Wie akzeptierend sind wir denn, die Herren?

- Ein Kommentar von Malte Bornhöft (freier Autor u.a. für Siegessäule und Du&Ich) zur aktuellen Diskussion auf der Facebook-Seite von ICH WEISS WAS ICH TU. -

Couragiert und mutig sind die IWWIT-Aktionen bisher ja gewesen: Kontroverse Themen, polarisierende Thesen, charakterstarke Rollenmodelle.

Nun heißt es also „Selbstbewusst! Einzigartig!“ Damit soll die Akzeptanz innerhalb der schwulen Community diskutiert werden. Und es ging gleich ziemlich ab auf Facebook.

Hand aufs Herz: Wie tolerant sind wir wirklich?  
Scheinbar gegensätzliche Paare sehen wir auf den Anzeigen- und Fotomotiven: Der Student trifft auf den Lederkerl, die Dragqueen auf den Heterotyp oder der Jungboy auf den Daddy.
Tatsächlich begegnen uns in der Szene solche gegensätzlichen Paare – und gar nicht so selten.
Aber reagieren wir alle immer so, wie man es von toleranten, aufgeklärten Schwulen erwarten dürfte? Ich sage Nein. Es wird gelästert, getuschelt, gehetzt und gelacht. Hmm…eigentlich komisch. Denn gehören wir nicht alle einer Minderheit an, die für Akzeptanz und Respekt innerhalb der gesamten Gesellschaft kämpft – für Gleichberechtigung zwischen LGBTs und Heteros? Da sollte man meinen, es gäbe ein Mindestmaß an Toleranz, Respekt und Akzeptanz
innerhalb der eigenen Reihen. Doch manchmal ist davon nur wenig zu spüren. Die Diskussion auf Facebook vor wenigen Tagen zum Auftakt der IWWIT-Aktion hat das ganz gut gezeigt.

So schreibt Henning: „…muss ich als „Schwuler“ toleranter sein wie als „Normaler“ Mensch? Oder einfach nur weil es „politisch korrekt“ ist? Muss ich daher jemandem gegenüber toleranter sein, bloß weil mein Gegenüber zufälligerweise auch das eigene Geschlecht in seinem Sexualleben bevorzugt?“

Immer politisch korrekt sein nervt
Klar, ständig politisch korrekt zu sein, kann natürlich auch anstrengen. Immer darauf zu achten, niemandem auf den Schlips zu treten, nie etwas sagen zu können, ohne gleich Applaus von der einen Seite und Buhrufe von der anderen Seite zu ernten auch. Meiner Meinung nach, nimmt das „Gendering“ und die „political correctness“ manchmal Überhand und hemmt einen selbst, sich innerhalb der Community „frei“ zu bewegen. Nur weil ich zufällig auch schwul bin, muss ich ja nicht alles toll finden, was mir in der Szene begegnet. Und natürlich darf man das auch äußern. Wieso nicht? Wer sollte einem das verbieten? Doch der springende Punkt ist doch, bleibe ich bei dem, was ich mag oder nicht mag noch respektvoll? Und da hört dann der Spaß eben bei mir auf: Wenn es um Diskriminierung einzelner Gruppen innerhalb der Community geht. Ein Reizthema unter Schwulen ist ja zum Beispiel die Definition der Männlichkeit.

“Dürre Schwuletten mit abgeknickten Ärmchen“ 
Während der Diskussion auf Facebook hat mir so manches Mal der Atem gestockt. Musste ich doch einige abwertende und extrem ausgrenzende Kommentare lesen, die mir zeigten, dass Akzeptanz unterschiedlicher „Mannsbilder“ bei so manchem von uns so gut wie gar nicht existiert. Ganz schön erschütternd, die Herren. So schreibt Lars: „Ich halte nix von diesen dürren Schwuletten mit ihren abgeknickten Ärmchen und Tops. Ich bin schwul und steh‘ auf Männer, nicht auf Lachnummern….“ Dieser Kommentar setze dem Ganzen die Krone auf. Aber er entspricht der Meinung vieler in der Community. Jeder darf auf denjenigen stehen, der seine Vorlieben anspricht – ganz klar. Ich habe meine, du hast deine, alles fein. Jedoch kommen wir so nicht weiter. Dann hat einer halt „abgebrochene Ärmchen“ – na und?! Das muss der straight-acting Muskeltyp genauso akzeptieren, wie der alternde Bär oder der twinky boy.

