal auch entsprechend auf und merken nicht, wie albern sie damit wirken. Ich finde, man wird halt älter und muss das auch so akzeptieren. Ich gebe mir immer Mühe, das Beste daraus zu machen. Natürlich versuche ich mich fit zu halten. Ich habe schon immer viel Sport getrieben und schwimme auch heute noch jeden Tag meine Runden.

Wir sprechen viel über das Älterwerden und Jung- und Altsein. Aber was ist für dich eigentlich alt?

Für mich gibt es den Begriff alt nicht wirklich. Irgendwann merke ich wahrscheinlich, dass ich mich nicht mehr bewegen kann oder dass es mir geht  wie meiner 94-jährigen Mutter, die geistig langsam abbaut. Vielleicht muss ich mir dann eingestehen, dass ich alt bin. Noch bin ich einfach nur länger jung

Hast du Angst davor, später vielleicht mal auf Hilfe und Pflege angewiesen zu sein?

Nein, Angst habe ich nicht davor. Ich habe für mich geplant, wo ich dann hingehen will, und habe das geregelt. Außerdem habe ich für mich eine Patientenverfügung gemacht. Und ich habe ein soziales Umfeld, das auf mich aufpasst. Vielleicht sagen die dann irgendwann: „So, Wolfgang, jetzt ist es soweit – wir gehen nach Kiel zur Körperverbrennungsanlage!“ (lacht)

Und wenn du doch länger auf Pflege angewiesen sein solltest?

Also, wenn es so kommt, hoffe ich, dass mein soziales Umfeld noch ausreicht, dass ich mich zu Hause von dieser Welt verabschieden kann. Oder ansonsten in ein Hospiz gehen kann.

Ist es also wichtig, sich im Alter ein soziales Netz zu knüpfen, in das man sich dann auch fallen lassen kann?

Ich glaube, dieses Netz kann man im Alter nicht mehr knüpfen, man muss es ins Alter mitnehmen. Man wird gemeinsam älter, und damit hat man dann auch das Netz. Das später noch aufzubauen, ist ganz schwer. Man wird eigenwilliger, vielleicht auch eingeschränkter als früher. Da ist es oftmals schwer, offen für anderes zu bleiben. Wenn man das soziale Umfeld nicht mit ins Alter nimmt, wird’s schwer …

In zehn Jahren bist du 74. Wie siehst du dich dann?

Ich hoffe, noch da, wo ich jetzt bin: Jeden Morgen wie ein junger Hüpfer schwimmen gehen. Jedes Wochenende woanders sein, auch für ICH WEISS  WAS ICH TU. Ich kann und möchte nicht zu Hause rumgammeln. Ich könnte mich sicherlich beschäftigen. Ich bin aber viel lieber draußen unterwegs. Und wenn es klappt, wird es auch noch lange so bleiben.

Du hast dich 1987 mit HIV infiziert. Spielt die Infektion eine große Rolle bei deinem Älterwerden?

Nein, eigentlich nicht. Ich werde mit dem Virus älter, ja. Damit hätte ich nie gerechnet. Ich mache das Virus aber nicht zu meinem Lebensmittelpunkt. Ich nehme es mit, werde es ja nicht los. Und somit wird es mitgeschleppt und ist Teil von mir. Es muss halt eben so alt werden wie ich. Es kann sich ja nicht trennen von mir. Ich sage ihm einfach: „Wenn du schon da bist, dann sieh zu, wie du mit mir klarkommst.“  Da bin ich dann stur, da kommt der Altersstarrsinn durch … (lacht)

Das hört sich ja fast schon wie in einer Beziehung an …

Ja, das stimmt. Und mal ist das Virus stärker, mal bin ich stärker. Es ist jetzt die Situation, wo vielleicht Resistenzen gegen bestimmte Medikamente  bei mir da sind. Da hat das Virus gerade den Kopf oben. Mein Arzt und ich sehen uns gerade die Laborwerte an, schauen, ob die Viruslast hochgeht. Wenn das so ist, müssen wir die Medikamente umstellen. Und danach schauen wir, wer bei uns beiden dann wieder das Sagen hat …

Als du damals von deiner HIV-Infektion erfahren hast, hast du ganz bewusst nach einem Partner gesucht, der auch positiv ist. Wieso war dir das wichtig?

Es war einfach so, dass ich niemand anderen anstecken wollte. Wir hatten damals ja noch einen ganz anderen Wissensstand, was HIV und Aids anging. Man wusste so ungefähr, wie man sich schützen kann, ja, aber ansonsten … Und mi t einem ebenfalls positiven Partner hatte ich die Sicherheit: Okay, wir haben es beide. Wir können Pech haben und beide daran sterben. Wir sind aber beide in derselben Situation. Irgendwie dachte ich, dass das für mich die einzige Möglichkeit wäre, überhaupt noch einen Partner zu finden. Ich dachte ja auch gar nicht, dass ich noch so lange leben würde.