Die Definition von Männlichkeit ist für mich übrigens nicht nur ein Thema, das in der schwulen Szene diskutiert wird. So fragt David zu Recht: „Ist das nicht einfach ein Widerhall einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, der in der schwulen Szene in größerer Form sogar eher zeitversetzt nachträglich eingesetzt hat?“

Ich würde sagen ja, denn die Definition von Männlichkeit fördert zusammen mit der aktuellen Fitness-Welle den Kult am Körper – in der gesamten Gesellschaft. Demnach ist ein Mann auch unter Schwulen nur ein Mann, wenn er Muskeln hat, maskulin und kernig wirkt. Die Frage ist nur, wie charakterfest Mann ist, sich so in den Trainings- und Jugendwahn drängen zu lassen, um diesem Diktat zwanghaft zu entsprechen. Schließlich darf Mann ja auch einfach Nein sagen, entspricht ein Typ nicht den eigenen Vorstellungen. Da ist nichts dabei. Es kommt eben auf den Ton an. Und der ist deutlich rauer geworden. Entkrampfen wir uns alle ein wenig und lassen uns unsere Plaisierchen. Das klärt den Blick fürs Wesentliche und schafft ein respektvolles, tolerantes und buntes Miteinander – nicht nur im Jahr 2013!

(Text: Mit freundlicher Unterstützung der Deutschen AIDS-Hilfe, Tim Schomann und Malte Bornhöft)

GAY.DE Serie zum WAT 2012: „JETZT KANN ICH MICH FALLEN LASSEN“

Franz (54) ist seit 25 Jahren HIV-positiv. Als er die Diagnose 1987 bekam, war er sich sicher, dass dies sein Todesurteil sei. Tatsächlich verschlimmerte sich sein gesundheitlicher Zustand in den folgenden Jahren drastisch. Durch neue und wirksame HIV-Therapien, die erstmals Mitte der 90er Jahre möglich waren, stabilisierte sich sein Zustand wieder, jedoch musste er wegen der Nebenwirkungen frühzeitig in Rente gehen. Durch seine wirksamen Folgetherapien und regelmäßigen ärztlichen Kontrollen, ist das HI-Virus in seinem Blut seit Jahren praktisch nicht mehr nachweisbar. Das bedeutet, dass er auch kein HIV mehr auf andere Sexpartner übertragen kann. Denn bei einer wirksamen Therapie ist eine Übertragung von HIV sehr unwahrscheinlich: Die Schutzwirkung ist so hoch wie bei Kondomen, denn wo keine Viren sind, kann es auch keine Ansteckung geben.

Im Interview erzählt Franz, wie er die medizinischen Entwicklungen erlebt hat und wie sich sein (Sex-)Leben dadurch verändert hat.

Franz, du hast dich 1987 mit HIV infiziert. Durch die erfolgreiche medikamentöse Therapie ist deine Viruslast nun schon mehrere Jahre unter der sogenannten Nachweisgrenze. Damit bist du nach aktuellen medizinischen Erkenntnissen praktisch nicht mehr ansteckend, kannst HIV also selbst bei kondomlosen Sex nicht mehr auf deinen Partner übertragen. Was hat sich dadurch bei dir verändert?

Das hat vor allem den Umgang mit meinen Partnern wieder leichter und den Sex intensiver gemacht. Vorher war da eben immer die Angst, dass etwas passieren könnte. Jetzt kann ich mich mehr fallen lassen, kann es mehr genießen. Das ist definitiv so. Es hat an Qualität gewonnen. In meinem Alter ist mir Qualität eh wichtiger als Quantität. Ich muss mir auch nicht mehr ständig Sorgen um meinen gesundheitlichen Zustand machen, weil ich weiß, dass die HIV-Therapie wirkt, und ich bin ja deshalb insgesamt auch viel gesünder.

Die „gute Nachricht“, dass man bei einer Viruslast unter der Nachweisgrenze nicht mehr infektiös ist, wurde ja erst 2008 „offiziell“ bekannt gemacht. Hast du das gleich für dich klar gehabt und in deine Lebenspraxis umsetzen können?