War das für euch Thema, dass vielleicht einer von euch wegen Aids früher sterben wird, der andere dann vielleicht alleine ist?

Ja, es war uns klar, dass es wohl einen von uns früher als den anderen erwischen wird. Da haben wir uns keinen Kopf gemacht, wer der Erste ist. Es war uns nur wichtig, dass wir keinen weiteren infizieren.

Nach dem Tod deines Partners hattest du keine Beziehung mehr. War das eine bewusste Entscheidung? 

Nein, es funktioniert einfach nicht. Wie weit das mein Ding ist, weiß ich nicht. Ich bekomme es einfach nicht mehr gebacken. Ich bekomme keinen Draht mehr zu jemandem. Oder ich lasse es eben schleifen. Aber ich will das auch gar nicht wirklich ergründen. Ich glaube, es ist der Schiss vor einem weiteren Verlust. Vielleicht ist es das. Dass ich denjenigen verlasse oder er eben mich …

Du sagtest, du hättest deine HIV-Infektion die ersten Jahre völlig verdrängt. Wann kam das Umdenken?

Das erste Umdenken kam, als ich 1989 einen ebenfalls positiven Partner kennenlernte. Da rückte das Virus kurzfristig noch mal in den Mittelpunkt. Ich habe es dann aber auch schnell wieder verdrängt. Erst 1995, nach dem Tod meines Partners, bekam ich erste HIV-bedingte Infektionen, die mich zwangen, zum Arzt zu gehen. Die Viruslast war hoch, die Helferzellen am Boden. Der Arzt sprach vom Status Aids. Ich fing dann mit den ersten Medikamenten an. Und mein Leben war dann doch noch nicht zu Ende. Ich brauchte ein wenig, bis ich wieder aufgebaut war, etwa ein halbes Jahr, und ging dann wieder normal arbeiten. Den Rat meiner Ärzte, in Rente zu gehen, lehnte ich einfach ab, weil ich nicht zu Hause sitzen wollte. Als es mir also wieder einigermaßen ging, habe ich mich sofort voll ins Arbeitsleben gestürzt. 2001 starb dann allerdings mein Vater, und bin ich  komplett psychisch und physisch abgestürzt. 2002 habe ich mich dann entschieden, endlich mehr für mich zu tun, und habe den Rentenantrag eingereicht, dem 2004 zugestimmt wurde.

War 1995 für dich das entscheidende Jahr, weil du aufgrund der beginnenden Infektionen gezwungen warst, zum Arzt zu gehen und eine Therapie zu beginnen?

Das Jahr 1995 war für mich ein beschissenes Jahr. Mein Partner war an Aids gestorben, und ich denke, das hat mich richtig runtergezogen und war vielleicht der Anlass, dass erste Infektionen auftraten. Bedingt durch Stress und psychische Belastung. Der glückliche Zufall war einfach, dass die ersten offiziell zugelassenen Medikamente auf dem Markt waren. Ich hatte einfach Glück.

Wie lebst du heute mit HIV? Die Therapien haben sich seit 1995 ja stark verändert.

Zwischendurch hatte ich eine Phase, wo ich gedacht  habe: Diese ewige Medikamentenfresserei, da habe ich keinen Bock mehr drauf. Ein Medikament vertrug ich damals so schlecht, dass ich es immer sofort wieder ausgekotzt habe. Da habe ich zu meinem Arzt gesagt: „So geht das gar nicht.“ Ich wollte nur noch meine Ruhe und habe eine Weile keine Medikamente mehr genommen. Das muss 2001 gewesen sein. Dann hatte ich irgendwann meine Rippen gebrochen, kam ins Krankenhaus und der Arzt auf der Intensivstation hat mich erst mal zusammengefaltet. Danach bin ich dann wieder in die medikamentöse Therapie eingestiegen, die sich inzwischen ja auch wieder verändert hatte.

Hast du heute noch Probleme mit den Medikamenten, die du nehmen musst?