Nein, überhaupt nicht. Für mich war das erst mal eine sehr große Umstellung. Ich habe ja diese alte Sichtweise auf Aids und HIV noch sehr stark mitbekommen. Als ich vor 25 Jahren mein positives Testergebnis hatte, kam das ja fast noch einem Todesurteil gleich. Ich habe mein Leben nur noch für sechs, sieben Jahre geplant, länger war die Lebenserwartung damals nicht. Wirksame Therapien gibt es ja erst seit Mitte der 90er Jahre. Und meine Erfahrungen vorher haben mich ja auch sehr geprägt. Das sitzt ganz tief, das schüttelt man nicht einfach so ab. Und dann muss man plötzlich umdenken: „Mensch, ich hab zwar noch dieses HIV, aber ich bin nicht mehr ansteckend … .“ Das erst mal in den Kopf zu kriegen, das braucht seine Zeit, das war ein langer Lernprozess für mich.

Du hast vor 18 Jahren deinen Partner kennengelernt. War HIV damals ein großes Thema für euch?

Für mich ja. Ich hatte einfach Angst davor, dass ich ihn anstecken könnte, obwohl wir immer aufgepasst und Safer Sex gemacht haben. Aber die Angst sitzt dir dennoch im Nacken, denn es kann ja trotzdem immer was passieren, zum Beispiel, dass ein Gummi reißt oder beim Blasen doch Sperma in den Mund kommt. Bei ihm war das allerdings anders. Er sagte mir ganz deutlich, dass das für ihn nichts ändern würde, dass es für ihn keine Rolle spielt, dass ich HIV-positiv bin. Das war für mich entscheidend: Das da jemand war, der keine Angst vor mir hatte, weil ich HIV habe. Dann kam aber irgendwann der Moment, der mich sehr geschockt hat. Nach vier Jahren haben wir den Bescheid bekommen, dass er sich angesteckt hat. Wir wussten nicht, ob durch mich oder ob es schon vor unserer Beziehung war. Trotzdem. Das war so ein Schock für mich, ich habe mir so sehr die Schuld gegeben, dass ich mir gesagt habe: Mit Sex läuft erst einmal gar nichts mehr! Wir hatten dann auch jahrelang keinen Sex mehr.

Hat dein Freund dir damals Vorwürfe gemacht, die Verantwortung bei dir gesucht?

Nein, überhaupt nicht! Er hat gesagt, dass es klar war, dass es vielleicht passieren kann, dass er sich auch infiziert. Er geht mit so was aber auch generell anders um als ich. In seiner Familie gibt es eine längere Geschichte mit chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes. Und natürlich auch mit Untersuchungen und Therapien, die damit zusammenhängen. Daher war seine Sicht auf die Sache wohl eine andere als bei mir. Ich habe mir aber damals das Leben zur Hölle gemacht. Für mich war das ein ziemlicher psychischer Druck, weil ich mich ständig fragte, ob und wann ich ihn eventuell angesteckt habe, was ich hätte anders machen müssen. Wir wissen aber bis heute nicht, ob er sich in unserer Beziehung angesteckt hat oder bereits davor, bei jemand anderem. Es spielt auch keine Rolle mehr für uns.

Mittlerweile führt ihr eine offene Beziehung und seid oft in der Szene unterwegs. Wenn du dort Sexpartner hast, machst du dann deine HIV-Infektion von dir aus zum Thema?

Ich thematisiere es, wenn mich wirklich jemand näher kennenlernen will und sich daraus vielleicht etwas entwickelt, sei es eine bessere Bekanntschaft oder eine Freundschaft. Bei Sexpartys oder Dates kläre ich vorher, dass ich zwar positiv, aber durch die Therapie nicht mehr infektiös bin. Sicher kann das auch ein Schuss in den Ofen sein, wenn man jemandem zu sehr vertraut und der dann damit nicht umgehen kann. Aber so ist das dann eben.

Wenn du das bei potenziellen Sexpartnern ansprichst und dann sagst, dass du „nicht infektiös“ bist: Weiß da jeder sofort, was damit gemeint ist und was das praktisch bedeutet?

Es gibt schon einige, die das nicht verstehen und auch über die medizinischen Fortschritte da nicht besonders Bescheid wissen. Ich versuche das dann zu erklären. Aber das ist noch nicht in allen Köpfen angekommen. In der Leder- und Fetischszene – in der ich mich ja hauptsächlich bewege – ist das Wissen darüber allerdings schon sehr verbreitet.

Wieso gerade dort?

Die sexuellen Praktiken können hier einfach schon mal heftiger ausfallen. Die Spielvarianten sind vielfältiger. Egal, ob es um SM, Fisten oder andere Sachen geht. Die Übertragungsrisiken können andere sein als beim „konservativen“ Sex. Deshalb sind die Leute dort meistens sehr gut informiert, man geht generell damit offener in der Fetisch-Szene um.

Was bedeutet für dich Verantwortung in Bezug auf Sex?

Ich sorge dafür, dass ich immer unter der Nachweisgrenze bin. Dass ich nicht „ansteckend“ bin. Ich lasse das regelmäßig ärztlich kontrollieren. Ich lasse mich auch regelmäßig auf alle anderen sexuell übertragbaren Infektionen checken, auch auf Hepatitis C. Was ich persönlich gar nicht mag, sind Männer, die vielleicht vier, fünf oder mehr Sexpartner an einem Wochenende wollen. Das ist nichts für mich. Ich muss mir ja nicht mit Gewalt was holen. Oder Typen, die rumdrucksen, ob sie sich mal haben testen lassen. Wer für sich selbst keine Verantwortung übernimmt – wer sich also nicht testen lässt, um zu wissen, was mit seiner Gesundheit ist –, der übernimmt auch für andere keine Verantwortung, denke ich. Und das törnt mich eher ab. Wenn ich sexuell sehr aktiv bin, viele Sexpartner habe, dann sollte ich mich schon regelmäßig testen lassen. Für mich selbst, aber eben auch für andere.

Und wie gesagt, ich thematisiere meinen HIV-Status, sodass der andere entscheiden kann, ob er mit mir Sex haben will oder auch nicht. Ich erkläre auch, dass ich unter der Nachweisgrenze bin und was das praktisch bedeutet.

Das Thema „Nichtinfektiosität bei Viruslast unter der Nachweisgrenze“ scheint auch noch nicht bei allen Staatsanwälten und Richtern angekommen zu sein. Noch immer gibt es Urteile gegen HIV-Positive, die wegen versuchter Körperverletzung verurteilt werden, selbst wenn ihre Viruslast unter der Nachweisgrenze ist und es somit gar keine Möglichkeit gab, die HIV-Infektion zu übertragen. Ich kenne da einige Urteile aus Bayern, woher ich ja komme. Da lassen viele Richter ihre eigenen moralischen Anschauungen in die Urteile einfließen. Wenn man manche der Urteile liest, dann wird das deutlich. Man muss vor Gericht anerkennen, dass jemand, der unter der Nachweisgrenze ist, nicht mehr ansteckend ist. Es ist unerträglich, dass Positive automatisch in so eine kriminelle Ecke gestellt werden.

Fühlst du dich da diskriminiert?

Klar. Mir wird da so eine Megaverantwortung auferlegt. Ich bin seit sechs Jahren unter der Nachweisgrenze. In der Zeit habe ich nun ganz sicher niemanden infiziert. Das muss anerkannt werden, denke ich.
Und diese Urteile sind ganz klar kontraproduktiv: Ich kenne Leute, die sich nicht mehr testen lassen, damit sie ihren Status nicht kennen und man ihnen gerichtlich nichts kann. Das kann doch nicht der Sinn sein! Das ist ja eher schlecht für die Prävention, weil die sich dann natürlich auch nicht mehr auf andere sexuell übertragbare Infektionen testen lassen.

Aber es geht mir noch um etwas anderes, nämlich um das generelle Thema der Verantwortung.

Du meinst die Verantwortung, die man beim Sex hat?

Ja. Und die trägt jeder erst mal für sich ganz alleine. Man kann nicht davon ausgehen, dass das der andere für einen übernimmt. Ein Beispiel: Irgendwann beim Sex gibt’s die Situation, wo wir zum Kondom greifen oder eben nicht. Das bekommen ja beide ganz bewusst mit. Da hat für sich jeder in dem Moment zu entscheiden, will ich das oder will ich das nicht. Sag ich was oder sag ich nichts? Und wenn ich eben nichts sage, weil ich es will, dann habe ich dafür in dem Moment auch die Verantwortung zu übernehmen. Für mich ganz alleine. Es ist egal, ob mein Sexpartner positiv oder negativ ist, ob er unter der Nachweisgrenze ist oder nicht. Es gibt da auch keine Auskunftspflicht. Der andere könnte ja auch HIV-positiv sein oder eine andere sexuell übertragbare Infektion haben und das gar nicht wissen, weil er nicht getestet ist. Daher muss ich in jeder Situation für mich selbst entscheiden, was ich will und was nicht und muss das auch ganz klar äußern. Nachher jemanden verantwortlich zu machen oder gar vors Gericht zu zerren, bringt mir ja dann auch nicht mehr wirklich was. So läuft es einfach nicht. Wir sind erwachsen. Also, übernehmt Verantwortung! Für euch selbst!