Ja, immer mal wieder. Manches Mal geht man aus dem Haus und denkt, alles ist toll. Dann steht man am Tresen und plötzlich denkt man: Nee, war wohl nichts mit „Alles ist toll“ – und die Hose ist voll. Oder die letzten Meter bis zur Wohnung, nach einem Spaziergang, werden einfach zu lang, und ich schaffe es nicht mehr bis zur Toilette. Wenn ich es vorher merke, ist es gut. Dann schiebe ich einen Tampon und kann sicher in die Oper oder ins Theater gehen. Das klappt dann prima, und es kann nichts mehr passieren. Das ist alles aber nicht mehr so akut wie in der Anfangszeit. Da hat sich in der Therapie schon einiges getan. An mein Virus werde ich aber mit jeder Einnahme der Medikamente, morgens und abends, erinnert. Und wenn es mir trotz der Pillen wieder schlecht geht, habe ich Schiss und renn zum Arzt. Ist jetzt die Wirkung der Medikamente weg? Muss ich neue Medikamente nehmen? Gibt es Resistenzen? Habe ich wieder ein Problem zwischen den Ohren?

Es ist also eine permanente Beschäftigung mit dem Thema?

Klar, ich bin gezwungen, mich ständig damit zu beschäftigen. Ich gehe heute aber anders damit um, also, ich habe es akzeptiert. Ich lebe nicht für das Virus, aber eben mit ihm. Ich gehe heute bewusster damit um. Und versuche auch anderen Leuten zu sagen: Wenn du schon mit dem Virus lebst, dann mach das Beste daraus. Verstecke dich nicht.

(Das Interview führte Tim Schomann. Mit freundlicher Genehmigung von IWWIT/DAH)

Mit diesem Interview möchten wir von GAY.DE auf das Thema HIV/Aids aufmerksam machen und Euch informieren. Zum diesjährigen Welt Aids Tag möchten wir Euch umfangreiche Informationen rund ums Thema bieten und gleichzeitig die neue Kampagne der Deutschen AIDS-Hilfe vorstellen. Das IWWIT Projekt ist dabei ein fester Bestandteil der Präventionsarbeit.

Auch das GAY.DE Team leistet seinen Beitrag – Mit dem GAY.DE SafetyBag könnt Ihr Euch informieren und ein kleines Cruisingset für den sicheren Verkehr ordern.
Mehr Informationen im GAY.DE Blog.

 

“mach’s mit”-Clip aus dem Verkehr gezogen

Junge Wilde andersrumNachdem die Szene ihre Geschütze aufgefahren hatte und gegen das neue Video der „mach’s mit“-Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gewettert hat, wird dieses nun (im wahrsten Sinne des Wortes) aus dem Verkehr gezogen.

Auf der Facebook-Seite der Kampagne heißt es seit Dienstagnachmittag: „Die umfangreiche Kritik zum Onlineclip „Ich will’s andersrum“ haben wir wahrgenommen und nehmen sie sehr ernst. Wir haben uns nach intensiver Diskussion dazu entschieden, diesen Clip jetzt aus der Kampagne zurück zu ziehen.“

In die Kritik geraten ist das Video, da es von vielen Schwulen als zu klischeehaft empfunden wurde. Der LSVD rechtfertigte sich in einem öffentlichen Brief zu seiner Meinung: „Mit Klischees zu arbeiten, kann ein Ansatz zur Antidiskriminierungsarbeit im Bereich Homophobie sein. Es verlangt allerdings Fingerspitzengefühl, damit Klischees wirklich bearbeitet und nicht nur bedient werden.“

Erst in der vergangenen Woche waren die neuen „mach’s mit“-Motive zur Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen vorgestellt worden. (GAYS.DE berichtete)

mach’s mit – Kampagne informiert über HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat heute in Berlin eine neue Kampagne zur Prävention von HIV und anderen sexuell übertrag-baren Infektionen (sexually transmitted infections, STI) vorgestellt. Mit der Aufforderung “mach’s mit – Wissen & Kondom” will die neue Präventionskampagne weiterhin motivieren, sich mit Kondomen vor einer HIV-Infektion zu schützen und sich zugleich noch stärker als bislang über Ansteckungswege und Symptome anderer STI zu informieren. Denn die Forschung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass STI, wie beispielsweise Syphilis, Tripper und Chlamydien, das Risiko einer HIV-Infektion erhöhen.

“Die nationale AIDS-Aufklärungskampagne “Gib AIDS keine Chance” hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland seit 2007 zurückgeht”, sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr anlässlich der Auftaktveranstaltung. “Doch auf diesen Erfolgen dürfen wir uns nicht ausruhen, denn HIV ist noch immer nicht heilbar. Die Prävention ist und bleibt deshalb ein zentrales Thema.

“Sexuell übertragbare Infektionen sind ein bedeutendes Thema für die AIDS-Prävention. STI steigern das Risiko einer HIV-Infektion um das zwei- bis zehnfache, erhöhen die Infektiosität von Menschen mit HIV und können unbehandelt gravierende gesundheitliche Spätfolgen für die Betroffenen nach sich ziehen”, erklärte BZgA-Direktorin Prof. Dr. Elisabeth Pott. “Kondome schützen vor HIV, bei einigen STI aber bieten sie keinen ausreichenden Schutz.
Zu Safer Sex gehört daher neben dem Kondom auch das Wissen über STI, über Ansteckungswege und Schutzmöglichkeiten.