(Interview  und Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der Deutschen AIDS-Hilfe)

Filmtipp: Fucking Different

“Fucking Different XXX” ist das neueste ´Crossover´ XXX-Film-Exemplar der vor sechs Jahren ins Leben gerufenen Filmreihe “Fucking Different”. Die Idee dahinter: Lesben inszenieren schwulen Sex und Schwule setzen sich mit der weiblichen Lust auseinander.

Begonnen hat alles in Berlin, mittlerweile ist daraus aber ein internationales Filmprojekt entstanden, das Szenen aus Berlin, Paris, New York, San Francisco und Toronto zeigt. Und jede ist anders. Anders inszeniert, anders umgesetzt und immer wieder aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet. So zeigt der Kurzfilm „Litith (Mother of Evil)“ die biblische Geschichte von Kain und Abel in einer New Yorker Schwulenbar. „New Kid on the Block“ hingegen zeigt fast dokumentarisch den ersten mehr oder weniger unbeholfenen schwulen Sex zweier Teenanger. Der Blickwinkel ist entscheidend.

Er entscheidet auch darüber, mit was Ihr Euch auseinander setzen wollt oder eben nicht. Denn „Fucking Different XXX“ zeigt eine ungewöhnliche Vielfalt der verschiedensten queeren Sexpraktiken auf und führt an das heran, was den meisten von uns wohl eher bisher fremd war.
Viele Klischees und Vorurteile von lesbisch/schwulem Sex werden gebrochen und vielleicht ja auch beseitigt.

Was die Autoren/Regisseure aber eigentlich mit ihren Beiträgen erreichen möchten ist, dass sich Lesben und Schwule anders annähern. Und eben neue Blickwinkel schaffen – Denn „[...] der queere Crossover Porno verbietet nicht, er schafft Neues.“.

„Fucking Different XXX“ beleuchtet die Situation in der „es“ passiert und das auf eine ungewohnt unterhaltsame und kreative Art, die uns genau das zeigt, was uns bei uns nicht betreffendem queeren Sex bisher so fremd war.

Kinostart ist am 9. Februar 2012

Effekthandlung oder „Notstand“

Warum ein ca. 45 Jahre alter Mann gestern Abend einen Gay-Sexshop in der Kölner Innenstadt überfallen hat ist bislang ungeklärt. Polizeiangaben zufolge ist bisher nur bekannt, dass kurz vor 21 Uhr ein Unbekannter den Laden auf der Mathiasstraße betrat  und zur Tat schritt.

Der 175 – 180 cm große Mann betrat den Sexshop, indem überwiegen schwule Männer die Angebote nutzen, und ging zielstrebig auf den Kassenbereich zu. Der 59-jährige Angestellte staunte nicht schlecht, als ihm eine Machete ‚unter die Nase gehalten’ und nach dem gesamten Bargeld verlangt wurde. Anschließend konnte der Täter Richtung Waidmarkt entkommen.

Die Fahndung nach dem mit rheinischem Akzent sprechenden Mann läuft indes weiter. Zur Tatzeit hat er eine schwarze Lederjacke, blaue Jeans und eine schwarze Wollmütze getragen. Ein dunkler Haaransatz und ein vernarbtes Gesicht sind weitere Zeugeninformationen. Hinweise zum Täter nimmt das Kriminalkommissariat 14 (Köln) unter 0221/229-0 entgegen.

 

Welt-Aids-Tag 2011: Kondome schützen!

Jeder kennt es – zumindest hat jeder schon davon gehört: Das Kondom. Doch leider wird es gerade in der schwulen Szene oftmals (bewusst) weggelassen. Auch wenn Männern die mit Männern Sex haben stets bewusst ist, dass sie sich infizieren können, bareback Sex wird von vielen noch immer bevorzugt.

Und das obwohl es gegen Aids weder eine Impfung noch ein erwiesenes Heilmittel gibt. Das einzige, was gegen eine Neuinfektion schützt, ist zu wissen wie man sich in welchem Moment zu schützen hat.
Eine Ansteckung mit dem HI-Virus ist möglich, wenn Blut oder Samen- (bei Frauen dementsprechend Scheiden-) Flüssigkeit in das eigene Blutsystem gelangt. Möglich ist eine Infektion also durch aus beim ungeschützten Sex oder aber beim Benutzen von gemeinsamen Spritzutensilien.

Beim Sex schützen Kondome also vor Ansteckung. Daher gilt bei jedem „Akt“ und jedem neuen Partner ein neues Präservativ zu verwenden. Aber Achtung: Jedes Kondom sollte die CE-Kennzeichnung tragen und das Haltbarkeitsdatum sollte nicht überschritten sein.
Bei Latex-Kondomen ist zu beachten, dass nur fettfreie Gleitmittel verwendet werden dürfen.
Dann kann`s auch schon (fast) losgehen…

Anlässlich des WAT2011 werden wir jeden Tag ein neues Bild mit der entsprechenden Information posten. Dabei möchten wir darauf aufmerksam machen, dass die HIV-Übertragung oftmals unterschätz – aber ebenso sehr überschätzt wird.

Weil Mann kann…

Weltknuddeltag, Murmetiertag, Tag des Waldes, Internationaler Tag gegen Homophobie, Jogginghosentag…
Für fast alles gibt es einen (internationalen) Tag auf der Welt, warum nicht also auch für uns? Heute am 3. November ist der Weltmännertag.

Eigentlich gedacht dafür, dass wir uns einmal mehr an uns denken sollen.
Zumindest in Sachen Bewusstseinserweiterung im Bereich Gesundheit. Das war zumindest die Intention von Michael Gorbatschow und Andrologen der Universität Wien,
denen wir den Weltmännertag seit 11 Jahren verdanken.

Warum es nun besser ist Mann und nicht Frau zu sein, muss letzendlich jeder für sich entscheiden.
Wir haben uns überzeugen lassen und fünf Gründe gefunden warum es besser ist so zu sien, wie wir sind:

  1. Telefongespräche dauern nur 30 Sekunden.
  2. Die Schlangen vor dem Klo sind 80 Prozent kürzer
  3. Die Orgasmen eines Mannes sind nicht vorgetäuscht.
  4. Dass Mann eine Person nicht sympathisch ist, heißt noch lange nicht, dass er sich mit dieser keinen Sex vorstellen kann.
  5. Mann kann 90 Prozent seiner Zeit nach dem Aufstehen an Sex denken.

Ja wir wissen, dass unsere Argumente sehr hetero klingen, aber wir stehen nunmal auf Jungs, also ist ein bisschen hetero doch wohl ok, oder?

Übrigens, der internationale Männertag wird in vielen Ländern am 19. November begangen. Mit Unterstützung der Vereinten Nationen und weiteren Organisationen soll das Verhältnis zwischen den Geschlechtern verbessert und das männliche Rollenbild positiv gestärkt werden.

Blutspendeverbot homosexueller Männer bricht EU-Recht

Schwule Männer dürfen nach Ansicht des EU-Kommissars für Gesundheit, John Dalli, nicht generell von der Blutspende ausgeschlossen werden. Der generelle Ausschluss schwuler und bisexueller Männer sei mit dem EU-Recht nicht vereinbar.

Barbara Höll, Sprecherin für Lesben- und Schwulenpolitik der Bundestagsfraktion DIE LINKE fordert den deutschen Gesetzgeber auf, die Diskriminierung schwuler Männer durch das Blutspendeverbot zu beenden: „Die Blutspende muss konsequenten Sicherheitsbestimmungen unterliegen, damit es nicht zu unbeabsichtigten Krankheitsübertragungen kommt. Doch der in Deutschland durch die Ärztekammer festgelegte generelle Ausschluss schwuler Männer diskriminiert und schürt Vorurteile.“, erklärt Höll. „Nicht das tatsächliche Verhalten des Blutspenders, wie häufige Sexualpartner oder riskante Sexualpraktiken, sondern seine sexuelle Identität führen zum Ausschluss von der Blutspende. Dies betrifft auch schwule Männer, die in einer langjährigen monogamen Beziehung leben.“, erklärt die Politikerin weiter. (Quelle: PRIDE1/td)