Die neue Kampagne spricht neben der Allgemeinbevölkerung auch spezifische Zielgruppen an. Hierzu gehören etwa Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), da in dieser Gruppe die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland am höchsten ist.

Ebenso werden Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen und beispielsweise für die in dieser Gruppe häufig vorkommenden Chlamydieninfektionen sensibilisiert.
Zum ersten Mal zeigt “mach’s mit” bei der neuen Kampagne Menschen mit ihren individuellen Vorstellungen von Sexualität. Mit selbstbewussten Statements wie “Ich will’s romantisch” oder “Ich will’s spontan” zeigt die Kampagne verschiedene Charaktere. Von Jung bis Alt repräsentieren sie Personen aus dem Alltag. Das Spannungsverhältnis von Text und Bild, das alle Motive prägt, macht neugierig und lenkt die Aufmerksamkeit unmittelbar auf das Thema HIV/STI-Prävention. Die Vielfalt der Motive und die offene, selbstbewusste Haltung der Charaktere wirken dabei einer Tabuisierung von HIV und STI und einer Stigmatisierung von Betroffenen entgegen.

Die mach’s mit-Kampagne wird unter dem Dach von GIB AIDS KEINE CHANCE von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung umgesetzt. Sie ist das bekannteste Element der nationalen Strategie gegen die Ausbreitung von HIV. Über 90 Prozent der Bundesbürger kennen Logo und Motive der Kampagne.

Life Ball – Europas größtes HIV/Aids Charity Event

„Fight The Flame Of Ignorance“ – Das Element Feuer verkörpert in diesem Jahr das Motto zum Life Ball in Wien. Europas größtes und wohl auch schrillstes Charity-Event im Kampf gegen HIV/Aids findet, am 19. Mai 2012 in und um das Rathaus der österreichischen Hauptstadt statt.
Tickets können ab sofort online reserviert werden.

Alle Jahre wieder schafft es Gery Keszler mit dem Life Ball die Wichtigkeit des Themas HIV/Aids ins Rechte Licht zu rücken. Denn wegschauen geht nicht, wenn am 19. Mai Stars und Sternchen mit ausgefallenen Kostümierungen über den roten Teppich vorm Wiener Rathaus laufen.
Und alle vereint ein Ziel – Aufmerksamkeit schaffen und Ignoranz und Ausgrenzung gegenüber HIV-Positiven entgegen treten.

Wer ein Ticket zum angesagtesten Charity-Event Europas haben möchte, der sollte sich beeilen. Registrieren könnt ihr Euch online, per Zufall werden die Tickets dann ab 22. März verteilt. Bis zu 80.000 Anfragen aus aller Welt treffen jährlich für die nur 3.700 Karten ein.

Der Life Ball findet seit 1993 in Wien statt. Mehr als 40.000 Besucher bestaunen jedes Jahr die zweieinhalb Stündige, kostenlose Eröffnungsshow vor dem Wiener Rathaus. Der eigentliche Ball findet anschließend im inneren des Rathauses statt.

Initiative „AUFGEKLÄRT?“ startet durch

Mit 30.000 Flyern und 20.000 Faltblättern wendet sich die Initiative „AUFGEKLÄRT“ ab sofort an Jugendliche, Lehrkräfte und andere Multiplikatoren. Ziel dieser Initiative ist die Vernetzung von sexualpädagogischen Angeboten in Berlin aufzuzeigen.

Die Angebote der Mitglieder des BÜNDNISSES AUFGEKLÄRT umfassen u. a. Präventionsangebote zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, Aufklärungs- und Sensibilisierungsworkshops zum Thema Liebe, Homosexualität und Respekt sowie Beratung zu den Themen Coming-Out, Sexualität und Schwangerschaft. Dies beinhaltet zudem die Ausbildung zum Peer-Educator, die Weiterbildung von Pädagoginnen und Pädagogen sowie Freizeitgruppen.

Die Flyer und Faltblätter des BÜNDNISSES AUFGEKLÄRT können ab sofort von Berliner Bildungs- und Jugendeinrichtungen kostenfrei bestellt werden: berlin@lsvd.de oder Tel. 030/22 50 22 15.

Internetseiten der Mitglieder des BÜNDNISSES AUFGEKLÄRT:

www.profamilia.de/berlin
www.jungschwuppen.de
www.lambda-bb.de
www.berlin-aidshilfe.de
www.berlin.lsvd.de