Auch GAYS.DE hatte in der Vergangenheit schon des Öfteren über die offensichtlich Diskriminierung homosexueller Männer berichtet. Nicht nur in Deutschland sind Männer die Sex mit Männern haben als Spender ausgeschlossen. Grund dafür ist die Kategorisierung von schwulen und bisexuellen Männern als Risikogruppe. Ebenso wie Prostituierte, Drogenkonsumenten und Gefängnisinsassen zählen sie zu potentiellen Nichtspendern. Dabei haben weniger als ein Prozent der betroffenen Männer eine HI-Infektion.
Der Verein ‚Schwules Blut‘ engagiert sich dafür, dass Schwule nicht mehr kategorisch als Risikogruppe von der Blutspende ausgeschlossen werden.

“Schwule wollen doch gar keine Beziehung! Sie wollen nur Sex!”

Wie in Berlin die erste Beziehungspraxis für Männer, die Männer lieben eröffnete und warum dies, in dieser Stadt notwendig ist.

Die Stadt hat einen schwulen “Chef”, eine der größten CSD Paraden Deutschland und gilt als die Hochburg für Schwule und Lesben in ganz Europa, Berlin. Hier geht es offen, tolerant und freizügig zu, also warum soll es eine Beratungspraxis nur für Schwule geben? “Die können doch überall hin! Und sind es.”: hörte sich der junge Berliner Conny Warmuth nicht nur einmal an. Er hat in Berlin eine Praxis für Beziehungsberatung für Männer eröffnet, die Männer lieben. Die erste ihrer Art in Deutschland.

Hier werden gebrochene Herzen geheilt, Beziehungen zusammengehalten, aber auch gelöst oder ergänzt. “Berlin ist recht tolerant, dennoch gibt es leider trotz aller Fortschritte Ablehnung und Diskriminierung. Angefangen in der Schule, über Arbeit aber auch die breite Masse und sogar unter Therapeuten, Coaches oder Ärzte” sagt der Beziehungscoach nachdenklich. “Als ich den Spruch “Schwule wollen doch gar keine Beziehung, die wollen doch nur Sex!” eines Therapeuten hörte, wurde auch mir, der sich schon seit Jahren in der Szene aufhielt, klar, dass es nicht unbedingt leichter geworden ist wenn man Unterstützung mit seinem Partner sucht. Und da ich schon eine breite Masse an Klienten hatte die Schwul oder Bisexuell waren, haben ich mich auf diese konzentriert.”

“Viele Themen und Fragen sind die gleichen wie in der klassischen Beratung von Paaren auch. Sie sind nur anders eingefärbt und es gibt Besonderheiten die ohne Abwertung angesprochen werden können. Treue, Lust, Ängste, Krankheiten, Mobbing und der normale Wahnsinn des Alltags. Ich führe dieses Leben selbst und habe somit einen anderen Blick auf die Probleme die ein schwuler Mann haben kann. Egal ob nun mit oder ohne Beziehung. Viele finden bei mir das erste Mal den Raum sich Gefühle, Probleme aber auch Wünsche und Vorteile einzugestehen, da es mir eben nicht egal ist oder es gar als krank ansehe wenn Menschen fühlen und Leben.”

Eine Anlaufstelle bei Missbrauch oder homophober Gewalt ist das Projekt MANEO, welches seit über 20 Jahren in Berlin Hilfe und Unterstützung anbietet aber auch Vor-Ort und Aufklärungsarbeit leistet. MANEO ist auch die Anlaufstellen wenn es um Übergriffe und Hasstaten auf schwule und bisexuelle Männer geht. Und die Zahlen fallen leider nicht, von Jahr zu Jahr werden mehr Taten gemeldet und bearbeitet. “Die Dunkelziffer dürfte aber weitaus höher liegen”: so der Projektleiter Bastian Finke.

Bei Problemen in schwulen Beziehungen kann man nicht immer auf die Unterstützung von Familie und Kollegen hoffen. Eher noch auf die von Freunden, aber da diese meist nicht neutral sind, ist guter Rat oft teuer und eine Beziehung wird schneller beendet als vielleicht notwendig. Und dann geht die Suche von neuem los. “Schwule haben es nicht gelernt eine Beziehung zu andern Männern aufzubauen. Wir werden heterosexuell erzogen, die Gesellschaft und Medien leben uns klassische Formen der Beziehung vor, wir werden mit dem Gedanken groß das es nicht normal ist als Mann, Männer zu lieben. Es fehlen Beziehungsriten und Objekte wie Ehe, Kinder und Akzeptanz der Liebe, dies macht es so schwer offen zuzugeben das man gerade ein Problem hat. Als Mann hat man einfach kein Problem mit der Liebe oder sich selbst. So werden wir nicht erzogen und dies lässt einen auch nach Jahren immer wieder leiden. Unabhängig von Ängsten wie wir dastehen wir uns Outen, Beschimpfungen und Vorwürfen.”: meint er energisch.

Conny Warmuth hat einen geschützten Raum geschaffen wo man sich professionell helfen lassen kann wenn man nicht weiter weiß. Als Mann, als Schwuler, als Mensch. In einer Stadt die alles versucht nach außen noch offener und vielfältiger zu erscheinen und vergisst das in all der Vielfältigkeit der Einzelne nicht untergehen darf.

Kein Homo-Verbot im Koran

Homosexualität. Männer die mit Männern Sex haben. – Für den Islam ein Unding, denn eigentlich gilt homosexuelles Verhalten als Verboten. Doch wie der Islamwissenschaftler Andreas I. Mohr behauptet, steht im Koran überhaupt nichts davon. Kein einziges Wort, keine explizierte These werde aufgeführt.

Mohr selbst hat es sich zur Aufgabe gesetzt, die Religion mit der sexuellen Orientierung zu vereinen. Zumindest beschäftigt er sich fast täglich damit. Homosexualität und islamistischer Glauben – für ihn kein Ding des Unmöglichen. Vielmehr zwei Lebenssituationen die durchaus mit einander vereinbar sind.

Seiner Meinung nach werden die Stellen im Koran fälschlicherweise auf die gleichgeschlechtliche Liebe herangezogen. Die Auslegung nach sexuellen Kontakten in einigen Suren seien wohl schon nachvollziehbar, auf Homosexualität anzuspielen jedoch eine Übertreibung, so Mohr. Er unterstreicht hingegen, dass die Ansprache eindeutig auf verheiratete Männer hinziele – demnach also Ehebruch der eigentliche Kontext sei.

Mohr ist der festen Überzeugung, dass das islamische Strafrecht, welches Homosexualität in all seinen Formen verbietet, nicht Gottes Werk sei sonder lediglich menschliche Willkür.

 

Fundstück der Woche: Kondometto ermittelt Deine Größe…

“Ich bin doch kein Durchschnitt! Kann mir mal jemand erklären, warum ich nirgends das passende Kondom zu kaufen bekomme?“ – Kondometto hilft weiter.

Etwa zwei Drittel der Männer benutzen Kondome, die nicht richtig sitzen. Ist ein Kondom zu groß, kann es abrutschen, ist es zu klein, quetscht es. Besonders in kniffeligen Situationen führt ersteres zu meist peinlichen Pannen. Wer keine Ahnung hat, wie groß sein Penis ist, kann auch bei der Wahl des Kondoms immer nur raten. Und das geht gerne mal daneben.

Am 8. Juni präsentiert pro familia Baden-Württemberg in Kooperation mit Kondomberater Jan Vinzenz Krause das Messgerät namens Kondometto in Stuttgart. “Wir wollen Jungs und Männern ein einfaches, cooles und präzises Instrument in die Hand geben, um ihre Kondomgröße zu ermitteln”, so Manuela Rettig, Geschäftsführerin pro familia Baden-Württemberg. Das Kondometto funktioniert wie eine Schieblehre und hat die Größe einer Scheckkarte. Der Messschieber wird an den Penis angelegt, das Ergebnis auf einer Skala abgelesen. Der Benutzer erkennt auf einen Blick seine Kondomgröße.

“Das überall angebotene Durchschnittskondom ist nicht jedermanns Sache, besonders nicht für Jugendliche im Wachstum”, erklärt Thomas Hahn, Sexualpädagoge bei pro familia Singen. “Kondome gibt es mit einer nominalen Breite zwischen 43 und 69 Millimetern. Eigentlich ist für jeden etwas dabei. Im Laden findet sich meistens nur die 52er-Größe. Aber welcher Mann ist schon Durchschnitt?” Viele – nicht nur Jugendliche – lassen deshalb den Gummi weg und riskieren so nicht nur die eigene Gesundheit. Die Gefahr einer Infektion mit Aids und anderen Geschlechtskrankheiten ist enorm.